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Rasspe-Areal: Der Umbau hat begonnen

Der Brand im Juni dieses Jahres hat in und an dem denkmalgeschützten Gebäude deutliche Spuren hinterlassen.
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Der Brand im Juni dieses Jahres hat in und an dem denkmalgeschützten Gebäude deutliche Spuren hinterlassen.

Trotz des Brands vor sieben Wochen laufen die Planungen für das Gewerbegebiet „Stöcken 17“ weiter.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Sieben Wochen nach dem Feuer auf dem früheren Rasspe-Gelände ist die Brandursache weiterhin unklar. Und wird es wohl auch bleiben. „Aufgrund des hohen Grades der Zerstörung kann ein Brandausgangsort nicht mehr festgestellt werden. Hierdurch ist auch die Bestimmung der genauen Brandursache erschwert“, teilt die Wuppertaler Staatsanwaltschaft auf ST-Anfrage mit. Auszuschließen sei jedoch ein technischer Defekt – elektrische Abnehmer und die entsprechende Verkabelung waren nicht vorhanden. Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, „dass das Feuer durch Menschenhand verursacht wurde. Ob dies fahrlässig oder vorsätzlich geschah, konnte nicht geklärt werden.“

Am 21. Juni musste die Solinger Feuerwehr zu einem Großeinsatz an der Straße Stöcken ausrücken. Anwohner hatten Flammen im linken Teil des denkmalgeschützten Gebäudes gemeldet. Bereits 2016 war es zu einem Großfeuer in dem Objekt gekommen.

Wie hoch die Schäden sind, lasse sich noch nicht beziffern, erklärt Achim Willke. Derzeit werde das Schadenskataster erstellt. Zur Beseitigung der Brandfolgen erklärt der Prokurist der Solinger Wirtschaftsförderung: „Da das Gebäude über uns versichert ist, gehen wir davon aus, dass die Versicherung den Schaden regulieren wird.“

„Stöcken 17“: Planungen für das neue Gewerbegebiet aus der ehemaligen Fabrik laufen weiter

Willke ist als Projektleiter für „Stöcken 17“ verantwortlich. Unter diesem Titel plant die Stadt, das frühere Areal der Landmaschinen-Fabrik Rasspe in ein Gewerbegebiet umzuwandeln. Zu diesem Zweck hat die Wirtschaftsförderung 2015 an einem Bieterverfahren für das mehr als 60 000 Quadratmeter große Grundstück teilgenommen – mit Erfolg.

Umgesetzt wird das Vorhaben in Zusammenarbeit mit Investoren. Der erste stellte sich im April dieses Jahres in Solingen vor. Die Bauconzept Real Estate GmbH aus dem sächsischen Lichtenstein hat den Zuschlag für die Bestandsgebäude erhalten. Das impliziert die ehemalige Lehrwerkstatt und das denkmalgeschützte Lager- und Verwaltungsgebäude an der Straße Stöcken. Der Brand stelle die Pläne nicht infrage, hatte die Verwaltung unmittelbar nach dem Feuer erklärt.

Noch ist die Wirtschaftsförderung Eigentümerin der betroffenen Immobilie. Das soll sich Achim Willke zufolge bald ändern: „Der Notartermin hat bereits im ersten Quartal 2022 stattgefunden.“ Mit der Fortschreibung des Liegenschaftskatasters habe man noch eine Voraussetzung erfüllen müssen, so dass der Eigentumsübergang nun erfolgen könne.

„Stöcken 17“: Baugenehmigung für umfänglichere Arbeiten an der Lehrwerkstatt ist eingereicht

Derweil habe der Umbau der früheren Lehrwerkstatt begonnen. „Es handelt sich dabei um genehmigungsfreie Arbeiten wie beispielsweise Abdichtungsarbeiten an den Fundamenten“, führt Willke aus. Er rechnet damit, dass bald „weitere umfänglichere Arbeiten“ starten können – die Baugenehmigung sei eingereicht.

Bauconzept plant, die Mietfläche von rund 1400 Quadratmetern in vier Einheiten aufzuteilen. Die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft möchte ihren Sitz von der Kölner Straße in Richtung Stöcken verlagern. Das hatte Geschäftsführer Stephan A. Vogelskamp im ST-Gespräch angekündigt. Darüber hinaus erklärt Achim Willke: „Eine vertiefende aktive Mieteransprache im Rahmen eines Vermietungskonzeptes ist noch für das dritte Quartal 2022 geplant.“ Es gebe „diverse Nutzungsideen und Interessenbekundungen“.

Mit genehmigungsfreien Arbeiten hat der Umbau der früheren Rasspe-Lehrwerkstatt begonnen.

Bauconzept möchte den Umbau der Lehrwerkstatt in der zweiten Jahreshälfte 2023 abschließen. Die Fertigstellung des mehr als 6000 Quadratmeter großen Lager- und Verwaltungsgebäudes sei für 2026 geplant.

Bevor die Vermarktung der freien Flächen auf dem Areal beginnen kann, müssen rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, in erster Linie das Bebauungsplanverfahren. Mit einem Start der Vermarktung ist frühestens 2023 zu rechnen.

Hintergrund

Stöcken 17 soll ein „Gewerbegebiet vollkommen neuen Zuschnitts“ werden, hatte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) im Frühjahr erklärt. Und ausgeführt: „Nachhaltige Flächennutzung in Kombination mit Mikromobilität, E-Ladesäulen und weiteren Services werden verschiedene Mobilitätsformen bündeln.“

Standpunkt von Manuel Böhnke: Glück im Unglück

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Die Entwicklung des früheren Rasspe-Geländes ist ein langwieriges Unterfangen. Bis 2009 hatte die Landmaschinen-Fabrik ihren Sitz an der Straße Stöcken, seit 2015 gehört das Grundstück der Wirtschaftsförderung. Erst im Frühjahr konnten die aufwendigen Abbrucharbeiten inklusive Flächensanierung abgeschlossen werden. Dass die Stadt dann im April den ersten Investor für das Areal vorstellte, war ein Meilenstein für das Projekt.

Umso besorgniserregender war die Nachricht im Juni, dass das frühere Verwaltungs- und Lagergebäude nach 2016 erneut in Flammen steht. Doch die Schäden scheinen einigermaßen überschaubar. Zudem hat die Bauconzept Real Estate GmbH als Investor klargemacht, an dem Vorhaben festzuhalten. Glück im Unglück.

Nun nimmt das Projekt mit dem Umbau der früheren Lehrwerkstatt Fahrt auf. Bleibt zu hoffen, dass weitere Zwischenfälle ausbleiben. Denn das Gewerbegebiet „Stöcken 17“ hat mit seinem innovativen Ansatz das Zeug, ein Leuchtturmprojekt für die Region zu werden. 

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