Glaube

Fastenbrechen im Zentrum Frieden: Ramadan bietet Raum für den Dialog

Zum Fastenbrechen trafen sich am Freitagabend im Zentrum Frieden an der Wupperstraße etwa 80 Teilnehmer, um gemeinsam das Abendessen zu genießen. Foto: Tim Oelbermann
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Zum Fastenbrechen trafen sich am Freitagabend im Zentrum Frieden an der Wupperstraße etwa 80 Teilnehmer, um gemeinsam das Abendessen zu genießen.

Beim Fastenbrechen im Zentrum Frieden kamen Muslime und interessierte Nicht-Muslime zum gemeinsamen Essen zusammen.

Von Kristin Dowe

Bei Hüseyin Turgut ist der Kreislauf noch relativ stabil. „Die ersten Tage sind immer die schwierigsten“, gibt der Vorsitzende des muslimisch geprägten Vereins Spektrum Bildungszentrum unumwunden zu. Dieser ist keiner muslimischen Gemeinde in Solingen zugehörig. Seit gut einer Woche fastet er nun, denn der Ramadan hat begonnen. Für gläubige Muslime bedeutet das, „von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang“, so Turgut, einen Monat lang konsequent auf feste Nahrung, Wasser, jegliche Genussmittel wie Alkohol oder Zigaretten und Sex zu verzichten.

Standpunkt von Kristin Dowe

Tagsüber heiß ersehnt wird dann bei den Muslimen das sogenannte Fastenbrechen, zu dem man sich abends in geselliger Runde trifft. So auch die Gemeinde Spektrum – rund 80 Mitglieder trafen sich am Freitagabend im Zentrum Frieden, um gemeinsam zu beten und zu essen.

Traditionell sind auch einige Nicht-Muslime eingeladen

Dabei ging es ausgelassen zu, vier reichlich gedeckte Tische mit Speisen der mediterranen Küche warteten auf die Gläubigen. Traditionell sind bei der Veranstaltung auch einige Nicht-Muslime dabei, betont Turgut: „Uns geht es dabei um die Notwendigkeit des Dialogs mit anderen Kulturen und Religionen. Wir möchten uns als Gemeinde allen öffnen, deshalb lade ich jedes Jahr auch deutsche Freunde zum Fastenbrechen ein.“

Eine solche Form der interkulturellen Begegnung war nicht immer selbstverständlich, erinnert sich Turgut, der mit sieben Jahren mit seiner Familie aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist. „Meine Eltern haben noch sehr stark im eigenen Nest gelebt. Sie hatten große Probleme, die deutsche Sprache zu lernen, und es gab wenig Kontakt mit den deutschen Nachbarn.“

Um so wichtiger sei es ihm heute, „Brücken der Verständigung“ zwischen den Kulturen zu bauen und zu festigen. Denn eines steht für den Vater von drei Kindern außer Frage: „Solingen ist meine Heimat. Ich gehöre hierhin.“

Interkulturelle Verständigung steht im Vordergrund

Dabei sei ihm wichtig, religiöse Traditionen zu wahren, aber einen verantwortungsvollen Umgang mit ihnen zu pflegen – gerade in Bezug auf den Ramadan: „Die Gesundheit hat auch im Ramadan für uns immer Vorrang. Deshalb sollten nur Muslime fasten, die sich körperlich dazu in der Lage fühlen.“ Gläubigen, die gesundheitlich angeschlagen sind, sowie Schwangeren und Kindern, rät er klar davon ab.

Gerade letztere neigten oft dazu, auch fasten zu wollen, um bei den Erwachsenen dazuzugehören. „Weil wir tagsüber während des Ramadans nicht essen und trinken dürfen, stehen wir nachts öfters auf, um uns für den Tag zu stärken. Mein kleiner Sohn möchte dann auch immer mit aufstehen, was ich ihm aber nicht erlaube.“

GEPLANTE MOSCHEE

NEUBAU Nach der Planung der Ditib-Gemeinde sollen auf dem Gelände an der Schlachthofstraße in der Innenstadt neben einer Moschee ein Unterrichts- und ein Bürogebäude sowie eine Mehrzweckhalle auf 12 500 Quadratmetern entstehen. Nach Angaben der Stadt hat Ditib die zuletzt fehlenden Planungsunterlagen inzwischen eingereicht, nun werde das Projekt in den politischen Gremien beraten.

Denn Kinder müssten für den Unterricht ausgeruht und leistungsfähig sein und sollten sich schon deshalb nicht all zu streng an das Fastengebot halten, meint Turgut. Eine Haltung, die er mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) teilt. Diese hatte kürzlich die in Deutschland lebenden Muslime dazu aufgerufen, die Fastenregeln für Kinder zu lockern, beklagen Schulen doch immer wieder, dass muslimische Schüler übernächtigt und völlig geschwächt zum Unterricht erscheinen.

Dabei geht es im Ramadan um etwas anderes, erklärt Turgut: „Das Fasten gehört zu den fünf Säulen des Islam. Der Ramadan ist für uns auch eine Zeit der Barmherzigkeit, in der wir durch den Verzicht lernen, uns in die Lage bedürftiger Menschen zu versetzen.“

Wenngleich die der Gülen-Bewegung zugewandte Gemeinde einen guten Kontakt zu Deutschen pflege, seien die Beziehungen innerhalb der muslimischen Community vor dem Hintergrund der politischen Spannungen in der Türkei nicht so harmonisch, bedauert Turgut: „Die Ditib gibt uns die Schuld an dem Putschversuch in der Türkei, da gibt es noch tiefe Gräben.“

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