Theaterstück

Publikum bejubelt Dürrenmatt-Inszenierung in der Cobra

Renate Kemperdick und Uwe Dahlhaus überzeugten wie das übrige Ensemble auf ganzer Linie.
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Renate Kemperdick und Uwe Dahlhaus überzeugten wie das übrige Ensemble auf ganzer Linie.

Stadtensemble konnte mit „Der Besuch der alten Dame“ endlich Premiere feiern.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Das Publikum war begeistert. Langanhaltender Applaus, zum Schluss im Stehen, belohnte das Stadtensemble für eine bemerkenswerte und gelungene Aufführung: Die „Cobra-Fassung“ des „Besuchs der Alten Dame“ von Dürrenmatt. So hatte Regisseur Michael Tesch die nötige Anpassung der durchdeklinierten Inszenierung an den neuen Spielort genannt. Im Sommer mussten die angesetzten Aufführungen krankheitsbedingt abgesagt werden; bitter für alle Beteiligten, denn zuvor hatte Corona mit seinen Lockdowns das Stück auf Eis gelegt.

Nun aber konnte die Crew von Tesch, federführend unterstützt durch Malte Jäger als technischem Leiter, endlich abliefern. Und das, was das Publikum zu sehen bekam, war alles andere als eine Notlösung.

Tesch, gut mit der Cobra und deren Möglichkeiten vertraut, hatte Handlung und Interpretation der „tragischen Komödie“ mit grotesken Zügen auf drei Bühnen verteilt. Der gnadenlose und von langer Hand geplante Rachefeldzug der ultrareichen Claire Zachanassian, an ihrem einstigen Geliebten Alfred Ill (Uwe Dahlhaus) am Ort ihrer Jugendliebe – der nun heruntergekommenen Kleinstadt Güllen – an Dynamik gewann.

Auf Leinwände projizierte Ortsangaben in Verbindung mit dichten Klangelementen, halfen dem Publikum bei der Orientierung. Gespickt von überzeichneten Figuren wie die Gatten VII und VIII (Holger Langenberg) oder den begleitenden Kastraten Koby (Amira Kemperdick), gelang es auch den Darstellern der Nebenrollen, trotz der Holzschnittartigkeit ihrer Charaktere fesselnd und damit unterhaltend zu sein und damit den Spannungsbogen dauerhaft hochzuhalten.

Die alte Dame macht Güllen ein unmoralisches Angebot

Geradezu genüsslich schien Renate Kemperdick in ihrer Rolle als ehemalige Klara Wäscher zu agieren. Mit roter Perücke, Pelzboa und befremdlicher und unterschwellig dauerbedrohlicher Distanziertheit beobachtete sie, wie sich die menschliche Entrüstung in der Bürgerschaft von Güllen über ihr unmoralisches Angebot nach und nach der Verlockung von Wohlstand ergab.

„Eine Milliarde für Güllen, wenn Ihr Alfred tötet“ hatte sie beim Empfangsbankett im „Goldenen Apostel“ verkündet und dieses Angebot mit der Forderung nach moralischer Gerechtigkeit begründet: Nicht nur, dass sie, mit 17 Jahren schwanger von Ill war und er die Vaterschaft verleugnete. Mit Hilfe eines von ihm bestochenen Zeugen bekam er vor Gericht Recht und ihr blieb nur die Flucht aus der Stadt - gesellschaftlich geächtet und in Armut.

Uwe Dahlhaus trug „seinen“ Ill überzeugend und fesselnd durch dessen innere Wandlung. Nach seiner „Jugendsünde“ aktuell gekoppelt mit der Angst um das nackte Leben gewann er mehr und mehr an innerer Größe. Den Appell des Bürgermeistes (Alexander Riedel) sich selbst zu richten, um diesem die Tat zu ersparen, lehnte er allerdings ab: Er fügte sich ins Unvermeidliche.

Termin: Am Freitag gibt es den Dürrenmatt-Klassiker in einer letzten Aufführung für Schüler und Schülerinnen.

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