Im Juni 2020 festgenommen

Kindesmissbrauchs-Prozess gegen Solinger Vater unter Ausschluss der Öffentlichkeit gestartet

Gerichtsverhandlung in Wuppertal: Kindesmissbrauch in Solingen – Angeklagter hält sich Ordner vors Gesicht
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Am ersten Verhandlungstag im Prozess um den Kindesmissbrauch sagte der 39-jährige Angeklagte aus Solingen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

Ein 39-Jähriger aus Solingen soll seinen Sohn und seine Tochter vielfach sexuell missbraucht und Fotos und Videos von den Taten ins Internet gestellt haben. Der Angeklagte sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

  • Der 39-jährige Angeklagte aus Solingen soll seine beiden Kinder zehn Jahre lang missbraucht haben.
  • Nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters wurden 500 000 kinderpornografische Videos und Fotos beschlagnahmt.
  • Der Solinger soll seine Taten gefilmt und im Internet veröffentlicht haben.

Von Philipp Müller

Wuppertal/Solingen. Zu Beginn der Hauptverhandlung des Prozesses gegen einen 39-jährigen Solinger wegen Kindesmissbrauchs schloss der Vorsitzende der Großen Strafkammer des Landgerichts Wuppertal, Dr. Karsten Bremer, die Öffentlichkeit aus. Erst danach wurde die Anklageschrift aus dem November 2020 der Staatsanwaltschaft Wuppertal verlesen. Das sei bei Jugendschutzverfahren so üblich, sagte der Sprecher des Landgerichts, Richter Armin Kolat. In der Anklage geht es um 43 Einzeltaten in einem Zeitraum von 2010 bis Juni 2020. Das reiche von sexuellem Missbrauch über schweren sexuellen Missbrauch bis zum Besitz kinderpornografischen Materials, erläuterte Kolat.

Zwar gelte in Strafprozessen grundsätzlich das Prinzip der Öffentlichkeit, doch Gerichtssprecher Kolat erklärte, warum in diesem zu verhandelnden Fall das nicht gilt: In der Anklageschrift gegen den 39-jährigen beschuldigten Familienvater käme es zur Schilderung ganz konkreter Tatverläufe. Die Tochter und der Sohn des Angeklagten, sie waren bei der Festnahme des Vaters 12 beziehungsweise neun Jahre alt, sollen dauerhaft geschützt und mit den Tatdetails nicht ihr Leben lang von außen konfrontiert werden.

Solingen: Angeklagter soll Sohn und Tochter jahrelang missbraucht haben

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 39-Jährigen nach Angaben des Landgerichts vor, ab 2010 bis Juni 2020 seinen Sohn und seine Tochter vielfach sexuell missbraucht zu haben. Von den Tathandlungen soll er mehrfach Fotos oder Videos gefertigt haben, um sie später im Internet zu verbreiten.

Laut Anklage waren die Tatorte teils die Wohnung des Angeklagten in Höhscheid, teils ein Campingplatz außerhalb in Rösrath. Außerdem soll der Angeklagte mehr als 500 000 kinderpornografische Bilder und Videos besessen haben. Im Juni 2020 wurde er schließlich festgenommen. Auch das wird im Prozess eventuell noch untersucht: Er könnte zum Netzwerk der Täter aus dem Missbrauchs-Komplex Bergisch Gladbach gehören

Die Staatsanwaltschaft legte dem Angeklagten am ersten Verhandlungstag außerdem Betrug zur Last. Er soll als Zeitsoldat im Jahr 2017 rund 2800 Euro Fahrtkosten zu einer Flugschule abgerechnet haben, ohne dort über einen Zeitraum eines halben Jahres jemals erschienen zu sein. Der Solinger gestand dies. Er habe zu Hause studiert und die erschlichenen Fahrtkosten für Flugstunden einsetzen wollen.

Solingen: Der Angeklagte machte umfassend Angaben zu den Tatvorwürfen

Auch zum Tatvorwurf des Kindesmissbrauchs äußert sich der Angeklagte. Dazu wurde auf Antrag seines Verteidigers Chuya Kojima erneut die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Denn in der Einlassung zur Tat wurden Fotos gezeigt und deren Inhalt durch das Gericht bewertet. Dem Antrag auf Nichtöffentlichkeit schloss sich auch die Staatsanwaltschaft zum Schutz der minderjährigen Opfer an. Armin Kolat sagte, dass der Angeklagte umfassend Angaben zur Sache gemacht habe. Eine juristische Wertung könne damit aber noch nicht verbunden werden. Der Prozess wird bereits am Montag fortgesetzt. Dann wird es zu Zeugenvernehmungen kommen. Auch dies wird voraussichtlich nichtöffentlich verhandelt.

Die Festnahme fand im Juni 2020 auf einem abgeschiedenen Campingplatz in Rösrath bei Köln statt. Zunächst wurde auch gegen die Mutter ermittelt. Doch sie wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht angeklagt. Ihre Rolle wird im Prozess trotzdem aufgearbeitet werden. Die Kinder kamen nach der Festnahme in die Obhut des Jugendamts.

Mehrfach wurde die Wohnung in Höhscheid nach Beweismaterial durchsucht. Die Wohnung muss sich in einem schlechten Zustand befunden haben. Ein Polizeisprecher erklärte am Tatort, das sei „kein Ort, an dem man sich Kinder wünscht“. Beschlagnahmt wurden mehrere Terabyte Beweismaterial auf verschiedenen Datenträgern. Die Auswertung zog sich über Monate hin und mündete im November 2020 in der Anklage. Ein Urteil könnte am 18. Februar fallen.

Das Jugendamt hatte öfter Kontakt zur Familie, auch das wird das Gericht untersuchen. Das Solinger Tageblatt hatte mehrfach über die Festnahme und die unmittelbar sich daraus ergebenden Tatvorwürfe berichtet. Hier lesen Sie eine Zusammenfassung.

Strafrahmen

Wer Kinder sexuell missbraucht, wird nach § 176 a des Strafgesetzbuchs mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft, wenn der Täter in der Absicht handelt, die Tat zum Gegenstand eines pornografischen Inhalts zu machen. Mindestens fünf Jahre sind es, wird das Kind dabei körperlich schwer misshandelt.

Unser Erstbericht vom 29. Januar 2021: Prozess um sexuellen Kindesmissbrauch gegen Solinger Vater beginnt heute

Solingen. In diesen Minuten beginnt vor dem Wuppertaler Landgericht der Prozess gegen einen 39-jährigen Solinger wegen Kindesmissbrauchs. Die Verhaftung des Vaters zweier Kinder hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, stand doch im Raum, dass er zum Netzwerk der Täter aus dem Missbrauchs-Komplex Bergisch Gladbach gehören könnte. Auch das wird der Prozess aufzeigen können. Die Tochter war am Ende der zehnjährigen Tatzeit 12 Jahre und ihr Bruder neun Jahre alt.

Das Landgericht teilte vorab, worum aus seiner Sicht ab heute vor der Großen Schwurgerichtskammer gehen wird: „Der 39 Jahre alte Angeklagte aus Solingen soll ab 2010 bis Juni 2020 seinen Sohn und seine Tochter vielfach sexuell missbraucht haben. Von Tathandlungen soll er mehrfach Fotos oder Videos gefertigt haben, um sie später im Internet zu verbreiten. Laut Anklage war Tatort teils die Wohnung des Angeklagten in Solingen, teils ein Campingplatz außerhalb. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann außerdem den Besitz von mehr als 500 000 kinderpornographischen Bildern und Videos vor.“

Solingen: Wohnung des Mannes in Höhscheid wurde mehrfach durchsucht

Die Festnahme erfolgte im Juni 2020 auf einem kleinen, abgeschiedenen Campingplatz in Rösrath bei Köln. Zunächst wurde auch gegen die Mutter ermittelt. Doch sie wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft bisher nicht angeklagt. Auch ihre Rolle wird im Prozess aufgearbeitet werden. Die Kinder kamen nach der Festnahme in die Obhut des Jugendamts.

Mehrfach wurde die Wohnung in Höhscheid nach Beweismaterial durchsucht. Die muss sich in einem schlechten Zustand befunden haben. Ein Polizeisprecher erklärte am Tatort, das sei „kein Ort, an dem man sich Kinder wünscht.“

Am Wuppertaler Landgericht läuft momentan noch ein weiterer Prozess wegen Vergewaltigung: Ein 34-jähriger, alleinerziehender Vater soll sich an einer 16-Jährigen vergangen haben.

Hilfe bietet das Städtische Klinikum, in dem Opfer sexueller Gewalt die Spuren anonym sichern lassen können.

Ein Mann verprügelte eine Frau in der Solinger Innenstadt. Sie erlitt schwere Verletzungen.

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