Landgericht

Hasseldelle-Prozess: Verteidiger scheitert erneut mit Anträgen

Jochen Kötter sitzt der Schwurgerichtskammer vor. Archivfoto: Tim Oelbermann
+
Jochen Kötter sitzt der Schwurgerichtskammer vor. Archivfoto: Tim Oelbermann

Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Prozess nähert sich der Urteilsverkündung.

Von Kristin Dowe

Solingen. Richter Jochen Kötter beschleunigte seinen Sprachfluss am Montag im Prozess um fünffache Kindstötung wohl aus zeitlichen Gründen ein wenig, um die Entscheidungen der Strafkammer in Bezug auf eine neuerliche Serie von Anträgen seitens der Verteidigung zu verkünden. Die Ergebnisse dürften aufmerksame Prozessbeobachter kaum überrascht haben: Die Anträge wurden allesamt abgewiesen. Gestellt hatte sie Rechtsanwalt Thomas Seifert, einer von zwei Verteidigern der 28-jährigen Angeklagten, die sich derzeit wegen heimtückischen Mordes an fünf ihrer sechs Kinder vor dem Landgericht Wuppertal verantworten muss.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Solingerin vor, im September vergangenen Jahres ihre drei Töchter und zwei Söhne im Alter von einem bis acht Jahren in ihrer Wohnung in der Hasseldelle erstickt oder in der Badewanne ertränkt zu haben – sie unternahm nach der mutmaßlichen Tat einen Selbstmordversuch am Düsseldorfer Hauptbahnhof, wo sie sich vor einen heranfahrenden Zug warf und dabei verletzt wurde. Als einziges Kind der Familie überlebte der älteste Sohn (12) die Tat, der inzwischen bei seiner Großmutter in Mönchengladbach lebt.

Verteidiger Thomas Seifert sieht seine Mandantin in dem Verfahren schon länger ungerecht behandelt. So beantragte er am Montag unter anderem die Einholung eines „thanatologischen Sachverständigengutachtens“ durch einen ihm bekannten Trauer- und Sterbeforscher. Dessen Ausführungen sollten beweisen, dass die Angeklagte mit den belastenden Chat-Nachrichten an ihre Mutter und ihren inzwischen geschiedenen Ehemann eine erwartbare Trauerreaktion auf die Tötung ihrer Kinder durch einen anderen Täter gezeigt haben könnte – so wie die Beschuldigte es selbst behauptet.

Fünffache Kindstötung in Solingen: Chat-Nachrichten erhärten den Tatverdacht gegen die 28-Jährige

Eine eigene Täterschaft bestritt sie in Gesprächen mit psychiatrischen Gutachtern bislang vehement. Ein maskierter Mann sei in die Wohnung der Familie eingedrungen und habe ihr unter Ausübung von Zwang die Hände bei der Tat geführt, so die Darstellung der Angeklagten. Die Chat-Nachrichten erhärten hingegen den Tatverdacht gegen die 28-Jährige. „Du wirst deine Kinder nie wiedersehen“, schrieb sie ihrem Ex-Mann kurz nach der Tat. Sie hatte gerade dessen neues Profilbild mit seiner neuen Freundin bei Whatsapp entdeckt –Eifersucht wird als mögliches Motiv für die Tat gehandelt.

Die Kammer sah keine Notwendigkeit, den von Seifert geforderten Sachverständigen zu laden. Auch auf ein weiteres DNA-Gutachten wolle man verzichten. Das Gericht versprach sich nach dem umfassenden Vortrag einer Biologin des LKA keinen weiteren Erkenntnisgewinn von solch einem Gutachten. Mögliche weitere DNA-Spuren könnten ohne Zusammenhang mit der Tat an den Körpern der Kinder entstanden sein.

Eine von Nebenklage-Vertreter Jochen Ohliger erstattete Strafanzeige wegen falscher Verdächtigung gegen Thomas Seifert, der den geschiedenen Ehemann der Angeklagten mit einem möglichen Auftragsmord in Verbindung gebracht hatte, wurde eingestellt.

Ein für Donnerstag, 21. Oktober, angesetzter Verhandlungstermin entfällt aus organisatorischen Gründen, der Prozess wird am 2. November fortgesetzt. Dann werden die Verfahrensbeteiligten voraussichtlich ihre Plädoyers vortragen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Radfahrer beschädigt Auto und flüchtet
Radfahrer beschädigt Auto und flüchtet
Radfahrer beschädigt Auto und flüchtet
Inzidenz bei Ungeimpften steigt in Solingen stärker
Inzidenz bei Ungeimpften steigt in Solingen stärker
Inzidenz bei Ungeimpften steigt in Solingen stärker
Diskussion um Eschbach-Brücke geht weiter
Diskussion um Eschbach-Brücke geht weiter
Diskussion um Eschbach-Brücke geht weiter
Corona: Diese Regeln und Zugangsvoraussetzungen gelten in Solingen
Corona: Diese Regeln und Zugangsvoraussetzungen gelten in Solingen
Corona: Diese Regeln und Zugangsvoraussetzungen gelten in Solingen

Kommentare