Landgericht

Stiefsohn beschimpft Angeklagten übel

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Im Gerichtssaal kam es zu tumultartigen Szenen. Wachtmeister mussten einschreiten.

Von Dirk Lotze

Solingen. Lautstarke Ausschreitungen am Rande eines Prozesses um versuchten Totschlag gegen einen 56 Jahre alten Angeklagten aus Solingen: Ein Zuschauer beschimpfte den Mann vom Publikum aus als „Hurensohn“ und „Schwein“. Er erklärte, der Angeklagte sei sein Stiefvater. Der habe ihm „im Keller mit der Angel den Arsch versohlt“, der verstorbenen Mutter habe er Unrecht getan. Mehrere Wachtmeister hielten den Zuschauer vom Angeklagten ab und führten ihn aus dem Gebäude.

Im Prozess geht es um eine mutmaßliche Messerattacke mit einem Militärdolch mit 30 Zentimeter langer Klinge, einem sogenannten Bajonett. Der schwer alkoholkranke Angeklagte soll damit Ende September 2019 in seiner Wohnung einen Bekannten verletzt haben – seinen besten Freund seit 30 Jahren. Beide Männer hätten zuvor zusammen exzessiv Wodka getrunken. Die Umstände und der nähere Ablauf des Abends sind fraglich. Streit soll es keinen gegeben haben. Der Geschädigte erlitt einen Schnitt am Ohr.

Die Ausschreitung im Zuschauerraum hatte eine Erklärung des Angeklagten ausgelöst. Er bat den langjährigen Freund um Entschuldigung, nachdem dieser als Zeuge ausgesagt hatte. Der 56-Jährige sagte: „Es tut mir leid, dass ich Dich verletzt habe.“ Das nahm der so Angesprochene an: „Ist okay.“ Darauf tönten aus dem Publikum erste Beschimpfungen.

Der Geschädigte beschrieb, dass er am Tatabend „auf einmal“ das Messer auf sich zukommen sah. Eine Warnung soll gefehlt haben: „Es war ein normales Gespräch. Vielleicht ein bisschen angespannt.“ Eine Stieftochter des Angeklagten berichtete, der Geschädigte gehöre quasi als „Onkel“ zur Familie. Durch Alkohol werde er sehr laut, der Angeklagte aber aggressiv. Sie fügte hinzu: „Was vielleicht nicht normal ist, ist, dass es auch schon mal einen auf die Mappe gibt.“ Die Gewalt gehe dann von dem 56-Jährigen aus. Sie bestätigte, dass durch ihn die inzwischen erwachsenen Kinder der Familie gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt gewesen seien. Das Gericht will kommende Woche weiter verhandeln.

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