Aufderhöhe

Rätsel um nächtlichen Schuss ist gelöst

Der Schuss auf ein Haus an der Wipperauer Straße soll durch einen Querschläger aus der Waffe eines Jägers erfolgt sein. Das hat jetzt die Kriminalpolizei ermittelt. Foto: Patrick Pleul / dpa
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Der Schuss auf ein Haus an der Wipperauer Straße soll durch einen Querschläger aus der Waffe eines Jägers erfolgt sein. Das hat jetzt die Kriminalpolizei ermittelt.

Das Projektil, das im Garten einer Aufderhöher Familie einschlug, war ein Querschläger. Die Polizei hat einen Jäger ermittelt, der nachts ein Wildschwein erlegt hat.

Von Hans-Peter Meurer

Der Schuss auf ein Haus an der Wipperauer Straße in Aufderhöhe vom 10. September stammte offensichtlich aus dem Gewehrlauf eines Jägers: Dies ist das Ermittlungsergebnis der Wuppertaler Polizei, basierend auf Untersuchungen von Spezialisten des Landeskriminalamtes Düsseldorf.

Die Aufderhöherin Nicole Killing-Winter (47) hatte Strafanzeige bei der Polizei erstattet, weil in der Nacht vom 10. auf den 11. September, einem Sonntag, auf sie und ihren Mann geschossen worden war: „Wir saßen kurz nach 23 Uhr auf der Terrasse vor unserem Haus. Plötzlich hörten wir einen Knall.“ Die Solingerin sprach von einem Geschoss, das nur „einen Meter an uns vorbeigeflogen ist“ und dann in eine hölzerne Sichtschutzwand krachte. Dahinter zerschlug dieses Projektil noch eine Vase.

Das Einschussloch im Zaun der Aufderhöher Familie.

Das Paar verständigte damals sofort die Polizei. Vier Beamte trafen wenige Minuten später an dem Wohnhaus ein. Trotz intensiver Suche konnte kein Projektil gefunden werden. Damals bezweifelte man zunächst in der Wuppertaler Kreispolizeibehörde, dass es sich um ein Projektil aus einer Schusswaffe gehandelt habe. Vielmehr ging man von einem mit einer Zwille abgeschossenen Stein aus. Eine weitere Projektilsuche am nächsten Tag verlief ebenfalls ohne Ergebnis.

Nicole Killing-Winter blieb aber dabei: „Ich bin mir sicher, dass es sich um einen Schuss gehandelt hat. Denn neben den Spuren in der Holzwand hätten Nachbarn berichtet, dass diese bereits zwei Tage zuvor ganz in der Nähe nächtliche Schüsse gehört hätten.

Das Projektil aus der Jagdwaffe wurde offensichtlich abgelenkt

Die Polizei ging dieser Spur nach. Hinter dem Haus in der Wipperauer Straße in der Nähe der Bahnlinie Wuppertal-Köln ist freies Feld. Dort beginnt ein Jagdrevier. Klaus Kosiedowski ist hier zusammen mit dem Landwirt Karl-Otto Dickhoven Revierpächter. Kosiedowski hatte damals gegenüber der Polizei versichert, dass er selbst dort in der besagten Nacht dort nicht gewesen sei.

Die Wuppertaler Polizei schaltete dann Ballistiker des Landeskriminalamtes Düsseldorf ein. Die Spezialisten

Standpunkt von Hans-Peter Meurer

starteten eine Schussrichtungsuntersuchung. Ergebnis: Der Schuss ist definitiv von einem damals frisch abgeernteten Maisfeld abgegeben worden, das hinter dem Haus der Aufderhöher Familie liegt.

Weitere Befragungen im Kreis der dort Jagdberechtigten ergaben schließlich ein „einigermaßen rundes Bild“, wie Polizeisprecherin Hanna Meyerratken jetzt gegenüber dem ST sagte. Demnach habe in der fraglichen Nacht dort ein anderer Jagdberechtigter auf Schwarzwild geschossen. „Das Wildschwein wurde getötet. Es hat einen Durchschuss gegeben“, fasst Meyerratken die Ermittlungen zusammen. Offensichtlich sei das den Tierkörper durchschlagende Projektil dann an einem Baum oder vom steinigen Boden abgeprallt und in Richtung des Wohnhauses gelenkt worden. Die Polizeisprecherin: „Der Jäger hat versichert, den Schuss keinesfalls in Richtung der Wohnhäuser abgegeben zu haben.“

Staatsanwaltschaft eröffnet Strafverfahren gegen den Jäger

Jagdpächter Kosiedowski wies gegenüber dem ST auf einen Widerspruch hin: „Fest steht, dass der Sohn des zuständigen Jagdaufsehers, der zu den Jagdberechtigten gehört, in der Nacht gegen 22.30 Uhr das Wildschwein erlegt hat, also eine halbe Stunde früher als das Projektil bei der Aufderhöher Familie eingeschlagen ist.“

Die Polizei wird die Strafanzeige und das Ermittlungsergebnis jetzt an die Staatsanwaltschaft Wuppertal abgeben. Dort werde wohl ein Strafverfahren gegen den Jäger eingeleitet, kündigt die Polizeisprecherin an. „Wegen Sachbeschädigung“, sagt Hanna Meyerratken.

DIE JAGD IN SOLINGEN

JAGDBEZIRKE In Solingen gibt es 13 gemeinschaftliche Jagdbezirke, die über die Jagdgenossenschaft der Stadt verpachtet sind, sowie einen Privatjagdbezirk in Ohligs. JAGDSCHEIN Die Jagdberechtigung erhält man nur nach intensiver mehrwöchiger Ausbildung und nach schriftlicher, theoretischer und praktischer Prüfung. Zudem gibt es eine Schießausbildung. GESETZE Ein Jäger muss bei seiner Jagdausübung Gesetze und Vorschriften strikt einhalten. STATISTIK In Solingen hat es in den vergangenen 40 Jahren keinen Jagdunfall gegeben.

Die Aufderhöherin Nicole Killing-Winter ist mit dem Ermittlungsergebnis „zufrieden“. „Eine große Sorge bin ich jetzt wenigstens los: Dass hier ein Durchgeknallter rumläuft, der absichtlich auf Wohnhäuser schießt.“

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