Theater

Proben für das Orlando-Projekt beginnen

Die Kostümbildnerin Ulrike Mitschke (links) passt den beiden Akteuren des Orlando-Projekts, Claudia Gahrke und Mark Weigel, ihr Bühnen-Outfit an. In diesen Tagen beginnen die Proben unter der Regie von Andreas Schäfer für die Premiere am 11. Januar im Pina-Bausch-Saal. Foto: Christian Beier
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Die Kostümbildnerin Ulrike Mitschke (links) passt den beiden Akteuren des Orlando-Projekts, Claudia Gahrke und Mark Weigel, ihr Bühnen-Outfit an. In diesen Tagen beginnen die Proben unter der Regie von Andreas Schäfer für die Premiere am 11. Januar im Pina-Bausch-Saal.

Das Kulturmanagement setzt mit einer Solinger Produktion auf weitere Eigenständigkeit des Hauses.

Von Philipp Müller

Solingen. Für die Leiterin des Solinger Kulturmanagements, Sonja Baumhauer, ist die Premiere des Orlando-Projekts die Fortsetzung ihres Ziels, dem Haus mehr Raum für eigenständige Produktionen zu geben. Mit Andreas Schäfer hat sie dabei einen Solinger Theatermacher gefunden, der sich schon weit über die Stadtgrenzen hinaus gearbeitet hat. Und doch ist die Premiere am 11. Januar im Pina-Bausch-Saal des Theater und Konzerthauses wiederum eine fast reine Solinger Geschichte.

Schäfer ist es gelungen, einen Pool aus Künstlerinnen und Künstlern mit Solinger Wurzeln oder Verbindungen zu bilden, in dem sich kreative Köpfe tummeln, die ebenfalls auch außerhalb Solingens zu Größen geworden sind. So ist die Malerin Daniela Baumann für Teile des Bühnenbilds zuständig. Suzan Köcher und Julian Müller unterlegen den Abend mit Musik. Schauspielerin Claudia Gahrke stammt aus der Klingenstadt. 15 Personen stark ist das Ensemble vor und hinter den Kulissen.

Mit 25 000 Euro Fördermitteln wird das Projekt realisiert

Inhaltlich dreht sich alles um das Buch „Orlando“ von Virginia Woolf. Das 1928 erschienene Werk stellte die Moralvorstellung auf den Kopf. Denn die Titelfigur, der adlige Orlando, wandelt sich zur Frau. Woolf hat dabei biografische Elemente verarbeitet und ihre Beziehung zu einer Frau. Andreas Schäfer bekennt, dass er den Stoff schon immer für die Bühne habe bearbeiten wollen. Die Zusammenarbeit mit dem Kulturmanagement, die Förderung verschiedener Drittmittelgeber und Sponsoren mache das jetzt möglich. Sonja Baumhauer berichtet, gemeinsam mit Schäfer dazu 25 000 Euro dieser Fördermittel nach Solingen geholt zu haben.

Die Künstliche Intelligenz setzt bei Orlando um, was ihr der Mensch vorgibt.

Rainer Vehns, codecentric

Ein weiterer Star des Abends wird ein schlichter Laptop sein. Bedient wird er von den Experten der Solinger digitalen Denkschmiede Codecentric. Vorstand Rainer Vehns erläutert, was das Programm machen wird: Ziel für den Rechner wird es sein, aus den vielen Seiten Roman-Vorlage ein Gedicht von 100 Zeilen zu verfassen. Ablaufen wird das unter dem Stichwort „Künstliche Intelligenz“. Aber Vehns erklärt auch: „Die Künstliche Intelligenz setzt bei Orlando um, was ihr der Mensch vorgibt.“ Das bedeutet: In mehreren Durchläufen wird der Text immer wieder verdichtet. Am Ende steht das Gedicht. Und es war bei den Testläufen jedes Mal ein anderes.

„Das bedeutet schon ein gewisses Risiko“, erklärt Andreas Schäfer. Denn das Gedicht wird die Basis für das Finale der als Revue gedachten Inszenierung. Während das Stück selbst in deutscher Sprache gespielt wird, nimmt sich der Rechner das englische Original von Virgina Woolf als Grundlage für den lyrisch-digitalen Prozess, aus Prosa ein Gedicht in 80 Minuten zu formen.

Auf ein opulentes Bühnen-Szenario verzichtet Schäfer. Es sei nicht nachhaltig, für zwei Aufführungen ein eigenes Bühnenbild zu schaffen. Er greift die seit Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder verwendete Theatertechnik der Projektion auf, mit der die Räume illustriert werden, in denen sich als männlicher Orlando Mark Weigel und als weiblicher Orlando Claudia Gahrke bewegen werden.

Premiere, Dienstag, 11. Januar, 19.30 Uhr und Mittwoch, 12. Januar, 11 Uhr für Schulen (| Kasten). Tickets für 16 bis 38 Euro, im Klassenverband 3,50 Euro unter:

www.theater-solingen.de

Workshops für Schulen

Die Begleitveranstaltungen „Workshops“, „Einführungen“ und „Nachbesprechung“ zur Theaterproduktion „Das Orlando-Projekt“ am Theater Solingen sollen im Rahmen der kulturellen Bildung folgende Ziele verfolgen: Hinführung zu und Vermittlung der Inhalte, dazu die Beschäftigung mit der literarischen Vorlage sowie die kreative und kritische Auseinandersetzung mit Transsexualität. Buchungen erfolgen über Manuela Hoor:

m.hoor@solingen.de

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