Mehrfamilienhaus in Löhdorf wird energetisch saniert

Pro Jahr entstehen in Solingen 400 Wohnungen

Die Stadt übergab einen Förderbescheid zur Modernisierung eines Mehrfamilienhauses in Löhdorf an die Genossenschaft Eigenheim über knapp 3 Millionen Euro. Dem Termin wohnten bei (von links): Oliver Höller (Genossenschaft), Dezernent Andreas Budde, Oliver Sloot (Genossenschaft), Claudia Cestrik (Stadtdienst Wohnen) und Architekt Markus Richard.
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Die Stadt übergab einen Förderbescheid zur Modernisierung eines Mehrfamilienhauses in Löhdorf an die Genossenschaft Eigenheim über knapp 3 Millionen Euro. Dem Termin wohnten bei (von links): Oliver Höller (Genossenschaft), Dezernent Andreas Budde, Oliver Sloot (Genossenschaft), Claudia Cestrik (Stadtdienst Wohnen) und Architekt Markus Richard.

Die Stadt Solingen übergab der Genossenschaft Eigenheim einen Förderbescheid über 3 Millionen Euro. Das Geld kommt vom Land NRW. Damit soll geförderter Wohnraum erhalten werden. 

Von Philipp Müller

Solingen. Der Markt für Neubauwohnungen geht unsicheren Zeiten entgegen. Renovierung im Bestand gewinnt an Bedeutung, sagen Experten. Dafür gibt es in Solingen das Beispiel der Gemeinnützigen Baugenossenschaft „Eigenheim“. Sie erhielt jetzt von der Stadt Solingen einen Förderbescheid für ein Darlehn, 20 Wohnungen in Neu-Löhdorf mit knapp 3 Millionen Euro energetisch zu sanieren und so weiter als geförderten Wohnraum zu erhalten. Dies sei ein wichtiger Baustein aus dem „Handlungskonzept Wohnen“ der Stadt, betonte Baudezernent Andreas Budde bei der Übergabe des Förderbescheids. Momentan würden jährlich 400 neue Wohnungen entstehen, allerdings zu wenig geförderter Wohnraum.

Die früher als Sozialwohnungen bezeichneten geförderten Baumaßnahmen sehen so aus: Das Land vergibt auf Antrag Fördermittel. Die Stadt führt das Verfahren durch. Am Ende steht eine Verpflichtung, geringe Mieten zwischen 6,40 und 7,20 Euro pro Quadratmeter für 25 oder 30 Jahre zu garantieren. Details sind dazu im Antragsverfahren zu klären, ebenso, ob es für besonders energetische Gebäude oder Sanierungen im Altbau weitere Zuschüsse gibt.

Solingen: In Neu-Löhdorf werden 20 Wohnungen energetisch saniert

Da sieht sich die Stadt Solingen als Partner der Antragstellenden, betonte Claudia Cestnik. Sie ist im Stadtdienst Wohnen als Abteilungsleiterin für die Wohnbauförderung zuständig. Entsprechend hatte sie mit der Gemeinnützigen Baugenossenschaft „Eigenheim“ verhandelt. Am Ende freuten sich der Geschäftsführer, Oliver Sloot, und der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Oliver Höller, über 2,86 Millionen Euro Förderdarlehen. Sie fließen jetzt in ein Mehrfamilienhaus aus den 1970er Jahren mit 20 Mietparteien.

Der Architekt Markus Richard berichtet, dass es eine Außendämmung geben werde. Die Heizungsanlage soll auf Wärmepumpen umgestellt werden und nur noch in Extremfällen auf Erdgas zurückgreifen müssen. Fenster und Türen würden ausgetauscht. Eine Solaranlage produziert den gemeinschaftlich genutzten Strom. „Es werden 70 bis 80 Prozent Energie eingespart“, ist sich der Architekt sicher. So entstehe ein Haus nach KfW-Standard 85, sagte Richard. Budde lobte die Genossenschaft für den Schritt. „Davon haben wir noch nicht genug Anträge“, sagte er.

Stadt Solingen erwartet für 2023 wie im Jahr 2022 400 neue Wohnungen

Die Sanierung von älterem Wohnbestand rücke stärker in den Blickpunkt, erklärt Frank Roth auf ST-Nachfrage. Er ist Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft. Konkret kann er noch nicht sagen, wie sich die Zurückhaltung bei Neubauten auswirken wird. Doch steigende Zinsen und Baupreise spüre der Markt.

Daher rufen Claudia Cestnik und Andreas Budde dazu auf, das Beratungsangebot der Stadt zu nutzen und sich die Vorteile erklären zu lassen. Die gibt es auch finanziell. Von den 2,86 Millionen Fördersumme muss die Genossenschaft eine Million nicht zurückzahlen. „Das ist ein direkter Zuschuss“, sagte der Dezernent.

Die im Handlungskonzept Wohnen bis 2040 geforderten jährlichen bis zu 220 neuen Wohneinheiten für Solingen seien gerade übererfüllt. Für 2021 und 2022 liege die Zahl der Baugenehmigungen bei rund 400 Wohnungen. „Die Signale für 2023 liegen in ähnlicher Größenordnung, sagte Budde. Wie viele Anträge es 2022 für Wohnraumförderung gibt, kann das Rathaus nicht beziffern: „Am 20. Dezember ist Antragsschluss, danach werten wir aus und stellen das Ergebnis im Frühjahr 2023 der Politik vor“.

Genossenschaft

Das Gebäude mit den 20 Wohnungen in Neu-Löhdorf gehört der Genossenschaft „Eigenheim“. Sie geht auf eine katholische Initiative, Wohnraum zu schaffen, aus dem Jahr 1928 zurück. 286 Wohnungen, vorwiegend im Kern Aufderhöhes, haben die Genossen im Bestand. Das Haus, das nun saniert wird, ist bisher das einzige mit gefördertem, mietgebundenem Wohnraum. Die Sanierung habe System, sagt Geschäftsführer Oliver Sloot: Wir sind Bestandserhalter.“

Standpunkt von Philipp Müller: Altbau wird wichtig

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Die Nachrichten sind voll von Meldungen, dass Großbauprojekte zurückgestellt werden. Schlecht ist das für den Wohnungsmarkt. Solingen scheint das angesichts der vielen Baugenehmigungen noch nicht erreicht zu haben.

Doch die Wolken am Horizont werden nicht abziehen. Alles wird teurer. Da macht es sicher Sinn, wenn Baudezernent Andreas Budde dazu rät, sich die Genossenschaft Eigenheim als Vorbild zu nehmen. Sie hat gerechnet und erhält geförderten Wohnraum in Aufderhöhe. Dass sie mehr als 30 Prozent des Darlehns des Landes NRW nicht zurückzahlen muss, hat nichts mit einem verfrühten Weihnachtsgeschenk zu tun. Das können alle erhalten, die im Bestand sanieren und dafür günstige Mieten garantieren. Auf höhere Mieten zu spekulieren, um mehr Gewinn zu machen, schließt das aus. Aber man ist auf der sicheren Seite.

In unsicheren Zeiten auch nicht die schlechteste Idee. Sanierungsbedürftige Häuser gibt es in Solingen dafür genug. Man müsste jetzt nur noch wollen.

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