Höhscheid

Postbotin findet Tasche mit 700 Euro

Ehrliche Finderin: Briefträgerin Christa Rambau ist in Höhscheid bekannt „wie eine bunte Kuh“. Foto: H. P. Meurer
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Ehrliche Finderin: Briefträgerin Christa Rambau ist in Höhscheid bekannt „wie eine bunte Kuh“.

Ehrliche Finderin mit viel Temperament: Christa Rambau gehört längst zum Höhscheider Inventar.

Von Hans-Peter Meurer

Sie ist ein Beleg dafür, dass es in der heutigen Zeit doch noch ehrliche Menschen gibt: Postbotin Christa Rambau hat in der Einfamilienhaus-Siedlung des Höhscheider Hofes die Handtasche einer Seniorin gefunden, in der sich unter anderem eine Geldbörse mit 700 Euro befand. Seitdem gilt die temperamentvolle Zustellerin einmal mehr als „Heldin von Höhscheid“.

„Ich traute meinen Augen nicht, als ich die Tasche auf dem Pflaster einer Seitenstraße lag. Denn weit und breit war niemand zu entdecken, dem sie gehören konnte“, schildert die 54-Jährige. Sie habe kurz überlegt, ob sie den Fund mitnehmen und später bei der Polizei abgeben soll. „Aber ich habe mich dann anders entschieden, weil man die von mir angedachte Mitnahme eventuell hätte falsch auslegen können, wenn ich beobachtet worden wäre“, erzählt die Solingerin.

Sie schaute dann in der Tasche nach, entdeckte dort eine Geldbörse mit Ausweisen, Kontoauszügen und eben den 700 Euro. Auf den Auszügen stand eine Adresse. Sie passte zur Nachbarschaft, wo sich die Postbotin gerade auf ihrer Zustellungstour befand.

„Als ich dann bei der Anwohnerin des Höhscheider Hofes klingelte, habe ich sie mit einem verschmitzten Lächeln gefragt, ob sie nicht etwas vermisse. Die Tasche hatte ich hinter der Zustellpost in meiner Hand versteckt“, berichtet die Botin.

Die Überraschung sei natürlich für die Verliererin groß gewesen. „Denn sie hatte den Verlust der Tasche noch nicht einmal gemerkt.“ Die rechtmäßige Eigentümerin, die ungenannt bleiben will, hatte die Tasche nach dem Aussteigen aus ihrem Fahrzeug „in Hektik“ auf dem Weg zu ihrem Haus „irgendwie“ verloren.

Die Freude bei der Seniorin sei natürlich groß gewesen, berichtet Christa Rambau. „Sie hat sich vielfach bedankt und mir einen Finderlohn regelrecht aufgeschwätzt, sonst hätte sie mich nicht gehen lassen“, sagt die 54-Jährige. Tage später habe sie die Botin auf einer Tour abgepasst und ihr nochmals etwas zugesteckt. „Sie war der Meinung, in der Aufregung an Gründonnerstag hätte sie mir doch viel zu wenig Finderlohn gegeben.“

Christa Rambau, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, ist im 30. Jahr Zustellerin bei der Post. Seit 1997 trägt sie Briefe im Bezirk 32 aus. Der erstreckt sich in Höhscheid von der Neuenhofer Straße mit seinen Seitenstraßen bis zum Höhscheider Hof. Fünf Tage in der Woche stellt sie die Post zu. Zwischen 20 und 22 Kilometer Zustellweg hat sie täglich zu bewältigen – bei Wind und Wetter. Jährlich verschleißt sie drei „Sätze Rennreifen“. Damit meint sie gut gepolsterte Sportschuhe.

Drei Hundebisse trotz täglicher Leckerlis

Ärger mit Kunden hat sie wegen ihres kessen Mundwerks und ihrer stets guten Laune noch nie gehabt. „95 Prozent meiner Kunden kenne ich persönlich.“ Viele hätten ihr inzwischen das „Du“ angeboten.

Und im Winter warten Kunden auch mal mit heißem Kaffee, samstags sogar mit einer Terrine Suppe oder einem Mettbrötchen auf. Im Sommer gibt’s eher ein Kühlgetränk. „Meist bleibt keine Zeit, sich länger zu unterhalten, denn die Post will ja zugestellt sein“, sagt sie. Dass sie mal eine Tour abbrechen muss, weil die maximale tägliche Arbeitszeit von zehn Stunden erreicht sei, komme sehr selten vor. „Wenn, dann meist nur vor den Weihnachtstagen.“

DEUTSCHE POST DHL

BEZIRKE Sie sind neu zugeschnitten worden: In Solingen gibt es inzwischen nur noch 80 Zustellbezirke. BOTEN Die Zahl der Zustellerinnen und Zusteller hat sich inzwischen auf 120 eingependelt.

Nur mit drei Hunden hat sie sich „trotz Leckerlis“ angelegt: Blutige Bisse hat sie dabei davongetragen.

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