Gute Seiten 2020

Positive Imagewerbung durch den „Solinger Weg“

Schulleiter Andreas Tempel testete an der Alexander-Coppel-Gesamtschule die Teilung der Klassen in Präsenz- und Distanzunterricht – trotz Verbots der Bildungsministerin. Der „Solinger Weg“ machte Schlagzeilen. Foto: Christian Beier
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Schulleiter Andreas Tempel testete an der Alexander-Coppel-Gesamtschule die Teilung der Klassen in Präsenz- und Distanzunterricht – trotz Verbots der Bildungsministerin. Der „Solinger Weg“ machte Schlagzeilen.

Ein schwieriges Jahr geht zu Ende – aber es gibt in der Krise auch gute Nachrichten – das zeigt das ST in einer kleinen Serie.

Von Stefan M. Kob

Solingen. Ob man dem Annus Horribilis 2020 dereinst auch einmal etwas Gutes nachsagen kann? Außer der Erkenntnis, dass eine solche Megakrise immer das Beste und das Schlechteste im Menschen hervorbringt? Das Beste sicher, weil eine behäbige und satte Gesellschaft plötzlich wieder Werte entdeckt, die längst verschüttet und aus der Mode schienen. Wie Zusammenhalt, Sorge um den Mitmenschen, Wertschätzung für Nachbarschaft, Pflegekräfte, ja sogar Supermarktkassierer. Das Schlechteste, weil sich Kräfte verbinden, denen es um nichts anderes geht, als den Staat, unsere Verfassung zu destabilisieren und die ihre Chance in der allgemeinen Verunsicherung wittern. Dazu ist ihnen jedes Mittel der Desinformation, der Einschüchterung, des Niederbrüllens recht.

Zwei Worte hört man in der Diskussion über die Folgen der Pandemie oft: Brennglas und Brandbeschleuniger. In einem Brennglas entdeckt man plötzlich Probleme, die eigentlich immer schon da waren, aber jetzt unter der Lupe aufflammen und sich zu einem regelrechten Flächenbrand entwickeln. Brandbeschleuniger, weil Entwicklungen, die immerhin schon erkannt wurden, nun auf einmal eine ganz neue Wucht erfahren. Und damit ist nicht nur die Produktion eines neuartigen Impfstoffs im Rekordtempo gemeint. Hätten wir zum Jahreswechsel 2019/2020 geglaubt, dass wir in diesem Jahr massenhaft Videokonferenzen aus Homeoffices führen würden? Und dass die Zusammenarbeit auch noch ausgezeichnet klappt, manchmal sogar besser als vorher? Plötzlich ist es gar nicht mehr so schlimm, keinen Firmensitz im teuren Düsseldorf oder verstopften Köln zu haben, sondern in der Provinz – solange man da einen guten Breitbandanschluss hat. Dass Glasfasern einst so wichtig werden wie Autobahnen, predigen die Experten seit Jahrzehnten. Jetzt wird der Wahrheitsgehalt dieser Prophezeiung für jedermann erfahrbar. Der Digitalisierungsschub ist da. Und wie!

Solingen strahlt in puncto Digitalisierung an Schulen

Das erlebt, allerdings mit den größten Verwerfungen, besonders unser Schulwesen. Gab es vor Corona nicht mal Geld für einen ordentlichen Seifenspender auf dem Schulklo, überholen sich die Städte jetzt dabei, mit dreistelligen Millionenbeträgen ihre Schulen ans Netz zu hängen. Hier liegt Solingen aufgrund einer guten Mischung aus Fleiß und Fortune ziemlich gut im Rennen. Das erkannte Bildungsministerin Yvonne Gebauer lobend an, als sie im September einen 3,1-Millionen-Scheck für den Digitalpakt an Schulen überreichte. Ob sie wohl nach Solingen gekommen wäre, wenn sie geahnt hätte, dass jene vorbildlichen Solinger sie kurz drauf mit dem „Solinger Weg“ fast in den Wahnsinn treiben würden? Jetzt weiß die gebürtige Kölnerin jedenfalls, was ein ordentlicher bergischer Dickschädel ist.

Aber im ganzen Land weiß man jetzt auch, dass Solingen in puncto Digitalisierung an Schulen ziemlich strahlt. Auch wenn die Teilung der Klassen in Präsenz- und Distanzunterricht in Wahrheit alles andere als reibungslos vonstattengeht, wurde der Solinger Oberbürgermeister landes- und bundesweit als Repräsentant einer Stadt wohlwollend durch die Medien gereicht, in der man bei diesem Zukunftsthema ganz weit vorne liegt. Um denselben Werbeeffekt zu erreichen, hätte kein Marketingetat auch nur ansatzweise gereicht.

Der Imagegewinn für die Klingenstadt, die bisher mehr für scharfes Handwerk und rauschende Wälder steht, ist kaum zu beziffern. Jetzt muss das Stadtmarketing den Elfmeter nur verwandeln. Nach dem Motto: Wir können nicht nur 1-a-Klingen, sondern haben auch 1-a-Schulen. Im neuen Jahr muss es daher weitergehen auf dem Solinger Weg, der mitunter noch steinig werden wird.

Gute Seiten 2020

Das ST zeigt in einer kleinen Serie die guten Seiten des Jahres 2020. Heute: Der „Solinger Weg“; 23. Dezember: Smart City Solingen; 24. Dezember: Mehr Tagestouristen in der Stadt; 28. Dezember: Der BHC siegt 28:27; 29. Dezember: Feuerwehr rettet Tauben; 30. Dezember: Guter Verlauf der Kommunalwahl; 31. Dezember: Solingen bekommt 7 Millionen Euro für Schulen; 2. Januar: Die Krankenhäuser arbeiten in der Krise gut zusammen; 4. Januar: Der Handel stemmt sich einfallsreich gegen die Krise.

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