Portugiesischer Verein kämpft ums Überleben seiner Gastronomie

Auf der Dachterrasse im Südpark sind sonst gern über 100 Essens-Fans. Der portugiesische Verein bietet nun Abholservice. Archivfoto: Christian Beier
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Auf der Dachterrasse im Südpark sind sonst gern über 100 Essens-Fans. Der portugiesische Verein bietet nun Abholservice. Archivfoto: Christian Beier

Essenskultur mit Blick über den Südpark gibt es derzeit nicht – Gerichte können aber abgeholt werden

Von Daniela Neumann

In unserer Serie über die Migrantenselbstorganisationen (MSO) in Solingen geht es heute um den portugiesischen Verein Solingen. Er wurde 1974 unter dem portugiesischen Namen Associação Portuguesa de Solingen e. V. gegründet. Derzeit kämpft er um sein Überleben. Oder besser formuliert um das Überleben seiner Gastronomie.

„Wir kriegen noch nicht mal die Miete raus“, sagt Andrea Batista vom Verein. Sie kümmert sich um die Buchhaltung. Die Lebenshilfe habe die Miete schon reduziert aufgrund der Corona-Krise. Wo sonst bis zu 140 Menschen aßen, tranken und sich unterhielten, konnten während der Lockerung zwischen dem ersten und zweiten Lockdown nur die Hälfte zugelassen werden.

Aktuell ist wie überall kein Verzehr vor Ort möglich. Stattdessen bietet der Verein seine Gerichte zum Abholen an. Dies werde jedoch bislang wenig genutzt, berichtet Andrea Batista: Da gehe es mal um geringe 30 Euro Umsatz in einigen Tagen. Den Pachtvertrag hat der Verein im Somer erst verlängert, die Fixkosten laufen. Batista und die anderen Verantwortlichen fragen sich, wie lange sie dies ohne wirkliche Einnahmen halten können, die Reserven seien am Ende.

Rund 90 Mitglieder gibt es aktuell, dahinter stünden noch mehr Menschen. Angesiedelt waren sie nach der Gründung am Klauberg. Ende der 1960er Jahre seien einige Menschen aus Portugal hergezogen, ohne Familie, zum Arbeiten. Anfang der 1970er hätten sie sich mehr und mehr ausgetauscht, dann entstand der Verein.

Folklore, Spiel und Sport standen zunächst auf dem Programm, eine Hobby-Herren-Fußballmannschaft gibt es nach wie vor unter dem Dach des Vereins. Künftig könne man sich vorstellen, etwa eine D-Jugend-Mannschaft aufzubauen. Wenn sich an Fußball interessierte Kinder melden.

Rippchen sind ein beliebter Höhepunkt

Vor knapp elf Jahren wechselte der Verein in den Südpark. Moderne Ausstattung und bessere Fluchtwege nennt Andrea Batista als Gründe. Ein gar nicht so geheimer Geheimtipp wurde dann das Essensangebot. Der Sonntag war nun den Mitgliedern vorbehalten, ansonsten konnten Spezialitäten von allen genossen werden. „Die Rippchen sind ein Highlight bei uns“, betont Batista. Auch die Hähnchenkeulen hätten es in sich beziehungsweise an sich – sie seien nach portugiesischer Tradition zeitaufwendig mariniert.

„Wir müssen jetzt gucken, wie wir die Kosten tragen“, blickt Andrea Batista in eine unsichere Zukunft aufgrund der Corona-Lage. Die Hilfen kämen spät, hat sie wie andere festgestellt. Das Vorstandsteam um den ersten Vorsitzende José Salgado müsse schauen, was wann ginge. Die große Hoffnung liegt auf einer baldigen Öffnung nach dem derzeitgen Lockdown, also frühestens nach dem 14. Februar.

Bis dahin können Gerichte über Facebook angesehen und dann unter den Kontaktdaten zum Abholen bestellt werden: dienstags bis donnerstags von 18 bis 21 und freitags sowie samstags von 17.30 bis 21.30 Uhr.

Tel. 20 42 19, info.aps@gmx.de

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