Abschied

Solinger Polizeichef geht in den Ruhestand

Mit dem Gefühl der Wehmut, doch auch mit Vorfreude auf mehr Zeit für Familie und Freunde verabschiedet sich Solingens langjähriger Polizeichef Robert Hall in den Ruhestand. Foto: Daniela Tobias
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Mit dem Gefühl der Wehmut, doch auch mit Vorfreude auf mehr Zeit für Familie und Freunde verabschiedet sich Solingens langjähriger Polizeichef Robert Hall in den Ruhestand.

Robert Hall blickt mit Wehmut auf seine Dienstzeit zurück. Am Freitag hatte er offiziell seinen letzten Arbeitstag in der Behörde.

Von Kristin Dowe

Seinen Schreibtisch hat der scheidende Chef der Solinger Polizei bereits geräumt, die Bilder abgehangen und seine Habseligkeiten in Kisten verstaut. „So blitzblank war der Tisch noch nie!“, bemerkt Robert Hall süffisant und fügt mit einem Seufzer hinzu: „Man muss auch loslassen können. Natürlich macht sich auch etwas Wehmut bei mir breit.“ Am Freitag hatte der Solinger, der am 1. Mai seinen 62. Geburtstag feiert, offiziell seinen letzten Arbeitstag nach über 44 Jahren im Polizeidienst. Nun geht er in den wohlverdienten Ruhestand.

Langweilen wird er sich da sicherlich nicht, ist er überzeugt: „Ich freue mich auf viele Dinge, für die ich nun endlich einmal Zeit habe.“ So wolle er sich nun ganz seiner Familie und seinen Freunden widmen, seinen Hobbys wie Radsport und Skifahren nachgehen und mit seinem Motorrad durch das Bergische Land fahren, das er sich gerade zugelegt hat. Ganz wolle er der Polizei aber nicht den Rücken kehren, betont er: „An der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung werde ich weiter junge Polizeianwärter zum Beispiel in Eingriffsrecht unterrichten. Der Umgang mit jungen Menschen macht mir Spaß.“

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Didaktische Erfahrung besitzt Hall bereits reichlich – fünf Jahre lang hat er als Fachlehrer in der Ausbildung für den mittleren Dienst in Brühl unterrichtet, was nur eine Station seiner bewegten Polizeilaufbahn war.

Dabei wäre beinahe alles ganz anders gekommen: „Ursprünglich habe ich mal einen Job bei der Stadt angestrebt. Bis mein Vater dann die Polizei ins Spiel brachte.“ Nach seiner Ausbildung arbeitete Hall zunächst fünf Jahre lang im Streifendienst in Solingen, wobei sich das Polizeipräsidium zu jener Zeit noch an der Goerdelerstraße befand. Damals war er als Kradfahrer auf den Straßen der Klingenstadt unterwegs, erinnert er sich: „Das war eine schöne Zeit, in der man besonders nah an der Basis gearbeitet hat.“ Auch erinnert er sich an manch kurioses Erlebnis: „Einmal habe ich nach einem Hinweis zwei Einbrecher auf frischer Tat erwischen können. “ Nach einer Verfolgungsjagd mit dem Krad sei es ihm schließlich gelungen, das Duo festzunehmen.

„Man muss auch loslassen können.“
Robert Hall, scheidender Chef der Solinger Polizei

INTERIMSLÖSUNG

LEITUNG Interimsmäßig wird Elmar Derra, Leiter der Stabsdienststelle in der Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz bei der Polizei Wuppertal, die Geschicke der Solinger Behörde lenken, bis die Nachfolge für die Leitung klar geregelt ist.

Es folgten unter anderem eine vierjährige Ausbildung für den gehobenen Dienst in Wuppertal sowie ein Jahr lang Wach- und Wechseldienst in Köln, wo er später erneut in leitender Position tätig war. Trotz seines ausgeprägten Solinger Lokalpatriotismus fühlt er sich der Domstadt stark verbunden: „Was die Kriminalität betrifft, ist Solingen im Vergleich zu Köln eine Insel der Glückseligkeit. Aber ich liebe die Menschen und die Mentalität in Köln sehr.“ Außerdem war Hall vormals Chef der Polizeiinspektion Remscheid und leitete darüber hinaus den Staatsschutz im Bergischen Städtedreieck.

Polizeichef übt Kritik an der Organisationsstruktur der Behörde

So sehr Hall der Polizei auch verbunden fühlt, sieht er doch die Notwendigkeit für Kritik an deren heutigen Arbeitsstrukturen: „Ich hadere damit, dass wir keine operative Kriminalitätsbekämpfung betreiben können“, moniert er. Die 2007 eingeführte Organisationsform der Polizei als Direktionsmodell fördere „Spartendenken und Bereichsegoismus“.

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Waren die einzelnen Kommissariate früher in der Polizeiinspektion angesiedelt, sind diese nunmehr einzelnen Direktionen zugeordnet. Dies verhindere Flexibilität und eine unkomplizierte Zusammenarbeit der Kommissariate. Auch eine bessere personelle Ausstattung der Polizei sei dringend geboten.

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