Polizei veröffentlicht Kriminalstatistik

Zahl der Straftaten erreicht in Solingen Höchstwert

In der Klingenstadt lag die Zahl der gemeldeten Straftaten mit 10.065 Fällen im vergangenen Jahr gar erstmals seit fünf Jahren über der 10.000er-Marke.
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In der Klingenstadt lag die Zahl der gemeldeten Straftaten mit 10.065 Fällen im vergangenen Jahr erstmals seit fünf Jahren über der 10.000er-Marke.

Erstmals seit fünf Jahren hat die Polizei für Solingen mehr als 10.000 Delikte zu verzeichnen.

Von Kristin Dowe

Zahl der Straftaten in Solingen

Solingen. Die Entwicklung der Kriminalität im Bergischen hält in diesem Jahr eine Überraschung bereit: Während die Polizei in den Vorjahren bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) meist die höchsten Fallzahlen für Wuppertal im Vergleich der drei Kommunen im Bergischen Städtedreieck zu vermelden hatte, ist die Zahl der Straftaten dort im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr gesunken – in Solingen und Remscheid gibt es dagegen einen Anstieg zu verzeichnen.

In der Klingenstadt lag die Zahl der gemeldeten Straftaten mit 10.065 Fällen im vergangenen Jahr gar erstmals seit fünf Jahren über der 10.000er-Marke, und auch in Remscheid registrierte die Polizei mit 6924 Fällen in 2021 deutlich mehr Straftaten im Vergleich zum Vorjahr. 2020 konnte Remscheid mit einem verhältnismäßig niedrigen Wert von 6274 Fällen aufwarten. Trotz dieser zunächst besorgniserregenden Entwicklung wirbt Dietmar Kneib, Chef der Kriminalpolizei Wuppertal, dafür, die Zahlen im Verhältnis zu sehen: „Remscheid und Solingen gehören immer noch zu den sichersten Städten in ganz NRW.“ Das Risiko, auf der Straße Opfer einer Straftat zu werden, sei relativ gering.

Unterschiede weisen Remscheid und Solingen derweil bei der Aufklärungsquote der Straftaten auf: Während diese in Remscheid mit 56,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (58,4 Prozent) leicht gesunken ist, konnten in Solingen mit einer Aufklärungsquote von 52,5 Prozent mehr Straftaten aufgeklärt werden als 2020. Da lag die Quote bei nur 48,9 Prozent. „Die Zielmarke unseres Innenministers liegt bei 60 Prozent. Das halten wir noch für sehr ambitioniert“, räumt Polizeipräsident Markus Röhrl ein.

Zu erklären seien die gestiegenen Zahlen vor allem durch eine deutliche Zunahme der Cyber-Kriminalität in beiden Städten wie auch im gesamten Präsidialbereich. Sage und schreibe 9725 sogenannte Vermögens- und Fälschungsdelikte registrierte die Polizei im Jahr 2021 für das Städtedreieck – der Spitzenwert seit fünf Jahren. Einer der häufigsten Tatorte dabei: das Netz. „Die Kriminalität wird digitaler und verlagert sich von der Straße ins Internet“, beschreibt Kneib den aktuellen Trend. „Es ist für die Täter bequem, von zu Hause aus Straftaten zu begehen.“

Solingen: Kriminalität verlagert sich immer mehr von der Straße ins Internet

Blickt man auf den Tatort Internet, landet man unweigerlich bei dem immer größer werdenden Problem von Kinderpornografie. 190 „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ beschäftigten die Polizei in Solingen 2021, auch hier liegt die Zahl auf dem höchsten Niveau im Fünf-Jahres-Vergleich. Ähnlich sieht es in Remscheid aus: Hier haben sich die Delikte mit nunmehr 160 Fällen im vergangenen Jahr seit 2017 (50 Fälle) bei einem beinahe kontinuierlichem Anstieg mehr als verdreifacht.

In diesen Zahlen enthalten sind Straftaten wie der sexuelle Missbrauch von Kindern, Zuhälterei, Menschenhandel und Vergewaltigung. Häufig führe die Strafverfolgung von Kinderpornografie zu weiteren Ermittlungen zu konkreten Missbrauchsfällen – etwa wenn die Täter auf Fotos und Videos mit ihren minderjährigen Opfern abgebildet sind. Während die Täter sich mit ihren pädokriminellen Machenschaften häufig im Darknet tummelten und es den Ermittlern durch raffinierte Verschlüsselungstechniken schwer machten, ihnen auf die Spur zu kommen, habe die Polizei ihre Ermittlungen in dem Bereich intensiviert, berichtet Kneib. Gerade die Sichtung kinderpornografischen Materials sei mit einer hohen psychischen Belastung für die Beamten verbunden. „Die Sachbearbeiter machen einen schweren Job, aber sie tun alles, um Kinder aus solchen Situationen herauszuholen.“

Generell seien die gestiegenen Fallzahlen im Bereich der Sexualstraftaten auch darauf zurückzuführen, dass mehr Fälle angezeigt werden und die Polizei ihr Engagement in diesem Feld verstärkt, betont Röhrl ergänzend. „Es gelingt uns immer mehr, diese Taten aus dem Dunkel- ins Hellfeld von Politik, Justiz und Gesellschaft zu rücken.“

Einige herausragende Kriminalfälle blieben den Ermittlern in besonderer Erinnerung: so etwa das zweifache versuchte Tötungsdelikt in Remscheid, bei dem ein Mann auf seine ehemalige Lebensgefährtin und deren Sohn geschossen hatte. Kneib: „Das war schon ein besonderer Fall.“ Beide hatten die Schüsse überlebt.

Hintergrund

Stark beansprucht wurde die Polizei durch die zahlreichen Demos gegen die Corona-Maßnahmen im Bergischen, die sie schützen musste. Auch habe die Pandemie die Arbeit der Polizei insgesamt beeinträchtigt. 350 Krankheits- und 1100 Quarantänefälle gab es bei der Behörde.

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