Statistik sorgte für Diskussionen

Polizei: „Es gibt in der Solinger Innenstadt Probleme“

Polizeichefin Claudia Schepanski möchte das Sicherheitsgefühl der Solinger verbessern – zum Beispiel auf dem Graf-Wilhelm-Platz. Fotos: Christian Beier
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Polizeichefin Claudia Schepanski möchte das Sicherheitsgefühl der Solinger verbessern – zum Beispiel auf dem Graf-Wilhelm-Platz.

Polizistinnen erklären die Unterschiede in ihren Statistiken zur Kriminalität. Man habe die Situation nicht beschönigen wollen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Die Zahl hatte für reichlich Diskussionsstoff gesorgt: Bei einem Pressegespräch Anfang Februar hatte die Solinger Polizeichefin Claudia Schepanski noch vor der Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) einen Anstieg der Straftaten in der Solinger Innenstadt um 20 Prozent im Vergleich zu 2019 bekanntgegeben. Zudem sei die Kriminalität in der City viereinhalb Mal so hoch wie in anderen Stadtteilen. 

Polizeichefin Claudia Schepanski.

Bei der Vorstellung der PKS wenig später hingegen berichtete Polizeipräsident Markus Röhrl nur von einem minimalen Anstieg der Kriminalität im gesamten Stadtgebiet – nämlich gerade mal 1,3 Prozent. Von den stadtteilbezogenen Zahlen in Bezug auf die Innenstadt distanzierte Röhrl sich später – diese seien nur bedingt aussagekräftig.Wollte die Polizei die tatsächlichen Verhältnisse in der City damit unter den Teppich kehren? „Auf keinen Fall“, betont Claudia Schepanski im Gespräch mit dem ST, bei dem sie die Entstehung der anfangs zugrundegelegten Eingangsstatistik noch einmal genauer erläutert. „Wenn Bürger sich teilweise in der Innenstadt nicht wohlfühlen, hat das sicherlich seine Gründe. Wir haben dort zweifellos einige Probleme. Im Vergleich mit anderen Städten gehört Solingen aber immer noch mit zu den sichersten Großstädten.“

Eingangsstatistik beinhaltet nur angezeigte Straftaten

Was genau beinhaltet nun die Eingangsstatistik? „Dabei handelt es sich um alle Delikte, die bei der Polizei angezeigt werden – quasi die nackten Zahlen“, erklärt die Leitende Polizeidirektorin Irmgard Baumhus. Anders als später bei der PKS, in die alle ausermittelten Fälle inklusive der nicht aufgeklärten Delikte einfließen, gibt die Statistik nur Auskunft über die angezeigten Straftaten. Ein authentisches Bild von der tatsächlichen Situation gebe sie deshalb nicht wieder, weil die Klassifizierung eines Delikts sich im Laufe der Ermittlungen noch verändern könne.

Irmgard Baumhus nennt ein Beispiel: „Ein Mann kommt zu uns auf die Wache und möchte anzeigen, dass er überfallen und ihm sein Handy geraubt wurde. Dann nehmen wir das in der Statistik erst mal als Raub auf. Wenn sich später herausstellt, dass der Mann den Raub nur behauptet hat, um zum Beispiel an eine Versicherungsprämie zu gelangen, wird der Fall später als Vortäuschung einer Straftat geführt.“ Als solche finde sie aber erst Eingang in die PKS, wenn die Art des Delikts aus Sicht der Polizei endgültig feststehe. Erst dann werde die polizeiliche Akte geschlossen und für die weiteren Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft übergeben.

Kriminalstatistik wird nur einmal im Jahr veröffentlicht

Im Großen und Ganzen decke sich die anfängliche Einschätzung eines Delikts mit der späteren Klassifizierung in der PKS, sagt Baumhus. Diese gibt allerdings keinen Aufschluss über die Kriminalitätsentwicklung in den einzelnen Stadtteilen. „Das ist nicht nur für den Bürger, sondern auch für uns als Polizei äußerst unbefriedigend“, räumt Schepanski ein. Denn die PKS werde nur einmal im Jahr veröffentlicht. Unterjährig habe auch die Polizei nur die Möglichkeit, mit Hilfe ihres Vorgangsbearbeitungssystems gezielt nach Straftaten in den einzelnen Stadtteilen zu recherchieren. Ein genaues Bild ergebe sich mit diesem Instrument aber auch für die Beamten nicht.

„Zwar plant das Landeskriminalamt NRW dies auf Dauer zu ändern, aber zum jetzigen Zeitpunkt wäre der Programmierungsaufwand für ein solches System zu hoch“, sagt Schepanski. „Valide Zahlen bietet nur die PKS, für die bundesweit einheitliche Parameter gelten.“ Eingangsstatistik und PKS seien somit nicht miteinander zu vergleichen. Bei der Vorstellung der Eingangsstatistik habe Schepanski zudem andere Parameter angelegt, indem sie nur exemplarisch nur bestimmte Bereiche der Straßenkriminalität herausgegriffen habe. „Hintergrund war, dass wir unser neues Präsenzkonzept vorstellen wollten, das wir einmal im Jahr erstellen“, ergänzt Irmgard Baumhus. „Die Zahl der Kräfte werden dort erhöht, wo wir eine Häufung von Straftaten feststellen.“

Dies sei in Solingen nun einmal die Innenstadt, da etwa Taschendiebe sich eher im Stadtkern als in Wohnsiedlungen in der Peripherie tummelten. Bei aller Statistik ist für Claudia Schepanski eine Botschaft wichtig: „Wir wollen die Kriminalität in der Innenstadt konsequent bekämpfen.“

Das Präsenzkonzept der Polizei für Solingen

Das Präsenzkonzept der Polizei sieht in Solingen vor, die Kräfte in der Innenstadt zu erhöhen. Dies gilt etwa für den Graf-Wilhelm-Platz, wo sich Bürger etwa über Spucken und Pöbeln von Jugendlichen beschwerten und die Mummstraße, wo sich die Drogenszene der Stadt tummle sowie am Schachbrett am Eingang zur Fußgängerzone.

Polizei und Ordnungsamt wollen gemeinsam „niederschwellig“ gegen Personen vorgehen, die das Sicherheitsgefühl trüben – nicht erst, wenn eine Straftat vorliegt.

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