Beleidigungen und körperliche Gewalt

Polizei beklagt fehlenden Respekt im Städtedreieck

Beschimpfungen, Anspucken und nicht selten auch körperliche Gewalt – all dies sind Situationen, mit denen Polizeibeamte im Bergischen immer häufiger im Dienst konfrontiert werden.
+
Beschimpfungen, Anspucken und nicht selten auch körperliche Gewalt – all dies sind Situationen, mit denen Polizeibeamte im Bergischen immer häufiger im Dienst konfrontiert werden.

Im Bergischen Städtedreieck sind die Beamten zunehmend mit Beleidigungen und körperlicher Gewalt konfrontiert.

Von Kristin Dowe

Widerstand und Angriffe im Bergischen.

Bergisches Land. Beschimpfungen, Anspucken und nicht selten auch körperliche Gewalt – all dies sind Situationen, mit denen Polizeibeamte im Bergischen immer häufiger im Dienst konfrontiert werden. Gemäß eines Lagebildes des Landeskriminalamts (LKA) NRW zeichnet sich diesbezüglich seit Jahren eine steigende Tendenz ab. So lag die Zahl 2012 mit 6652 Gewaltdelikten gegen Polizeibeamte landesweit bereits auf einem recht hohen Niveau, stieg dann aber bis 2019 noch einmal um mehr als 38 Prozent auf 9241 Delikte an. Zwar ging die Zahl 2020 erstmals um 13 Prozent auf 8078 Fälle deutlich zurück, doch dürfte der Rückgang auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sein. Dieser Rückgang machte sich auch in Solingen bemerkbar, wo die Zahl im vergangenen Jahr auf 50 Delikte im Vergleich zu 75 Fällen im Vorjahr 2019 sank.

Bergisches Land: Querdenker-Szene provoziert oft bewusst medienwirksame Bilder

Doch spiegelten die Zahlen auch nicht immer die Realität seiner Kollegen wider, die oft noch drastischer aussehe, berichtet Björn Lüdtke, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Bergisches Land bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Im Grunde kann jede Situation polizeilichen Handelns zu Gewalt gegen die Kolleginnen und Kollegen führen. Selbst bei der Aufnahme eines schlichten Verkehrsunfalls kann sich eine Partei in Rage steigern – und sei es nur, weil sie nach Bewertung der Spuren- und Sachlage zum Unfallverursacher auserkoren wurde.“ Zu massiven Gewaltausschreitungen komme es zuweilen bei Maßnahmen gegen alkoholisierte Gruppen wie etwa Partyauflösungen. Bei Festzelt- oder Discoschlägereien komme es zudem öfters vor, dass sich die Beteiligten solidarisierten und gegen die einschreitenden Beamten vorgingen. Im Vergleich zu Wuppertal sei die Situation in Solingen aber noch moderat. Unterm Strich könne man festhalten: „Solingen ist eine sichere Stadt.“

Im Städtedreieck seien es vor allem die Wochenendnächte und Ferien, in denen größere Gruppen meist alkoholisierter Jugendlicher oder junger Erwachsener die Konfrontation suchten, beobachtet Lüdtke. „Im Vergleich zu früher – also noch vor etwa zehn Jahren – wird heute aber auch direkt das Handy gezückt und aus der vermeintlich anonymen Menge heraus zu provozieren versucht. Dann wird oft schnell ein geschnittenes Video über die sozialen Medien verbreitet, um so zu suggerieren, dass das polizeiliche Handeln unrechtmäßig sei. Wenn wir kommen, laufen die Smartphones häufig schon.“ Solcher Methoden bediene sich insbesondere die Querdenker- und Corona-Leugner-Szene bei Demos, deren Anhänger mithin gezielt versuchten, das Einschreiten der Polizei zu provozieren, um die Bilder davon medial auszuschlachten.

Auch Personen, die von der Polizei in Gewahrsam genommen wurden, neigten im Funkwagen auf dem Weg in die Ausnüchterungszelle zu Beleidigungen. „Von ,Scheißbulle’ bis ,dumme Sau’ sind der Fantasie da keine Grenzen gesetzt“, so Lüdtke. Frauen im Polizeidienst müssten sich zudem in solchen Situationen sexistische Beleidigungen anhören.

In puncto Ausrüstung und Ausbildung sei die Polizei im Bergischen insgesamt gut aufgestellt. Der Teleskopstock etwa fungiere weniger als Waffe, leiste aber gute Dienste „als Distanz schaffendes Einsatzmittel“. Selbstverteidigung etwa durch Kampftechniken wie Wing-Tsun spiele dabei eine tragende Rolle.

„Die Polizeibeamten sind dazu angehalten, solche Delikte konsequent zur Anzeige zu bringen“, ergänzt Alexander Kresta, Sprecher der Polizei Wuppertal. Ob dies im Alltag immer umsetzbar ist, dürfte fraglich sein.

Standpunkt

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@ solinger-tageblatt.de

Manchmal sind es nur ein paar Sekunden, die das öffentliche Bild eines Polizeieinsatzes prägen. Jemand hält etwa bei einer Demo kurz die Kamera seines Smartphones drauf, wenn ein Polizeibeamter einen aufsässigen Teilnehmer in die Schranken weist. Die Szenen mögen in manchen Fällen martialisch anmuten. Dass das vermeintliche Opfer möglicherweise zuvor bereits Straftaten begangen hat, sieht man auf dem Mitschnitt nicht, der später tausendfach im Netz geteilt und kommentiert wird. Wenn es um Respektlosigkeit und Gewalt gegen Polizeibeamte geht, kommt der Macht der Bilder im digitalen Zeitalter eine besondere Rolle zu. Damit muss sich auch die Polizei im Bergischen auseinandersetzen. Gerade bei Ruhestörungen, Demos oder Feiern bekommen die Beamten heutzutage einiges ab. Diese Feststellung bedeutet nicht, dass man die Arbeit der Polizei und auch die Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen nicht kritisch hinterfragen soll und muss, denn aus den polizeilichen Befugnissen ergibt sich eine besondere Verantwortung. Am Ende des Tages sind aber auch Polizeibeamte nur Menschen, die im Interesse der Sicherheit aller buchstäblich den Kopf hinhalten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Bergische Messer aus 100 Prozent Abfall
Bergische Messer aus 100 Prozent Abfall
Bergische Messer aus 100 Prozent Abfall
Bahnstraße in Ohligs nach schwerem Unfall wieder frei
Bahnstraße in Ohligs nach schwerem Unfall wieder frei
Bahnstraße in Ohligs nach schwerem Unfall wieder frei
Solinger bei Unfall mit Falschfahrer verletzt
Solinger bei Unfall mit Falschfahrer verletzt
Solinger bei Unfall mit Falschfahrer verletzt
Doppelspitze kostet die Technischen Betriebe 120.000 Euro
Doppelspitze kostet die Technischen Betriebe 120.000 Euro
Doppelspitze kostet die Technischen Betriebe 120.000 Euro

Kommentare