Plastikabfall säumt weiterhin das Wupper-Ufer

Von Peter Klohs

Der dichte Nebel, der am Samstagmorgen in Remscheid vorherrscht, verflüchtigt sich auf dem Weg in das Tal der Wupper in Solingen-Unterburg. Auf einem Wanderparkplatz trifft sich die Remscheider Greenpeace-Gruppe, um das Ufer entlang des Flusses von Müll zu entsorgen. „Es ist zum Teil schwierig, an die Wupper heranzukommen“, weiß Jutta Breuer von Greenpeace, Ideengeberin der Aktion. „Deshalb beschränken wir uns auf das Remscheider Gebiet, das von der Schwebefähre im Brückenpark bis zum Wiesenkotten reicht.“

Von Unterburg bis zum Brückenpark sind es einige Kilometer. Deshalb wartet ein Geländewagen samt Anhänger auf die Müllbeseitiger. Eine Ausnahmegenehmigung für die Fahrt durch den Wald liegt vor. Also springen viele Helfende auf den Anhänger und lassen sich durch den winterlich kalten Wald fahren. Nur wenige Wanderlustige gehen zu Fuß.

„Dagegen ist die Aktion heute Peanuts.“

Jörg Krone erinnert sich an die erste Aufräumaktion im Juli

Nach eineinhalb Kilometern liegt ein umgestürzter Baum quer über dem schmalen Fahrweg und macht das Weiterkommen zunächst unmöglich. Eine größere Säge muss beschafft werden. Die Helfenden wollen jedoch nicht längere Zeit warten. Die Schwebefähre ist noch ein schönes Stück entfernt, weshalb die Gruppe beschließt, am Wiesenkotten mit der Säuberung des Ufers zu beginnen. Gesagt – getan. Kaum drei Minuten später kämpfen sich die ersten Mutigen durch Geäst, Schlamm und anderen Modder hin zur Wupper.

Sofort fällt die Menge an Plastik auf, die in einem Streifen von fünf Meter Breite die Natur verschandelt, Plastik in Form von Folien und Flaschen. Martin Kuske, verantwortlich für die Pressearbeit bei Greenpeace Remscheid, zieht einen halb verrotteten Plastikstuhl aus einem Gebüsch hervor. Das große Teil wird gesondert gelagert und später auf den dazukommenden Jeep-Anhänger geworfen. Ein Weihnachtsbaum mit reichlich Lametta, das wie grobe Spinnweben aussieht, wird gefunden. Große Freude, als Michael Haaser einen 50-Euro-Schein findet. „Der wird an die Flutopfer gespendet“, gibt er bekannt.

Die Helfer bei dieser zweiten Müllsammelaktion am Ufer der Wupper ziehen langsam weiter. Wie der Gruppenkoordinator Jörg Krone berichtet, fand die erste Müllsammelaktion einen Monat nach der Flutkatastrophe statt. „Es war Ende Juli“, erinnert er sich. „Und da sah es hier unvergleichlich schlimmer aus als jetzt. Da lagen Waschmaschinen und andere Geräte hier herum. Dagegen ist die Aktion heute Peanuts.“

Die Gruppe kommt langsam voran, der Jeep ist noch immer unterwegs, um eine Säge zu besorgen. Kleine Pausen werden eingelegt, um erkaltete Hände oder Füße etwas zu erwärmen oder um den Fortgang der Aktion abzusprechen. Ludwig Hoppe, ehemaliger Ingenieur und als Privatmann an der Müllbeseitigungsaktion beteiligt, berichtet, dass es bei der Beseitigung des Mülls eine Gesetzeslücke zu geben scheint.

„Zuständig für Unrat in der Wupper ist der Wupperverband“, erklärt er. „Wenn der Unrat jedoch am Ufer angeschwemmt wird, dann ist der Inhaber des betroffenen Grundstückes für die Beseitigung des Mülls verantwortlich.“ Das sei in diesem Fall die Stadt Remscheid. „Die jedoch nimmt sich des Unrats nicht an und sagt: Wir haben andere Prioritäten, wir sind überfordert.“Also bleibe der Müll liegen. Dies könne man nur ändern, so Hoppe, wenn der Wupperverband auch für den sogenannten Schwemmmüll verantwortlich wäre: „Ich schätze, dass pro Wupperkilometer bis zu sechs Tonnen Müll hier herumliegen.“

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