Porträt

Pilz schwimmt auf der Sympathiewelle

Auch wenn es so aussieht: Es leuchtet kein Heiligenschein über dem Kopf von Walter Pilz (81). Es ist nur eine Lampe im Ohligser Café Kirchner. Dort kehrt der frühere Schwimmmeister besonders gern ein, meist samstags. Fotos: Christian Beier
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Auch wenn es so aussieht: Es leuchtet kein Heiligenschein über dem Kopf von Walter Pilz (81). Es ist nur eine Lampe im Ohligser Café Kirchner. Dort kehrt der frühere Schwimmmeister besonders gern ein, meist samstags.

40 Jahre lang passte der „Badesheriff“ in Ohligser Bädern auf Kinder auf. Walter Pilz gehört zum Inventar des Stadtteil, den er liebt.

Von Thomas Kraft

Er hat so ein Gesicht, das sich kaum verändert. Es gibt solche Menschen: Sie sehen eigentlich nie richtig jung aus – aber sie altern auch kaum. Walter Pilz (81) hat so einen Kopf. Er ist rund, aber sehr markant. Schon immer scheinen die Haare weiß gewesen zu sein. Auf den ersten Blick wirkt der kräftige Mann ein wenig streng. Auf den zweiten Blick zeigt sich der freundliche Kerl dahinter. Einer, der echt ist. Ein Onkel-Typ. Einer, dem man Kinder anvertrauen kann. Weil er einer ist, der es mit Mädchen und Jungen immer gut konnte, wie seine Lebensgefährtin Anneliese Brauweiler (69) erzählt.

So lernten ihn tausende Schwimmer kennen: Walter Pilz gibt am Becken-rand klare Anweisungen. Das Foto entstand im Ohligser Hallenbad kurz vor seiner Pensionierung 1997.

Tausende gingen durch seine Fittiche, zum Teil bis zu drei Generationen in Folge. Ihnen brachte Pilz mehr als 40 Jahre lang das Schwimmen bei oder er passte auf, dass sie im Becken und außerhalb nicht zu viel Unfug trieben. Es gab eine Zeit, da glaubten die Ohligser, im gesamten Stadtteil gebe es nur einen Schwimmmeister. Im Heidebad, in der Badeanstalt an der Sauerbreystraße, in der Tränke an der Bonner Straße – immer patrouillierte dieser braun gebrannte Badesheriff an den Beckenrändern. Ein strenger Blick, ein deutliches Kommando, und die heranwachsenden Schwimmer parierten. „Mit Kindern hatte ich eigentlich nie Probleme“, sagt Pilz. „Erwachsene sind manchmal viel störrischer.“

Auch seine Lebensgefährtin lernte er im Schwimmbad kennen

Zwei seiner ehemaligen Arbeitsplätze hat die Stadt Solingen längst dicht gemacht. Erst schloss die Tränke, vor einigen Jahren dann auch das Hallenbad. Die Tränke mochte Pilz besonders. „Die war gemütlich, hatte eine eigene Atmosphäre.“ Dort trainierten auch Vereinsschwimmer des OTV. Denen stand Pilz nach seiner Pensionierung 1997 noch lange als Trainer zur Seite. Der gebürtige Zittauer, der Ende der 50er Jahre in den Westen ging und schnell in Ohligs landete, war selbst Wettkampfschwimmer. „Freistil war meine Disziplin, aber nur die kurzen Distanzen.“ Bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften landete er 1989 in Bremen mit der Lagen-Staffel über viermal 50 Meter mit 2:35, 48 Minuten auf Platz drei.

Heute zieht er nur noch aus Spaß ein paar Bahnen am Vogelsang – mittwochs zusammen mit seiner Lebensgefährtin. Dann treffen sie viele alte Schwimmer aus Ohligs. „Natürlich haben wir uns auch im Schwimmbad kennengelernt“, erzählt Anneliese Brauweiler. Schon in den 60er Jahren hatte sie ein Auge auf Pilz geworfen. „Er hatte was. Alle Mädchen fanden ihn toll. Ich war über beide Ohren verliebt.“ Doch es wurde ein Langstreckenrennen. Erst Mitte der 80er Jahre fanden beide zusammen. Walter Pilz brachte aus erster Ehe zwei Söhne – natürlich beide gute Schwimmer – mit, die verwitwete Anneliese Brauweiler hat einen Sohn und eine Tochter.

Das Paar lebt gerne in Ohligs. „Der Stadtteil hat einfach Charme“, sagt Pilz. Und er genießt es, hier bekannt zu sein. „Wenn er durch die Stadt geht und es grüßt ihn keiner, dann ist er richtig sauer“, sagt Anneliese Brauweiler. Aber das wird wohl nie passieren. Gerne erzählt das Paar die Geschichte vom Urlaub auf Fuerteventura. Denn selbst bis auf die spanische Insel reicht die Bekanntheit des Schwimmmeisters. Dort stand er im Wasser und fischte im Meer nach Muscheln, als er hinter sich plötzlich eine Frauenstimme hörte: „Guck mal, da steht ja der Pilz im Wasser.“ Natürlich im Wasser. Wo sonst?

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