Pilotprojekt: Brücke schwebt in Rekordzeit ein

Weniger als eine Stunde dauerte es, bis ein Kran die 2,8 Tonnen schwere Brücke an der Gartenstraße eingehoben hatte. Foto: Christian Beier

Korkenziehertrasse hat an der Gartenstraße eine neue Querung. Die in Deutschland einmalige Bauweise könnte Modellcharakter haben.

Von Timo Lemmer

Gräfrath. Als Anwohnerin Angelika Wöller gestern gegen 7.50 Uhr am Übergang der Korkenziehertrasse an der Gartenstraße entlangging, war noch nichts zu sehen. Keine zwei Stunden später steht sie vor einer komplett eingesetzten, neuen Brücke: Die Technischen Betriebe Solingen (TBS) sowie die ausführende Firma Janson Bridging haben ihren eigenen Zeitplan um Längen geschlagen, was auch die Anwohnerin staunen ließ: „Das ist schon doll, wie das mit dem Kran auf den Millimeter genau funktioniert.“

In Gräfrath steht damit nun ein Pilotprojekt, einmalig in Deutschland. Der neue Überbau ist aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt worden. Die Sonderanfertigung kommt aus Meerkerk (Provinz Utrecht) in den Niederlanden, wurde mittels Schwertransport in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag angeliefert – und nun in weniger als einer Stunde eingehoben.

Die neuartige Bauweise hat viele Vorteile, wie Detlef Diekel (TBS) und Markus Bulk von Janson Bridging betonten. Bulk warb: „Die Bauweise ist einzigartig. Man sieht keine Fuge, keine Schweißnaht. Die Brücke wird unter Vakuum hergestellt, das injizierte Harz zieht sich so in jede Fuge.“ Man könne davon ausgehen, dass die neue Brücke 100 Jahre hält – unter anderem, weil sie komplett witterungsbeständig sei.

Diekel nannte weitere Vorteile: „Die Bauweise ist sehr wirtschaftlich, die Anschaffung günstig.“ Alle Maßnahmen, inklusive Abriss der alten Eisenbahnbrücke durch das Solinger Unternehmen Müllenschläder, kosteten die Stadt etwa 75 000 Euro. „Damit ist die Brücke äußerst günstig – und das bei geringer Bauzeit.“

Entlang der Trasse gibt es mindestens noch zehn alte Brücken

Die zuvor angepeilten 14 Tage Straßensperrung rund um die Baustelle werden die TBS unterbieten, eine Woche wird die Gesamtmaßnahme vermutlich dauern: „Wir denken, dass die Trasse am Montag wieder geöffnet ist.“ Nach dem Aufsetzen des neuen Überbaus stehen nämlich nur noch kleinere Maßnahmen an: Anpassen der Wege oder Auffüllen mit Asphalt zum Beispiel, um einen reibungslosen Übergang auf die Brücke zu gewähren. Die alte Engstelle auf der Brücke ist ebenfalls Geschichte und die Durchfahrtshöhe auf der Gartenstraße ist deutlich gesteigert.

In den Niederlanden war erst Mitte Januar damit begonnen worden, die Brücke zu fertigen. Bulk: „In der Regel brauchen wir von der Genehmigung bis zur Fertigstellung etwa acht bis zwölf Wochen.“ Nun soll das Pilotprojekt genau beobachtet werden: Entlang der Korkenziehertrasse gibt es laut Diekel noch mindestens zehn alte Eisenbahnbrücken, die irgendwann ersetzt werden müssen.

Die an der Gartenstraße war fällig, weil sie verrostet war und die Entwässerung kaum mehr funktionierte. 100 Jahre hatte sie gehalten – das strebt die neue Brücke ebenfalls an. Nur am Charme müsse im Vergleich zur alten Brücke vielleicht noch ein wenig gearbeitet werden, sagte Anwohnerin Angelika Wöller auf den ersten Blick.

Auch das Gewicht ist drastisch reduziert worden, weswegen auch keine weiteren Arbeiten am Fundament nötig waren: von 10,5 auf 2,8 Tonnen. Die neue Bauart könne eventuell auch für die Klauberger Straße, an deren Trassen-Brücke die Unterkonstruktion Probleme bereitet, eine Lösung sein, sagt Diekel. „Aber auch für die gesperrten Fußgängerbrücken im Engelsberger Hof könnte dieser Werkstoff prädestiniert sein.“ Die ersten Erfahrungen mit der leichten und korrosionsarmen Bauweise, in den Niederlanden bereits gang und gäbe, werden für Deutschland jetzt jedenfalls in Solingen gemacht.

KORKENZIEHERTRASSE

TREFFPUNKT Die Brücke sei schon immer Treffpunkt der Nachbarschaft gewesen, sagt Angelika Wöller. Oder der Ort zum Anziehen der Inlineskates: „Die Trasse ist ein Segen.“

SORGE Angst mache indes die geplante Veloroute über die Korkenziehertrasse: Bei freier Fahrt für Radfahrer fürchten viele Anwohner, dass „Fußgänger oder Hunde zu Hindernissen werden“.

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