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Der Philosoph und das „rote“ Solingen

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Ralf Rogge referierte über Friedrich Engels und seine Beziehung zu Solingen.

Stadtarchivar Ralf Rogge sprach über Friedrich Engels.

Von Holger Hoeck

Am 28. November jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag von Friedrich Engels. Der kommunistische Revolutionär, der ebenso als Philosoph und Journalist wirkte, hat seine Spuren auch in Solingen hinterlassen, das ab 1863 für Jahrzehnte als eine der Hochburgen der sozialistischen deutschen Arbeiterbewegung galt. Engels’ Bedeutung für das „rote“ Solingen erläuterte Stadtarchiv-Leiter Ralf Rogge während eines digitalen Vortrags.

Schon während seiner Schulzeit interessierte sich der in Barmen als erstes von neun Kindern geborene Engels für humanistische Ideen und geriet dadurch häufig in Konflikt mit seinem gleichnamigen Vater, einem erfolgreichen Baumwollfabrikanten.

Ralf Rogge referierte über Friedrich Engels und seine Beziehung zu Solingen.

Während und nach seiner Ausbildung in Bremen und einem einjährigen freiwilligen Militärdienst in Berlin begeisterte er sich verstärkt für revolutionäre Ideen und veröffentlichte 1842 in der in Köln gegründeten „Rheinischen Zeitung“ erste kritische Artikel gegen den preußischen Staat. Hier lernte er auch Karl Marx kennen.

Angetrieben durch persönliche Erfahrungen mit der Arbeiterklasse im industriell geprägten England, wo er in Manchester seine Ausbildung beendete, suchte er nach seiner Rückkehr nach Barmen verstärkt den Kontakt zur hiesigen Arbeiterklasse. „Eine erste Verbindung nach Solingen ergab sich dann während des Elberfelder Aufstandes im Mai 1849, als Engels in Solingen übernachtete und anschließend mit einem Trupp Einheimischer in den heutigen Wuppertaler Stadtteil reiste. Ein Zeughaus in Gräfrath diente den Revolutionären dabei als Waffenlager“, berichtete Ralf Rogge.

Mit zeitlichem Abstand zum letztlich gescheiterten Aufstand erinnerte sich Engels wohl gerne an die einsatzbereiten Solinger. „Wenn alle so wie sie gekämpft hätten, wäre der Kampf in Elberfeld anders verlaufen.“

Protagonisten der Elberfelder Ereignisse wurden anschließend per Steckbrief von der Staatsanwaltschaft gesucht und wanderten daher wie Carl Wilhelm Klein, Leiter eines Solinger Arbeitervereins, nach England aus, wo sich bereits Marx und Engels befanden. Überliefert sind schriftliche Gesuche nach finanzieller Unterstützung einer Produktivgenossenschaft, die die Gemeinde des Solinger „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“, die Kleins einstiger Mitstreiter Carl Klings im Juni 1863 gebildet hatte, im Jahre 1867 aufgebaut hatte. „Das waren im Grunde Bettelbriefe, die Klein an Marx und Engels schickte.“ Als sich die Solinger Arbeiterbewegung ab 1871 wandelte, brachen die ohnehin nur rudimentären Verbindungen Engels nach Solingen ab.

Das Bergische war für Engels das Kölner Hinterland

Die Nachfrage, ob es überhaupt eine besondere Beziehung ins Bergische Land gab, musste Rogge verneinen. „Die hatte Engels eher nach Köln und ins Rheinland. Das Bergische Land bedeutete für ihn Kölner Hinterland.“ Gleichwohl erfolgte eine Würdigung Friedrich Engels in Solingen, als sein Name beim vom Spar- und Bauverein 1928 in Auftrag gegebenen Baus des „Revolutionsviertel“ Berücksichtigung fand.

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