Pflegerin bringt Kind und Job zusammen

Weil sie feste Arbeitszeiten hat, kann die alleinerziehende Mutter Jasmin Piel weiter in ihrem Beruf als Krankenschwester arbeiten. So kann sie jeden Nachmittag bei Tochter Davina sein. Foto: Michael Schütz
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Weil sie feste Arbeitszeiten hat, kann die alleinerziehende Mutter Jasmin Piel weiter in ihrem Beruf als Krankenschwester arbeiten. So kann sie jeden Nachmittag bei Tochter Davina sein. Foto: Michael Schütz

Jasmin Piel arbeitet als Springerin in der St. Lukas Klinik

Von Anja Kriskofski

Wenn Jasmin Piel ihre Tochter Davina nachmittags von der Grundschule abholt, haben beide Feierabend: Piel nach einem Arbeitstag in der St. Lukas Klinik und ihr Kind nach Unterricht und Ganztagsbetreuung. Dass die alleinerziehende Solingerin weiterhin in ihrem Beruf als Krankenschwester arbeiten kann, macht ein besonderes Modell möglich. Die Pflegedirektion des Ohligser Krankenhauses hat einen „Springer-Pool“ für Pflegekräfte geschaffen, die aus familiären Gründen nicht im Schichtdienst arbeiten können. Stattdessen springen sie auf den Stationen ein, die gerade Verstärkung brauchen. „Schichtdienst könnte ich nicht mit meiner Tochter vereinbaren“, sagt Piel.

Bevor die 34-Jährige im vergangenen Jahr an die St. Lukas Klinik zurückkehrte, wo sie ihre Ausbildung gemacht hat, arbeitete sie in der Nachtschicht im Krankenhaus Bethanien. Doch nach der Trennung von ihrem Mann sei das nicht mehr möglich gewesen. Auch das Drei-Schicht-System mit Frühdienst ab 6.30 Uhr, Spät- und Nachtdiensten würde mit einem achtjährigen Kind nicht funktionieren, erklärt sie: „Ich wüsste nicht wohin mit ihr. Meine Familie lebt in Wuppertal, und Davinas Vater arbeitet selbst im Schichtdienst.“ Durch Zufall sei sie 2019 auf die Stellenausschreibung der St. Lukas Klinik aufmerksam geworden. Jetzt arbeitet sie dort fünf Tage in der Woche von 8.15 bis 15.15 Uhr. „Aktuell gibt es für mich nichts Besseres.“

„Es wird mir viel Last von den Schultern genommen.“

Jasmin Piel

Denn ihren Traumberuf will sie nicht aufgeben. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen, als Krankenschwester zu sein.“ Sie kenne jedoch mehrere ehemalige Kolleginnen, die den Beruf wechselten, „weil er sich nicht mit der Familie vereinbaren ließ“.

In der Kplus Gruppe, zu der die St. Lukas Klinik gehört, arbeiteten Pflegekräfte im Schnitt 12,5 Jahre in der Pflege, sagt Pressesprecherin Cerstin Tschirner. „Es ist schade, wenn man die hoch ausgebildeten Mitarbeiter nach der Familiengründung verliert.“ Um die Fachkräfte zu halten, hat Pflegedirektor Jens H. Robra den „Springer-Pool“ geschaffen. Derzeit arbeiteten dort sechs Gesundheits- und Krankenpflegerinnen: manche mit Fünf-Tage-Woche und 80-Prozent-Stelle wie Jasmin Piel, andere mit nur zwei Arbeitstagen pro Woche. „Nicht nur Kinder, sondern auch pflegebedürftige Eltern können der Grund sein, warum Mitarbeiter feste Arbeitszeiten brauchen“, erklärt Robra. Der Vorteil für die Klinik: Zum einen habe man so feste Teams im Schichtsystem, zum anderen die flexibel einsetzbaren Springerinnen, die dort arbeiten, „wo es gerade brennt.“ Die Dienstpläne auf den Stationen würden so weniger gefährdet.

Jasmin Piel mag die Abwechslung: „Ich kenne alle Stationen und fühle mich überall wohl. Und die Arbeit variiert von Tag zu Tag.“ Es sei auch kein Problem, wenn sie selbst einmal später kommen müsse, wenn die Unterrichtszeit von Davina das erfordert. „Es wird mir viel Last von den Schultern genommen.“ Das Entgegenkommen gibt sie gerne zurück: Wenn Davina bei ihrem Vater ist, übernimmt sie auch schon mal Wochenenddienste in der Klinik.

Auch Davina gefällt das Modell: „Mama steht mit mir auf, bringt mich zur Schule und holt mich später wieder ab.“ Dann beginnt für beide die gemeinsame Freizeit. Bei schönem Wetter gehe es schon mal an den Rhein oder an den Treppenbach in Meigen, wo Mutter und Tochter wohnen. Zweimal in der Woche steht für die Achtjährige zudem das Tanztraining bei der Schiwa Tanzformation auf dem Programm, wo sie Funkenmariechen ist. „Ich finde es gut, dass Mama arbeitet und Geld verdient“, sagt Davina.

Die St. Lukas Klinik hat 300 Betten in sieben Fachabteilungen. Das Krankenhaus mit rund 550 Mitarbeitern gehört zur katholischen Kplus Gruppe. An der Schwanenstraße werden pro Jahr 12 000 stationäre sowie 17 000 ambulante Fälle behandelt.

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