Aktion

Pflegekräfte aus der ganzen Welt

23 neue Klinikum-Mitarbeiter aus dem Ausland haben ihr Examen – 109 werden es insgesamt.

Von Simone Theyßen-Speich

Von den 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im Klinikum in der Pflege beschäftigt sind, gehen pro Jahr etwa 60 bis 80 in den Ruhestand. Weil qualifizierte Pflegekräfte kaum zu finden sind, hat das Klinikum vor anderthalb Jahren begonnen, Personal aus dem Ausland zu akquirieren.

„180 Bewerbungsgespräche haben wir seitdem geführt, 109 Arbeitsverträge geschlossen, 63 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind schon eingereist“, erzählt die stellvertretende Pflegedirektorin Heike Zinn. Die erste Gruppe von 23 Frauen und Männern hat jetzt die Kenntnisprüfung für das deutsche Examen erfolgreich bestanden – und den Job auf den Klinikum-Stationen angetreten.

Der Weg dahin sei manchmal nicht einfach gewesen. Teilweise habe man bei der Anwerbung zunächst in Englisch kommuniziert, „aber mittlerweile haben alle Examinierten auch ihre deutschen Fachsprachen-Kenntnisse auf B2-Niveau erreicht“, so Zinn. Weil ihre Examen aus dem Ausland nicht direkt anerkannt werden, mussten sie einen sechsmonatigen Kurs sowie praktische und theoretische Examensprüfungen ablegen.

Examensanwärter wohnen in Klinikum-Appartements

Die neuen Klinikum-Mitarbeiter kommen von den Philippinen, aus Indien, dem Sudan, Pakistan oder Tunesien, aber auch vom Balkan, aus Ungarn oder Italien. „In Ost-Europa durchlaufen Pflegekräfte ein dreijähriges Studium ohne Praxisanteil, in anderen Ländern fehlt Erfahrung in Körperpflege oder Essensanreichung, weil das dort die Angehörigen übernehmen“, skizziert Zinn unterschiedliche Voraussetzungen.

Um in Solingen, einem neuen Beruf in einem fremden Land und teilweise fremder Kultur anzukommen, hatten sie im Klinikum große Unterstützung. „Wir haben uns dem Siegel ,Faires Anwerben von Pflege' angeschlossen und unterstützen die neuen Kolleginnen und Kollegen bei Sprach-, Einreise- oder Wohnungsproblemen“, erklärt Silke Pöppelreiter-Boßmanns, neue Integrationsbeauftragte im Klinikum. „Derzeit sind alle in unseren Appartementhäusern auf dem Klinik-Gelände untergebracht“, skizziert sie das Bemühen, den Start in Solingen zu erleichtern.

In gutem Deutsch erzählen die frisch Examinierten ihre unterschiedlichen Lebensgeschichten. Sie alle sind glücklich über die berufliche Chance. Sbiha Wael (27) ist aus Tunesien nach Solingen gekommen, weil auch sein Bruder schon hier arbeitet. Für Jay-R Latupan von den Philippinen war die neue Sprache ein besonders großer Schritt. „Ich habe aber auch schon sechs Jahre in Dubai gearbeitet“, so der 35-Jährige, der jetzt hofft, dass Frau und zwei Kinder bald nach Deutschland nachkommen können.

Das wünscht sich auch Rin Ghaunouchi aus Tunesien. „Ich habe meinen achtjährigen Sohn und die vierjährige Tochter seit zehn Monaten nicht gesehen“, der Schritt, hier eine neue berufliche Perspektive für die Familie aufzubauen, sei aber richtig. Sueda Hasko aus Italien ist da schon weiter. Mann und Sohn konnten mit nach Solingen ziehen.

Mit den insgesamt 109 neuen Mitarbeitenden aus dem Ausland, die nach dem Examen einen unbefristeten Vertrag in Aussicht haben, seien die Stationen wieder gut versorgt, skizziert Heike Zinn die Situation. Wichtigstes Mittel, um immer wieder junge Pflegekräfte zu gewinnen, bleibe aber die Ausbildung. 56 Azubis starten jedes Jahr in der Bildungsakademie des Klinikums. „Etwa 35 schaffen pro Jahr das Examen – in diesem Jahr sind danach alle bei uns geblieben“, freut sich Zinn.

St. Lukas Klinik

Pflege: In der St. Lukas Klinik arbeiten seit 2021 fünf Pflegekräfte von den Philippinen. Dort gibt es auch seit vielen Jahren schon eine Niederlassung des Indischen Ordens „Missionary Sisters of Mary Immaculata“.

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