Ausnahmezustand in Corona-Zeiten

Pflegeheime empfangen zu Muttertag viele Besucher

Einrichtungsleiterin Karin Götze vom evangelischen Wohn- und Pflegezentrum Cronenberger Straße hatte sich mit ihren Mitarbeitern auf die neuen Besuchsregeln für Angehörige vorbereitet. Foto: Christian Beier
+
Einrichtungsleiterin Karin Götze vom evangelischen Wohn- und Pflegezentrum Cronenberger Straße hatte sich mit ihren Mitarbeitern auf die neuen Besuchsregeln für Angehörige vorbereitet.

Seit gestern gelten gelockerte Regeln für den Kontakt zwischen Bewohnern und Angehörigen

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Karin Götze, Leiterin des evangelischen Seniorenzentrums Cronenberger Straße, ist zufrieden mit dem Verlauf des ersten Sonntags unter neuen Besuchsbedingungen. „Die Besucher waren sehr diszipliniert und haben sich an die vorgegebenen Regeln wie Fieber messen, Hände desinfizieren und Datenformular ausfüllen gehalten. Sie sind zudem auf Distanz geblieben“, erzählt sie.

Gerade zu Muttertag erhielt sie, wie alle ihre Heimleiter-Kollegen in Solingen, im Vorfeld viele Anmeldungen von Angehörigen. Ausführlich hatte sie schon seit Mitte der Woche mit ihrem Team über die Umsetzung der vom Land mitgeteilten Lockerungen der Corona-Kontaktsperre in Pflegeheimen am „Wie“ gebastelt. Schließlich wolle man trotz des derzeit erfreulichen Kurvenverlaufs der Infektionszahlen nicht leichtsinnig werden. Gerade „ihre“ Heimbewohner seien nun einmal „Risikogruppe Nummer eins“.

„Für alle unsere Häuser haben wir Pläne ausgearbeitet.“

Karin Götze, Pflegeleiterin

„Für alle unsere vier Häuser haben wir individuelle Pläne ausgearbeitet“, sagt sie. Im Haupthaus steht beispielsweise ein dafür hergerichtetes Besucherzimmer mit zwei Zugängen zur Verfügung.

Wer nach der Ankündigung der „Öffnung der Pflegeheime für Besucher“ mehr erwartet hatte, zum Beispiel körperliche Nähe wie Umarmungen, war vielleicht enttäuscht. Aber die seit heute neu geltende Coronaschutzverordnung des Landes NRW trägt dem Schutz der Älteren Rechnung. Heime durften gestern schon öffnen, speziell zu Muttertag.

Peter Knoch, Geschäftsführer der städtischen Altenzentren, hätte für die Wiedereröffnung gerne mehr Zeit gehabt, um die Balance zwischen dem nachvollziehbaren und überaus verständlichen Wunsch nach Kontakt zwischen Jung und Alt und der nach wie vor dringend nötigen Vorsicht in Einklang zu bringen.

Jüngst erst hatte er mit den Heimleitungsteams „seiner“ Einrichtungen das Konzept für ein Besuchszimmer ausgetüftelt. In ihm können Angehörige mit den Senioren garantiert virenfrei hinter einer Glaswand und mit Ton über ein Babyfon kommunizieren. „Bei allem Verständnis über das Bedürfnis, sich ohne Hilfsmittel zu treffen oder gar zu umarmen: Wir sind noch nicht wieder auf normal“, sagt er. Die neu geschaffene kontaktlose Besuchsmöglichkeit in speziellen Besucherräumen bleiben dort nun bestehen.

In allen Einrichtungen Solingens waren die Besuche am Wochenende zeitlich auf rund 20 Minuten bis maximal eine Stunde beschränkt, um möglichst vielen Senioren die Chance zu geben, Sohn, Tochter oder Enkel zu sehen. Für diese Treffen musste man zuvor einen Termin vereinbaren, eine Regelung, die bis auf weiteres bleibt. Bewohner, die dauerhaft bettlägerig sind, können von einer Person, die Schutzausrüstung tragen muss, für maximal zwei Stunden Besuch erhalten. Wer medizinisch oder psychisch besonders belastet ist, kann ebenfalls – wie schon bisher – nach Terminabsprache besucht werden.

Standards wie Hände-Desinfektion und Mundschutz gehören auch für Meike Widera, Residenzberaterin von „SenVital“, inzwischen wie automatisiert ins tägliche Leben der Einrichtung in Ohligs. Für das Muttertagswochenende, dem ersten mit mehr Besuchern nach der kategorischen Kontaktsperre, sah sie ihr Haus gut gerüstet. „Dank eines geliehenen Doppel-Zeltes der Firma Meventa, die uns das kostenfrei zur Verfügung stellt, können wir nun dort einstweilen die Besuche außerhalb des Haupthauses durchführen.“

Regeln für Pflegeheimbesuche

Wer einen Angehörigen besuchen möchte, der in einer Pflegeeinrichtung lebt, muss sich zuvor anmelden und erhält einen Termin. Das gilt seit dem 7. Mai. Nach wie vor gilt für Bewohner der Einrichtungen, dass sie ihr Heim nicht verlassen dürfen. Wer es trotzdem tut, muss danach eine Quarantäne-Zeit von 14 Tagen in Kauf nehmen, in der er sein Zimmer nicht verlassen darf. Diese einschränkende Maßnahme gilt dem unbedingten Schutz anderer Heimbewohner vor einer möglichen Infizierung mit dem Corona-Erreger.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Nach Unfall: L 74 in beide Fahrtrichtungen gesperrt
Nach Unfall: L 74 in beide Fahrtrichtungen gesperrt
Nach Unfall: L 74 in beide Fahrtrichtungen gesperrt
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Diebe stehlen Fernseher und Schlüsselbund
Diebe stehlen Fernseher und Schlüsselbund
Diebe stehlen Fernseher und Schlüsselbund
Corona: 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter - Zweithöchster Wert im Bund
Corona: 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter - Zweithöchster Wert im Bund
Corona: 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter - Zweithöchster Wert im Bund

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare