Notfallmedizin

Pflegerin auf der Intensivstation: „Pflege braucht mehr Aufmerksamkeit“

Uta Naumann leitet die Innere Intensivpflegestation des Städtischen Klinikums. Nach 34 Jahren in der Intensivpflege in Solingen freut sie sich nun auf ihren Ruhestand.
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Uta Naumann leitet die Innere Intensivpflegestation des Städtischen Klinikums. Nach 34 Jahren in der Intensivpflege in Solingen freut sie sich nun auf ihren Ruhestand.

Uta Naumann, Leiterin der Inneren Intensivstation im Städtischen Klinikum, geht in den Ruhestand.

Von Kristin Dowe

Solingen. Es ist vielleicht ein Anhaltspunkt dafür, dass Uta Naumann das Loslassen nicht ganz leichtfällt: Wenn sich die Leiterin der Inneren Intensivpflegestation am Städtischen Klinikum Ende dieses Monats in den Ruhestand verabschiedet, möchte sie zunächst noch für ein Jahr mit zehn Prozent weiterarbeiten. „Ansonsten sitze ich dann mit der Zeitung im Liegestuhl!“, scherzt die 65-Jährige, die – von einem zweijährigen Abstecher in die Kinder- und Jugendpsychiatrie und einem beruflichen Aufenthalt in Irland einmal abgesehen – seit 1978 in der Intensivpflege tätig ist. 34 Jahre ihrer Dienstzeit hat sie am Solinger Klinikum verbracht.

„Die Notfallmedizin ist für mich eine Berufung“, sagt sie. „Man muss sehr schnell reagieren und weiß nie, was in den nächsten fünf Minuten passiert. Es macht einfach Spaß zu sehen, wenn es den Menschen wieder besser geht.“

Trotz der vieldiskutierten Missstände in der Pflege wie eine oft unzureichende Bezahlung und Personalknappheit sei es für sie all die Jahre immer erfüllend gewesen, die Wärme und Dankbarkeit von den Patienten und ihren Angehörigen zurückzubekommen. „Eine Gynäkologin von uns erzählte mir kürzlich, dass ihr beim Marathonlaufen ein Mann hinterhergelaufen sei. Er habe sie angesprochen und ihr erzählt, dass er von uns nach einem Notfall reanimiert worden sei und jetzt Marathon laufe. So etwas ist natürlich ein schönes Erlebnis.“ Hinzukomme ein hervorragendes Team in der Intensivpflege des Klinikums: „Wir können uns voll aufeinander verlassen.“

Uta Naumann wünscht sich mehr junge Menschen, die sich für Pflege entscheiden

Sie wünsche sich sehr, dass sich wieder mehr junge Menschen für die Pflege und speziell für die Intensivpflege entscheiden würden, obwohl sie sich der Herausforderungen des Berufs bewusst sei. „Es gehört in dem Job dazu, von Sterbenden und ihren trauernden Angehörigen, von Tod und Leid umgeben zu sein. Auch für mich ist es immer noch belastend, beispielsweise einen jungen Menschen sterben zu sehen.“

Der psychische Umgang mit den Schattenseiten ihres Berufs sei für sie ein Lernprozess gewesen. Sie freue sich darüber, dass die Pflege durch die Corona-Pandemie mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhalten habe. „Die Wertschätzung für unseren Beruf ist durch Corona gestiegen. Allerdings lässt das Interesse allmählich schon wieder nach. Es wäre schön, wenn das bleiben würde.“

Gemischte Bilanz zur Corona-Impfpflicht in Solingen

So lange sie in der Intensivpflege tätig sei – immerhin seit 1978 – habe die Branche immer Probleme gehabt, Personal zu gewinnen. Dies könne laut Uta Naumann auch damit zu tun haben, dass die Bezahlung jungen Menschen nicht lukrativ genug erscheint. „Mitarbeiter in der Autoindustrie verdienen besser als wir – obwohl wir mehr Verantwortung für Menschen tragen.“

Zudem seien aktuell zu viele Pflegekräfte in der Leiharbeit beschäftigt. „Dagegen müsste Herr Lauterbach mal was unternehmen“, appelliert sie an den Bundesgesundheitsminister. Die personelle Situation im Klinikum beschreibt die Intensivpflegerin diplomatisch als „so lala“. Eine Pflegekraft kümmere sich aktuell um zwei Intensivpatienten, zudem werde die Abteilung zurzeit von zwölf Anerkennungspraktikanten aus dem Ausland unterstützt. „Die Leute kommen beispielsweise von den Philippinen, aus Tunesien, Albanien oder dem Sudan“, berichtet sie. Die Pflege in Deutschland sei dringend auf Zuwanderung angewiesen, um Personallücken zu schließen.

Pflege im Städtischen Klinikum Solingen: Begeisterung und Herausforderung zugleich

Notfallmedizin machte rasante Fortschritte

Positiv sei hingegen, dass die Notfallmedizin in den vergangenen Jahren rasante Fortschritte gemacht habe. „Früher mussten wir noch händisch Blutdruck messen. Das läuft heute alles voll automatisch.“ Überhaupt sei in ihrem Beruf heute deutlich mehr technisches Know-how erforderlich als früher.

Freunde und Familie hätten ihr in ihrem oft stressigen Alltag immer wieder Halt gegeben – auch das Laufen habe als Ausgleich eine wichtige Rolle gespielt. Wenn sie sich ab September ihrer Freizeit widmen kann, wolle sie neue Dinge ausprobieren – sich etwa irgendwann ehrenamtlich im Ausland für „Ärzte ohne Grenzen“ engagieren oder ein Seniorenstudium für Kunstgeschichte beginnen. Das alles sei aber noch Zukunftsmusik. „Noch ist mein Kopf hier!“

Hintergrund

Für den Einstieg in den Beruf der Pflegefachfrau oder des Pflegefachmanns ist mindestens die Mittlere Reife oder ein vergleichbarer Abschluss sowie eine dreijährige Ausbildung erforderlich. Danach ist eine Weiterbildung in der Intensiv- und Anästhesiepflege möglich.

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