Vortrag

Mit der Pest kam die Idee der Quarantäne

Lisa Hellman ist als Historikerin in Bonn tätig. Foto: Barbara Frommann
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Lisa Hellman ist als Historikerin in Bonn tätig.

Vortrag von Historikerin Dr. Lisa Hellman.

Von Stephanie Licciardi

Solingen. Welche Rolle spielen gesellschaftliche Faktoren wie Klassenzugehörigkeit oder Herkunft in Zeiten von Pandemien? Bei einem Onlinevortrag der Bergischen Volkshochschule ging Historikerin Dr. Lisa Hellman besonders der Fragestellung nach, welche Gruppen im Verlauf der Menschheitsgeschichte besonders betroffen von Maßnahmen waren. Der Titel lautete: „Alle gleichermaßen ansteckend? Ein Blick zurück auf die politische Dimension der Quarantäne“.

Die gebürtige Schwedin ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster „Beyond Slavery and Freedom“ an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn tätig und versteht sich als Globalhistorikerin. Nach Forschungsaufenthalten in China, Japan und Sibirien zieht Hellman „weltvergleichende große Perspektiven“ heran, um Pandemien der Geschichte, etwa die Pest oder die Spanische Grippe bis zur heutigen Corona-Pandemie zu erklären.

Isolationen und Quarantäne von Kranken habe es in der Geschichte stets gegeben, weiß die Historikerin. Die Angst vor der unbekannten Sache treffe auf außergewöhnlichen Einfallsreichtum der Menschen, erklärt Lisa Hellman. Ob Einrichtungen von Seuchenhäusern, aus denen sich Spitäler und bedeutende Kliniken wie die Charité oder der Schnabeldoktor (Pestdoktor) entwickelten, seien Beispiele zur Bekämpfung von Krankheiten. Auch der Entstehung des Wortes „Quarantäne“ ging die Forscherin nach. Im venezianischen Mittelalter entstanden, als der Schwarze Tod (Pest) durch die norditalienische Stadt tobte, hat sich das „Konzept der Trennung von Kranken und Gesunden“ vollends durchgesetzt.

Angst vor Krankheit ist mit Fremdenfeindlichkeit verknüpft

„Die Geschichte des medizinischen Fortschritts ist eng verwoben mit der Angst vor Unbekanntem und der Geschichte der Macht“, berichtet Hellman. Quarantänemaßnahmen von Migranten bei Ankunft in der Neuen Welt oder um die „wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Sklavenhandels zu sichern“ bis hin zur Raumfahrt; die Angst vor Krankheiten war und sei mit Fremdenfeindlichkeit verknüpft. „Vorstellungen von Ansteckungen gingen weit über Krankheiten heraus. Und sie zeigen, wen wir am meisten schützen wollen.“

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