Die Woche von Stefan M. Kob

Peek & Cloppenburg: Resignation hilft uns nicht weiter

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stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Kaum hatten wir in der vergangenen Woche das zarte Pflänzchen einer aufblühenden Innenstadt mit Lob gegossen, da platzte die Bombe.

Zum Jahresende verlässt das Modehaus Peek & Cloppenburg Solingen. Der Düsseldorfer Konzern besitzt wohl nicht die betriebswirtschaftliche Geduld, auf neue, hoffentlich bessere Zeiten für die City 2030 zu warten, sondern schließt nach 36 Jahren seine Filiale am Mühlenplatz.

Ohne Zweifel ein harter Schlag für die Bemühungen, den Handel in der Innenstadt zu beleben. Aber auch ein unerwarteter? Wohl kaum. Denn Sortiment und Ausstattung ließen in den letzten Jahren zunehmend erkennen, dass die P&C-Zentrale nicht mehr viel Energie in ihre Solinger Filiale stecken mochte. Warum, das ist die berühmte Frage von Henne und Ei. Kamen zu wenige Kunden, weil das Sortiment nicht dem Standard anderer Häuser entsprach? Oder sank der Standard, weil einfach zu wenige Kunden kamen?

Wie auch immer: Der Weggang des namhaften Modehauses ist ein schwerer Rückschlag für die Anziehungskraft des Einzelhandelsstandorts. Da hilft es auch nicht, Analogien aus der Homöopathie zu bemühen, wonach es eine Erstverschlechterung geben muss, bevor die Heilung einsetzt. Der Schock sitzt tief – auch bei den Innenstadt-Kümmerern, die seltsam still auf die Hiobsbotschaft reagiert haben, nämlich gar nicht. Dabei können wir jetzt alles brauchen, nur keinen Fatalismus und keine Resignation. Im Gegenteil: Jetzt heißt es erst recht, die Ärmel hochzukrempeln und dafür zu sorgen, dass zumindest die alternative Planung an dieser Stelle Hand und Fuß hat und dem vorgegebenen Ziel City 2030 folgt.

Mut machen auch andere Signale: Im Gegensatz zu Peek & Cloppenburg hat der Düsseldorfer Nachbar C & A mit der topmodern aufgehübschten Filiale am Neumarkt ein Bekenntnis zum Standort abgelegt. Und die neue Sparkassenzentrale wird dieses Areal nahe dem Hofgarten städtebaulich aufwerten.

Diejenigen, die jetzt das Klagelied des immer schon vorhergesagten Niedergangs der Einkaufsstadt Solingen singen, sollten sich einmal ehrlich machen und fragen, wann sie denn zuletzt einen nennenswerten Betrag in der City ausgegeben haben. Dann wird es nämlich meistens recht still. Auch diejenigen tun der Stadt Unrecht, die für alles die Schuld im Rathaus mit seinen unfähigen Beamten sehen. Solingen ist im Gegensatz zu vielen anderen Städten schon weit auf dem Weg: Das Innenstadtkonzept strebt eine Konzentration der Geschäfte auf einen engeren, aufgewerteten Bereich an und eine Umnutzung der nicht mehr gebrauchten Handelsflächen. Dafür gab es sogar Lob vom bergischen Einzelhandelsverband.

Schlussendlich kann keine Partei, kein Oberbürgermeister und auch kein Wahlkandidat Entscheidungen von Handelskonzernen beeinflussen. Diese handeln nüchtern nach Zahlen. Und diese Zahlen sehen derzeit überall verheerend aus. War der stationäre Einzelhandel aufgrund des Strukturwandels schon vor Corona schwer unter Druck, so hat das Virus die bedrohliche Welle tsunamiartig aufgetürmt. Daher gibt es zu dem eingeschlagenen Weg keine Alternative.

TOP Trotz Corona: Schausteller dürfen Stände im Stadtgebiet betreiben.

FLOP Wegen Corona: Patienten scheuen Arztbesuche.

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