Pandemie

PCR-Tests: Anspruch ist nicht klar geregelt

Unter anderem in Bethanien sind PCR-Tests möglich. Der „Goldstandard“ der Tests ist zuverlässiger als ein Schnelltest, aber auch viel teurer. Nicht jeder hat Anspruch auf kostenlose PCR-Tests.
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Unter anderem in Bethanien sind PCR-Tests möglich. Der „Goldstandard“ der Tests ist zuverlässiger als ein Schnelltest, aber auch viel teurer. Nicht jeder hat Anspruch auf kostenlose PCR-Tests.

Die Labore sind wegen der deutlich gestiegenen Anzahl an Tests am Anschlag, was zu Verzögerungen führt.

Von Björn Boch, Anja Kriskofski und Philipp Müller

Solingen. Wer wegen des Verdachts auf eine Corona-Infektion einen PCR-Test macht, braucht bisweilen nicht nur viel Geduld, sondern muss den Test möglicherweise auch selbst bezahlen. Wer Anspruch auf einen Test hat, ist nicht klar geregelt. Laut Bundesgesundheitsministerium ist es eindeutig für Menschen, bei denen ein Schnell- oder Selbsttest positiv war. Kontaktpersonen von Menschen, bei denen durch einen Arzt oder den öffentlichen Gesundheitsdienst eine Infektion mit Sars-CoV-2 festgestellt wurde, hätten dagegen nur „grundsätzlich Anspruch“ auf einen kostenlosen PCR-Test. „Ein strikter Anspruch besteht nicht, da auch eine Diagnostik durch Antigen-Tests möglich ist.“

Selbst innerhalb des Bergischen Landes wird das teils unterschiedlich interpretiert – vor allem bei Geimpften, da sie zwar auch das Virus übertragen können, aber viel weniger zur Infektionsdynamik beitragen als Ungeimpfte. Die Gesundheitsämter, die einen PCR-Test für Kontaktpersonen anweisen und so im Einzelfall Klarheit schaffen können, sind angesichts hoher Infektionszahlen oft überlastet.

Wo früher Bethaniens Teststation war, wird seit einiger Zeit geimpft. Tests werden nun draußen an Containern gemacht – Plakate weisen den Weg.

In Solingen sei bei einer Anordnung durch das Gesundheitsamt oder einem konkreten Verdacht – enger Kontakt zu Infiziertem, Meldung über die Warn-App, auffällige Symptome – ein PCR-Test möglich, für den die Kosten übernommen werden. „Das Gesundheitsamt handelt nach diesem Prinzip, weil ein starkes Interesse daran besteht, schnellstens größtmögliche Klarheit bei eventuell auftretenden Infektionsfällen zu erhalten“, so Stadtsprecher Thomas Kraft.

Von diesem Vorgehen seien die zahlreichen Teststellen zu unterscheiden, bei denen in der Regel Schnelltests durchgeführt würden. Wer in dieser Situation selbstständig einen PCR-Test in Auftrag gebe, könne nicht automatisch von einer Kostenerstattung ausgehen.

Die Stadt Remscheid bezieht sich auf die Coronavirus-Testverordnung des Bundes, laut der etwa „Personen, die durch die Corona-Warn-App gewarnt wurden, als anspruchsberechtigt berücksichtigt“ würden. Es sei zwar vermerkt, dass der Anspruch nur im Rahmen der vorhandenen Testkapazitäten gegeben ist, so Amtsärztin Dr. Gabriela Marek. Geimpfte seien aber nicht per se ausgeschlossen.

„Wir haben zusätzliche Testkapazitäten rasch wieder in Betrieb genommen.“

Christian Ries, Labor Synlab

In Wuppertal werde bei geimpften oder genesenen Kontaktpersonen, für die das Gesundheitsamt engen Kontakt zu einer infizierten Person ermittelt, eine PCR-Testung veranlasst. Nicht durch das Gesundheitsamt kontaktierte Personen könnten sich über ein Online-Formular melden, heißt es von der Pressestelle. Allerdings sind unserer Redaktion Fälle bekannt, in denen seitens des Amts geimpften Kontaktpersonen kein Anspruch auf einen Test eingeräumt wurde. Unklar blieb bei der gesamten Recherche, wer entscheidet, ob ausreichend Kapazitäten da sind oder nicht.

Die Wartezeit auf PCR-Testergebnisse scheint sich indes zu verkürzen. Mitte November hatte es Spannen bis zu fünf Tagen gegeben – was aber auf technische Störungen beim Abruf der Ergebnisse und nicht auf die Testkapazitäten zurückzuführen gewesen sei, berichtet Christian Ries, Leiter der Unternehmenskommunikation von Synlab. Die Firma betreibt Testzentren selbst, wertet aber auch Ergebnisse aus, zum Beispiel von Bethanien.

Im Leverkusener Labor liege die Befundlaufzeit von PCR-Tests „in mehr als 95 Prozent der Fälle unter 24 Stunden“, so Ries. Vor dem Hintergrund des Infektionsgeschehens sei allerdings nicht auszuschließen, dass sich Befundlaufzeiten kurzfristig auf bis zu 48 Stunden erhöhen. „Um der stark gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, haben wir zusätzliche Testkapazitäten rasch wieder in Betrieb genommen.“

Nicht nur beim Warten auf das Ergebnis, auch beim Test selbst kommt es immer wieder zu längeren Wartezeiten. Und nicht nur in Bethanien: Auch in der Arche an der Eichenstraße würden „jede Menge Menschen“ das Angebot des Anbieters Synlab nutzen. Das berichtet Pfarrer Joachim Römelt von der evangelischen Gemeinde Dorp, die die Arche an Synlab vermietet hat. Dort können ebenfalls kostenlose PCR-Tests gemacht werden, wenn die Kriterien der Stadt erfüllt sind.

Schnell- und PCR-Tests für Schüler

Bei den vorgeschriebenen Schnelltests verfahren die Schulen unterschiedlich. Das berichtete Oliver Vogt, Leiter Stadtdienst Schulen, im zuständigen Ausschuss auf Anfrage von Heike Krämer (Die Linke/Die Partei). Da das NRW-Schulministerium keine Festlegung getroffen habe, würden in einigen Schulen geimpfte Schülerinnen und Schüler mitgetestet, in anderen nicht. Von Grundschulen gebe es die Rückmeldung, dass sich die Ergebnisse der Lollitests mitunter verzögerten. Diese PCR-Tests werden im Labor ausgewertet. Auch Vogt kommt zum Schluss: „Offensichtlich sind einige Labore bei ihren Kapazitäten an den Grenzen.“

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