Krebsberatungsstelle

Patienten vermissen ihre Berater

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Diakonische Werke sollen neue Träger der Krebsberatungsstelle werden.

Von Axel Richter

Solingen. Bettina Schaeffer fühlte sich gut aufgehoben. Nach der Diagnose Krebs und der Operation im Remscheider Sana-Klinikum fand sie in der Krebsberatungsstelle im Gesundheitshaus im Remscheider Stadtteil Hasten Hilfe im Umgang mit Behörden und konnte mit der dort arbeitenden Psychoonkologin Mirjana Tegtmeyer „auch mal außerhalb der Familie ein Wort sprechen“. Doch das ist seit einiger Zeit Geschichte. Die Beratungsstelle ist geschlossen, und wer Mirjana Tegtmeyer anzurufen versucht, der wird „in dringenden Fällen“ an die Telefonseelsorge verwiesen.

Mit Corona hat beides zunächst nichts zu tun. „Der Trägerverein in Solingen möchte sich auflösen und die Krebsberatung in beiden Städten in eine neue Trägerschaft überführen“, berichtet Gesundheitsdezernent Thomas Neuhaus. Potenzielle Partner dazu sind die Diakonischen Werke der Kirchenkreise Lennep und Solingen. „Wir empfangen beide mit offenen Armen“, sagt Neuhaus.

Rückblick: Im Oktober 2019 hatte der von Solinger Ärzten und Krankenhäusern gegründete Verein Krebsberatung Solingen seine Aktivitäten auf Remscheid ausgedehnt. Fachberaterin Mirjana Tegtmeyer und ihre ehrenamtlichen Helferinnen kümmerten sich in ihren regelmäßigen Sprechstunden im Gesundheitsamt bald um bis zu 70 Patientinnen und Patienten. Die kamen nicht nur aus Remscheid, auch aus dem Rheinischen und Oberbergischen Kreis suchten Krebspatienten in der schwierigen Lebenssituation Rat und Hilfe in Remscheid.

Ende vergangenen Jahres deutete sich dann der Trägerwechsel an. Wie aus mehreren Quellen zu vernehmen ist, spielen persönliche Gründe dafür ebenso eine Rolle wie die Diskussion um eine mögliche Privatisierung des Klinikums Solingen. Im Frühjahr soll die Arbeit nun wieder aufgenommen werden. Vorausgesetzt, die beiden Diakonischen Werke werden sich einig, und das Konstrukt erweist sich als förderfähig.

„Wir empfangen beide mit offenen Armen.“
Thomas Neuhaus, Remscheider Gesundheitsdezernent

Obgleich Remscheid eine hohe Krebsrate aufweist, ist eine Krebsberatungsstelle keine Einrichtung, die die Kommune anbieten muss. Wer sie betreiben will, ist deshalb auf Fördermittel des Bundes und des Landes angewiesen.

Trotz noch einiger Unwägbarkeiten: Florian Schäfer, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Lennep, zeigt sich optimistisch, dass eine Einigung mit den Kollegen in Solingen gelingt und die Krebsberatung im Gesundheitshaus ihre Arbeit bald wieder aufnehmen kann. „Es ist uns wichtig, dass dieses Angebot in Remscheid bestehen bleibt“, sagt er, bittet zugleich aber um Geduld. „Ein, zwei Monate wird es noch dauern.“

Für den Remscheider Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Neveling ist die Einrichtung derweil nahezu unverzichtbar. „Wir arbeiten in Remscheid an einem stationären Hospiz, wir haben im Sana-Klinikum eine sehr gute Palliativmedizin. Da ist die Krebsberatungsstelle ein weiteres wichtiges Puzzlestein“, sagt er.

Bettina Schaeffer und viele andere Krebspatienten dürfen also auf eine Wiederöffnung hoffen. Das dann aber wohl ohne die von vielen geschätzte Psychoonkologin Mirjana Tegtmeyer. Laut Frank Neveling hat sie sich nach der Schließung der Beratungsstelle zwischenzeitlich erfolgreich wegbeworben.

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