Passfotos sollen digital ans Rathaus gehen

Bei Flic-Flac demonstriert Suzanne Bargheer Gluch (links) ihrer Kundin Anneliese Ryband die neuen digitalen Foto-Möglichkeiten. Foto: Christian Beier
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Bei Flic-Flac demonstriert Suzanne Bargheer Gluch (links) ihrer Kundin Anneliese Ryband die neuen digitalen Foto-Möglichkeiten.

Stadt Solingen ist seit gestern Pilot-Kommune des Bundes

Von Philipp Müller

Mit einem Stift fährt Susanne Claire Bargheer Gluch über den Bildschirm eines neuen Fotoautomaten im Fotostudio Flic-Flac. Das Foto einer Kundin wird mit Unterstützung modernster Software ganz leicht retuschiert. Wäre es ein Passbild mit biometrischen Anforderungen, würde es mehr Kontrast bekommen – und das Bild ginge als Datensatz direkt ans Rathaus, damit die Kundin einen neuen Personalausweis ohne ausgedrucktem Foto leichter beantragen kann.

So weit ist es aber in Solingen noch nicht – und in anderen Kommunen auch nicht. Als Partner des Bundesinnenministeriums ist die Stadt Solingen seit gestern Pilot-Kommune des Bundes für die digitalen Wege bei der Ausweiserstellung, berichtet Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU), der in seinem Ressort auch für das Einwohnermeldewesen zuständig ist.

„Es müssen hohe Hürden für die Sicherheit aufgestellt werden.“

Dirk Wagner, Stadt Solingen

Mit im Boot sitzt die IT-Abteilung der Stadt. Dirk Wagner erklärt, es gehe jetzt darum, die Wege zu bestimmen, wie sensible Daten sicher zwischen Antragstellung und Ausgabe des Passes übermittelt werden können. Einfach werde der Prozess aber nicht: „Es müssen hohe Hürden für die Sicherheit aufgestellt werden“, erklärt Wagner. Und im Prinzip muss alles im kommenden Jahr stehen, weil es das Onlinezugangsgesetz (| Kasten) verlangt.

Daher sei das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als Cyber-Sicherheitsbehörde des Bundes in die Entwicklung eingebunden. Jetzt zahle sich aus, dass Solingen bei der Entwicklung der Zukunft als „Smart City“ bereits eng mit dem Bund zusammenarbeite.

Zugleich müsse die Stadt aber auch für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen, sagt Wagner. Das heißt: Professionelle Fotografen für Passbilder sollen alle die Chancen auf einen Zugang zum System erhalten. Wenn Solingen das gut umsetzt, werden die Ergebnisse aus der Pilot-Kommune anderen Städten zur Verfügung gestellt. Am Ende des Prozesses soll stehen, dass ein etwa bei Flic-Flac gemachtes Passfoto direkt und nur im zuständigen Rechner im Rathaus landet, um von den Sachbearbeitern individuell für die neuen Pässe eingesetzt zu werden.

Waldemar Gluch, der Ehemann von Suzanne Claire Bargheer Gluch, verweist darauf, dass ihr Unternehmen für Fotoarbeiten mit 35 000 Euro für das Gerät eines Spezialisten aus Jena sehr viel Geld in die Hand genommen habe, um sich dem kommenden Wettbewerb frühzeitig zu stellen.

Die Foto-Software kann nachträglich sogar schminken

Doch Suzanne Claire Bargheer Gluch setzt die Maschine bereits jetzt ein. Und dafür gebe es gute Gründe. So kann die Fotobearbeitung auch „schminken“. Das habe sie früher vor den Kontaktbeschränkungen als gelernte Visagistin bei ihren Kundinnen selbst gemacht. „Das ist jetzt nicht unter Corona nicht so einfach erlaubt, da hilft das Programm, viel bessere Fotos zu machen.“ So habe sie zum Ziel, den Gesichtern einen gesünderen und frischeren Ausdruck zu verleihen. Es gehe nicht darum, alles zur „Beauty-Queen“ zu verunstalten. Denn gute Fotos seien ein wichtiges, wenn nicht zentrales Element bei Bewerbungen.

Insgesamt ist der Weg, auf hochprofessionelle Automaten zu setzen, auch die Chance für die Profis unter den Fotografen, sich der Konkurrenz der immer besser werdenden Smart Phones zu stellen. Die Digitalisierung stellt auch diese Branche zunehmend vor Herausforderungen.

Rathaus online

Wie das Bundesinnenministerium mitteilt, verpflichtet das „Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen“ Bund und Länder, ihre Verwaltungsleistungen bis Ende 2022 auch elektronisch über Verwaltungsportale anzubieten. Das umfasst in Solingen viele Bereiche. Jedoch kommt es zu Verzögerungen, weil Landes- oder Bundesgesetze neue Anforderungen stellen. Zudem brauchen die Bürger oft IT-taugliche Pässe.

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