Konzert „On Fire“

Panflöte bereitet das „Bang Bang“ aus Kill Bill vor

Michael Forster führte mit einer Moderation voller Humor und tiefer Ironie durch das Konzert „On Fire“ im Konzertsaal. Als Double von Uma Thurman aus Quentin Tarantinos Film-Duo Kill Bill setzte er mit der Panflöte zum James Last „The Lonely Sheperd“ einen Höhepunkt. Foto: Michael Schütz
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Michael Forster führte mit einer Moderation voller Humor und tiefer Ironie durch das Konzert „On Fire“ im Konzertsaal. Als Double von Uma Thurman aus Quentin Tarantinos Film-Duo Kill Bill setzte er mit der Panflöte mit „The Lonely Sheperd“ von James Last einen Höhepunkt.

Beim Konzert „On Fire“ tauchen die Bergischen Symphoniker tief in die Welt von Quentin Tarantino ein

Von Philipp Müller

Solingen. Mit einem dem Satz „Wir sind wieder da“ und einem nachgeschobenen „Wir freuen uns, euch zu sehen“ betritt Moderator Michael Forster die Bühne des großen Konzertsaals im Theater und Konzerthaus. Ein weiteres Konzert der Reihe „On Fire“ der Bergischen Symphoniker steht auf dem Programm. Es widmet sich ganz der Musik, die der Filmemacher Quentin Tarantino in seinen Werken eingesetzt hat.

Da gilt es zwei große Hürden zu meistern: Tarantino, Fan der 70er Jahre und der Italowestern, setzt von der Klassik bis zum seichten Pop aus den 70er Jahren eine sehr große Breite an Stücken ein.

„Wir sind wieder da und freuen uns, euch zu sehen.“

Michael Forster, Moderator

Die zweite Hürde ist schwerer zu nehmen. Tarantino zelebriert in seinen Filmen Gewalt so stark überzeichnet, dass die Brutalität, das Blut, die Kampfszenen zum absurden Comic werden – den das Publikum im Kino bei Popcorn genießt. Michael Forster und Miki Kekenj als musikalischer Leiter des Abends haben sich für den Humor entschieden, um das Genre und die Musik überhaupt aufführen zu können.

Und der Humor wird auch zum Comic. Forster steht plötzlich als Double von Uma Thurman aus „Kill Bill“ auf der Bühne. Gelber Hosenanzug, dicke Sonnenbrille, ein Samuraischwert im Gürtel, Schuhe mit hohen Plateau-Sohlen – und in der Hand eine Panflöte. Wird er sie spielen? Er wird. Es erklingt ein Stück vom Erfinder des „Happy-Sounds“ James Last. Zusammen mit Georghe Zamfir an der Panflöte wurde der einsame Hirte als „The Lonely Sheperd“ zum Welthit. Und zum Hit im Konzertsaal, es gibt frenetischen Applaus für die Comedy-Einlage.

Doch die Szene verdeutlicht auch die Idee des gesamten Konzerts. So scheinbar chaotisch Tarantino Szene an Szene reiht und dazu mit Musik die Gewalt romantisch verharmlost, in dem er die „unschuldigen“ Titel wild mischt, so verzichtbarer ist der logische Aufbau des Abends für Kekenj und Forster: Es geht um den Effekt.

Das zeigt sich schon zu Beginn. Aus dem Film „Inglourious Basterds“ – der Film über die Nazi-Zeit, der in einem flammenreichen Attentat auf Diktator Hitler gipfelt – erklingt „Rabbia e Tarantella“ von Ennio Morricone. Er hat unzähligen Italowestern die Musik geschenkt, Tarantino verehrt ihn. „On Fire“ hat dafür keine Zeit. Eine Leinwand geht herunter. Michael Forster als Vincent Vega und Miki Kekenj als Jules Winnfield spielen eine Autofahrt aus Pulp Fiction nach. Thema ist Corona, was das mit Musikern macht. Morden wollen sie zum Glück nicht. Und doch erklärt Forster dann auf der Bühne, worum es. Er bittet darum, die Augen zu schließen und mit dem Auto auf die Müngstener Brücke zu fahren, wie sonst der Zug. Ein Strauss-Walzer erklingt. „Jetzt stellen Sie sich vor, wie die Brücke in die Luft gesprengt wird und die Trümmer in Zeitlupe durch die Luft fliegen.“

Der Boden für die Revue ist bereitet. Das wirkt unorganisiert und trotzdem fantastisch, weil eben musikalisch so perfekt. Das Orchester ist um ein Rockmusik-Quartett verstärkt. Das schafft – Band und Symphoniker sind tonverstärkt – den Sound für die Solisten, die die Hits aus den Tarantino-Filmen präsentieren, überwiegend zu Kill Bill. Sängerin Lary haucht Nancy Sinatras „Bang Bang“ ins Mikro – Gänsehautfeeling entsteht. Im Film bereitet der Song auf das Schwertkampfmassaker vor. „Streetlife“ von Randy Crawfords aus „Jackie Brown“ wird zur orchestralen Disco-Nummer. Sänger Mic Donet hämmert Santa Esmeraldas „Don’t let me be misunderstood“ in den Saal. Das Orchester präsentiert Al Hirts „Bumblebee“ und die griechische Volksweise „Miserlou“ wuchtig und romantisch.

Die Zugabe passt zur Revue: Chaos ist Programm. Nichts von Tarantino. John Williams Hymne zu „Star Wars“ will die Besucher wie Kometen ins Solinger All verteilen. Gelingt nicht. Lary muss noch mal mit „Bang Bang“ ran. Aus. Raus.

„On Fire“-Termin

Das nächste „On Fire“ steht am 3. Dezember um 20 Uhr unter dem Titel „Swinging Christmas“. Miki Kekenj wird Songs von Interpreten wie Frank Sinatra, Dean Martin und Diana Krall im Stil großer USA-Shows arrangieren.

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