In der Pandemie auch aufs Herz achten

Prof. Dr. Hans Martin Hoffmeister an der Herzkatheter-Messplatzeinheit im Städtischen Klinikum. Archivfoto: Christian Beier
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Prof. Dr. Hans Martin Hoffmeister an der Herzkatheter-Messplatzeinheit im Städtischen Klinikum. Archivfoto: Christian Beier

Prof. Dr. Hans Martin Hoffmeister informiert zum Thema Herzschwäche

Das Gespräch führte Simone Theyßen-Speich

Warum sollte man auch oder gerade in der Corona-Pandemie auf sein Herz hören?

Prof. Dr. Hans Martin Hoffmeister: Es ist völlig klar, dass auch in der Corona-Krise das Risiko der Herzerkrankungen für die Menschen bestehen bleibt. Herz-Kreislauf-Probleme sind nicht nur mit die häufigsten Erkrankungen, sondern auch diejenigen, bei denen man bei einem schlechten Verlauf versterben kann. Wir haben seit Jahren in den Herzwochen bei Publikumsveranstaltungen wie dem „Forum Gesundheit“ Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt, damit Betroffene sich rechtzeitig melden und man rechtzeitig handeln kann, bevor etwas passiert. All das ist unverändert. Die Covid-19-Erkrankung kommt vielmehr noch dazu. Es ist eine Virusinfektion, die den Körper insgesamt belastet, damit auch das Herz-Kreislauf-System. Gerade für Patienten mit Vorschädigungen kommt noch eine weitere Belastung hinzu: Covid-19 kann auch den Herzmuskel schädigen. Zudem wurde eine Entzündung der Gefäßwände beschrieben. Die Betroffenen haben häufig Blutgerinnsel, die zum Beispiel zum Herzinfarkt führen können. Die kalte Jahreszeit, in der Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufiger sind, und Covid-19 sind also zusätzliche Gefahren für das Herz.

Das Schwerpunktthema der Herzwoche ist diesmal Herzschwäche: Welche Symptome deuten darauf hin?

Prof. Hoffmeister: Aufgabe des Herzens als Pumpe ist es, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Bei einem erwachsenen Mann sind das im Ruhezustand etwa fünf Liter pro Minute. Unter Belastung müssen im Körper sieben bis zehn Liter Blut pro Minute gepumpt werden. Wenn das Herz geschädigt ist, äußert sich das also als Pumpschwäche. Symptome sind eine geringere Belastbarkeit und schnelles Ermüden bei Belastungen. Betroffene haben schon beim Gehen in der Ebene oder bei wenigen Treppenstufen Luftnot. Geschwollene Knöchel mit Wasserablagerungen können auch ein Symptom sein.

Wie sollten die Symptome abgeklärt werden?

Prof. Hoffmeister: Wer merkt, dass er schlechter belastbar ist oder die genannten Symptome hat, sollte beim Arzt eine Anamnese machen und die Symptome genau abklären lassen. Bei der sogenannten Stadieneinteilung nach NYHA mit den Stufen 1 bis 4 wird das Ausmaß erfasst. Durch eine Untersuchung werden geschwollene Knöchel, Wassereinlagerungen etwa in der Lunge oder Bluthochdruck abgeklärt. Auch ein EKG oder ein Belastungs-EKG auf dem Rad wird oft vorgenommen, zudem im Labor Nieren- und Herzwerte abgeklärt. Nächste Schritte könnten ein Echo-Ultraschall des Herzens sein oder eine Herzkatheteruntersuchung, um zu sehen, ob eine Herzschwäche am Herzmuskel, ein Durchblutungsproblem in den Herzkranzgefäßen oder ein Herzklappenfehler vorliegt.

Welche Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung?

Prof. Hoffmeister: Wenn geklärt ist, welche Ursache hinter den Beschwerden steht, können Herzrhythmusstörungen oder Herzfehler behandelt werden. Dazu gehört, dass der Patient, wenn nötig, Gewicht reduziert. Je leichter, desto weniger muss das Herz pumpen. Geklärt werden muss auch, wie viel Salz und Flüssigkeit man pro Tag aufnehmen darf. Anders als früher empfohlen soll der Patient sich körperlich bewegen. Bewegung, etwa Spaziergänge oder in einer Herzsportgruppe, sind günstig bei Herzschwäche, weil die Kreislaufaktivitäten erhalten bleiben. Mit speziellen Medikamenten wie Wassertabletten gegen die Schwellungen oder Blutdruck-Medikamenten kann der Patient eingestellt werden. Interventionen mit Herzkatheter sind seltenere Maßnahmen. Die meisten Betroffenen kann man medikamentös behandeln.

Was empfehlen Sie in der Pandemie-Ausnahmezeit als präventive Maßnahmen?

Prof. Hoffmeister: Gewichtskontrolle, Bewegung, kontrollierte Salz-Flüssigkeit-Bilanz, all das gilt auch als Prävention – auch gegen Infektionen. Da gibt es Überschneidungen mit der Pandemie. Herzpatienten sollten aber gerade jetzt die AHA-Regeln besonders streng einhalten, um keinen Infekt zu bekommen, die Maske vielleicht auch da aufsetzen, wo sie nicht vorgeschrieben ist.

Patienten-Information

Zur Person: Prof. Dr. Hans Martin Hoffmeister ist Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Allgemeine Innere Medizin am Klinikum Solingen. Oft war er auch Referent beim „Forum Gesundheit“ zum Thema Herz.

Forum Gesundheit: Die Veranstaltung von Solinger Tageblatt und Klinikum kann pandemiebedingt derzeit nicht stattfinden. Das ST informiert, sobald wieder Veranstaltungen im Klinikum möglich sind.

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