Weihnachtsgeschäft

Paketdienste stocken Kapazitäten auf

Post-Mitarbeiter Bastian Faßbender hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun.
+
Post-Mitarbeiter Bastian Faßbender hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun.

Deutsche Post DHL und Hermes stellen sich auf gewaltige Zustellmengen ein.

Von Kristin Dowe

Solingen. Geschäftig belädt Bastian Faßbender, Mitarbeiter bei der Deutschen Post DHL, einen Lieferwagen am DHL-Zustellstützpunkt an der Schwertstraße mit Paketen. Dieser ist mit circa 50 Zustellern die größte Zweigstelle von insgesamt vier im Solinger Stadtgebiet. Bereits seit Beginn der Coronapandemie habe die Post vermehrt Mitarbeiter eingestellt, um das boomende Paketgeschäft zu meistern, teilt das Unternehmen mit. Das gelte auch für die reine Paketzustellung, die von den DHL-Paketzustellbasen aus koordiniert werde. Rund zehn Neueinstellungen habe es bereits zur „Entlastung im Starkverkehr“, wie die Post das Weihnachtsgeschäft auch nennt, gegeben.

„Meine Leute leisten seit Monaten Außergewöhnliches.“

Harry Kurz, Deutsche Post DHL

Insgesamt stellen 110 Kräfte der Post Brief- und Paketsendungen im Verbund zu. An den Zustellstützpunkten sortieren die Mitarbeiter die Briefe und Paketsendungen für ihren jeweiligen Bezirk und starten von dort aus ihre Tour. Die Auswirkungen der Coronapandemie spüre man am Versandverhalten der Kunden deutlich, beobachtet Harry Kurz, Leiter der Solinger Zustellstützpunkte. „Die Steigerung der Paketmenge im Starkverkehr für den einzelnen Zusteller liegt derzeit bereits bei 20 Prozent“, so Kurz. „Seit Monaten leisten meine Leute Außergewöhnliches und machen einen tollen Job.“

Bis Weihnachten arbeiten die Teams unter Volllast – bundesweit erwartet die Post für das Coronajahr 2020 einen Jahresrekord von 1,8 Milliarden Paketen. Zwar sinke tendenziell die Briefmenge – das zeige sich auch in Solingen – doch sei aller Digitalisierung zum Trotz gerade in der Weihnachtszeit ein Trend zu beobachten: die Rückkehr zum persönlichen und handgeschriebenen Gruß.

Was verschickt wird, darüber kann Post-Sprecherin Jessica Balleer aufgrund des Postgeheimnisses nur vage Aussagen treffen: „Von außen erkennbar ist, dass seit dem ersten Lockdown im Frühjahr immer mehr Waren für den alltäglichen Bedarf verschickt werden. Getränke, Lebensmittel, Tiernahrung, Möbel, Brennholz, Zement, aber auch Fitness- oder Gartengeräte. Richtung Weihnachten ist dann der einzige rote Faden, dass es verhältnismäßig viel ist.“

Reger Betrieb herrscht auch in den 26 Paketshops des Paketzulieferers Hermes in Solingen, der ebenfalls „deutliche Mehrmengen“ verzeichne, wie das Unternehmen auf Nachfrage mitteilt. Das Weihnachtsgeschäft laufe bereits auf Hochtouren – im Zeitraum von Oktober bis Dezember rechne man bundesweit mit 120 Millionen Sendungen, berichtet ein Sprecher. „Damit stellen wir pro Woche etwa 10 Millionen Pakete zu. In manchen Wochen wird der Spitzenwert voraussichtlich sogar bei 12 Millionen liegen.“ Insgesamt geht das Unternehmen von einem Plus von rund 20 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum von Oktober bis Dezember 2019 aus. Aufgrund „sehr präziser Mengenprognosen“, so heißt es bei Hermes, sei man auf darauf gut vorbereitet.

Auch Hermes verzeichnet hohes Paketaufkommen

„Unsere Sortierkapazität wurde um 30 Prozent erhöht, und es sind 3500 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 3900 zusätzliche Fahrzeuge für Hermes im Einsatz“, so der Sprecher weiter. „Zudem unterstützen zahlreiche digitale Tools die Zusteller bei ihrer täglichen Arbeit und tragen dazu bei, dass wir das hohe Sendungsaufkommen gut bewältigen.“

Zur Personalentwicklung in den einzelnen Pakektshops könne Hermes dagegen keine Angaben machen, heißt es aus der Pressestelle – es handele sich bei ihnen zu hundert Prozent um eigenständige Unternehmen.

Infektionsschutz

Die Deutsche Post DHL appelliert an ihre Kunden, den Abstand einzuhalten, wenn ein Zusteller ihnen ein Paket bringt. Aufgrund der Schutzmaßnahmen gegen Corona arbeiten die Zustellkräfte im Schichtbetrieb. Die Betriebsstätten seien zudem mit Mund-Nasen-Masken und Desinfektionsmitteln ausgestattet.

Pro: Onlinehandel bietet Risikogruppen Sicherheit

Von Kristin Dowe

Bei aller Kritik am Onlinehandel als Bedrohung für die stationären Geschäfte bietet er in der Coronazeit einen wesentlichen Vorteil: Der Einkauf ist im Hinblick auf mögliche Ansteckungsrisiken vergleichsweise sicher. Gerade für Risikopatienten dürfte es eine willkommene Alternative sein, auch Lebensmittel für den täglichen Bedarf notfalls im Internet bestellen zu können, ohne vor Weihnachten durch volle Supermärkte schieben zu müssen. Zudem punkten viele Versandhändler mit einer gewaltigen Auswahl, den der stationäre Einzelhandel so nicht bieten kann. Man kann den Trend zum Online-Kauf bejubeln oder verfluchen – aufhalten lässt er sich nicht.

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Viele stationäre Händler setzen deshalb auch auf Online-Shops, um ihren Kunden mit kombinierten Geschäftsmodellen den besten Service bieten zu können. Hier sind kreative Ideen gefragt, die nicht unbedingt zum Nachteil des stationären Einzelhandels sein müssen. Im Übrigen gibt es auch im Netz innovative und nachhaltig arbeitende Unternehmen, die Erfolg verdienen. Um es mit einer Koryphäe des Versandhandels, Carl-Josef Neckermann, zu sagen: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

Contra: Ein Zeichen der Solidarität 

Von Simone Theyßen-Speich

Die Zeiten, in denen der Weihnachtsmann die Geschenke mit seinem Rentierschlitten gebracht hat, sind offensichtlich vorbei. Heute ist es der Paketbote, der schwer beladen, abgehetzt und völlig gestresst die Kartons ablädt. Die Päckchen und Pakete werden von Jahr zu Jahr mehr – und damit auch die mit Zusteller-Kastenwagen zugeparkten Straßen und der Verpackungsmüll in den blauen Tonnen. Dass man ein ausgefallenes Spezial-Ersatzteil irgendwo in der Welt bestellen muss, wenn man es braucht – geschenkt!

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Aber Bücher für das kommende Weihnachtsfest, wenn es in der Stadt doch eine Handvoll bestens sortierter Buchhandlungen gibt? Elektronik-Artikel, statt sie beim Händler vor Ort zu kaufen? Oder gar Lebensmittel anliefern lassen, obwohl der nächste Einzelhändler nicht weit ist? Wer alles nur noch vom bequemen Sofa aus online bestellt und den Paketboten schleppen lässt, der muss sich über Leerstände und das Sterben des Handels nicht wundern. Gerade jetzt, wo die Geschäfte coronabedingt ohnehin gebeutelt sind, sollte der Einkauf vor Ort ein Zeichen der Solidarität mit unserer Stadt sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Inzidenzstufe 3 wird ausgesetzt - Impfzentrum am 2. und 3. August geschlossen
Corona: Inzidenzstufe 3 wird ausgesetzt - Impfzentrum am 2. und 3. August geschlossen
Corona: Inzidenzstufe 3 wird ausgesetzt - Impfzentrum am 2. und 3. August geschlossen
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Radfahrer bei Zusammenstoß mit geparktem Fahrzeug lebensgefährlich verletzt
Katastrophe trifft gesamtes Stadtgebiet - Anwohner hadern weiter mit Schäden
Katastrophe trifft gesamtes Stadtgebiet - Anwohner hadern weiter mit Schäden
Katastrophe trifft gesamtes Stadtgebiet - Anwohner hadern weiter mit Schäden
Brückensteig-Macher melden mehr als 6000 Buchungen
Brückensteig-Macher melden mehr als 6000 Buchungen
Brückensteig-Macher melden mehr als 6000 Buchungen

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare