Packender Thriller zeichnet apokalyptische Welt ohne Strom

Fast hektisch agierten die Schauspieler in „Blackout“ auf dem umbaubaren Aluminiumgerüst. Foto: Volker Beushausen
+
Fast hektisch agierten die Schauspieler in „Blackout“ auf dem umbaubaren Aluminiumgerüst. Foto: Volker Beushausen

Westfälisches Landestheater spielte „Blackout“

Von Jutta Schreiber-Lenz

Der Beifall am Schluss für „Blackout“ hätte durchaus noch lauter sein können. Dass er das nicht war, war wohl dem Thema des Stückes geschuldet – und der dichten und packenden Inszenierung des Westfälischen Landestheaters am Samstagabend im Theater und Konzerthaus. Das Ensemble hat den Thriller aus der Feder von Marc Elsberg für die Bühne adaptiert. Die Begeisterung für intensive Schauspielkunst, cleveres Bühnenbild, durchdachte Lichttechnik und den gelungenen Mix mit eingeblendeten Videoclips blieb dem Auditorium angesichts der apokalyptischen Atmosphäre des Stückes beim Applaudieren wohl als Kloß im Hals stecken.

„Der Mensch ist erst bereit, seine liebgewonnenen Gewohnheiten zu ändern, wenn die Katastrophe unmittelbar vor seiner Haustür steht“, stand als aus dem Off gesprochenes Fazit am Ende im Raum. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie saß diese Botschaft. Verbunden mit der Frage, ob es deshalb moralisch berechtigt ist, unzählige Tote und Verletzte in Kauf zu nehmen, um die Menschheit an diesen „Umkehrpunkt“ zu bringen.

Videosequenzen gleichen die radikale Kürzung der Vorlage aus

Dass die rund 300 Zuschauer erstmalig seit der Wiedereröffnung des Theaters auch am Platz Maske tragen mussten, passte zur bedrückenden Stimmung von „Blackout“. Gefühlt verdunkelte es den gesamten Theaterabend. Passenderweise. Denn im Stück ging es unter anderem buchstäblich um Lichter, die aufgrund eines weltweiten Stromausfalls nicht mehr angingen. Ein Terroranschlag auf das deutsche Stromnetz löst eine gewaltige Kettenreaktion aus. Kliniken, Firmen, Fabriken, Schulen, der Schienenverkehr und Kernreaktoren sind innerhalb kürzester Zeit funktionsunfähig. Auch hygienische Standards sind deshalb nicht mehr zu halten. Im freien Fall rauschen die Menschen zurück ins Mittelalter.

Packend zeigte der Thriller die Jagd nach den verbrecherischen Verantwortlichen. Das Stück kam temporeich, nachdenklich, mahnend daher. Die Spieler agierten fast hektisch auf und mit umbaubaren Aluminiumgerüsten als Labyrinth-Kulisse. An sie wurden immer wieder Augenzeugenberichte der Katastrophen als Video projiziert. Die Sequenzen waren ruhige Momente in der turbulenten Hektik und glichen die radikale Kürzung der 800-seitigen Romanvorlage aus. Handlungsstränge wurden nachgeliefert, die in der hastigen Suche nach den Tätern kaum darstellbar gewesen wären.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Corona: Solingen weiter mit landesweit höchsten Wert - Impfaktion wird wiederholt
Corona: Solingen weiter mit landesweit höchsten Wert - Impfaktion wird wiederholt
Corona: Solingen weiter mit landesweit höchsten Wert - Impfaktion wird wiederholt
Verkehrsunfall in Ohligs: Polizei sucht Zeugen
Verkehrsunfall in Ohligs: Polizei sucht Zeugen
Verkehrsunfall in Ohligs: Polizei sucht Zeugen
City 2030 bekommt durch Landesmittel einen Schub
City 2030 bekommt durch Landesmittel einen Schub
City 2030 bekommt durch Landesmittel einen Schub

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare