80. Geburtstag

Orientalische Musik eröffnet ihm neue Horizonte

Der Solinger Dr. Jan Reichow, pensionierter Musikredakteur und Geiger, vor seiner umfangreichen Musiksammlung. Foto: Michael Schütz
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Der Solinger Dr. Jan Reichow, pensionierter Musikredakteur und Geiger, vor seiner umfangreichen Musiksammlung.

Der pensionierte Rundfunk-Redakteur und Geiger Dr. Jan Reichow wird 80.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Dass die Corona-Pandemie eine große Feier mit der Familie, vielen Freunden und Weggefährten nicht zulässt, findet Dr. Jan Reichow gar nicht schlimm. Sein Ding seien solche großen Feste sowieso nicht, verrät der promovierte Musikwissenschaftler, ehemaliger Rundfunk-Musikredakteur und Geiger. Statt Party-Small-Talk bevorzugt der eloquente Mann „richtige Gespräche“, wie er sagt. Und die könne er am besten zu zweit, maximal zu dritt führen, sonst zerfasere die Unterhaltung, ginge nicht in die Tiefe und plätschere nur an die Oberfläche dahin. In diesen Tagen ist Reichow 80 Jahre alt geworden.

Schade für jeden, der die Gelegenheit zu einem Dialog mit Reichow nicht bekommt, denn das Musikwissen des Wahl-Solingers, der seiner Frau vor mehr als 50 Jahren in deren Heimatstadt gefolgt war, scheint grenzenlos. Kein Wunder, schließlich hat er als Sohn eines Kapellmeisters die Welt der Töne und Klänge von klein auf eingeatmet – Noten und Instrumente gehören so selbstverständlich in sein Leben wie ein Herd oder ein Esstisch. Auch seine beiden Kinder (1966 und 1971 geboren) lernten Klavierspielen wie lesen, rechnen oder schreiben.

Nach der Flucht aus dem ostdeutschen Greifswald erst in Lohe bei Bad Oeynhausen und später in Bielefeld aufgewachsen, war für Jan Reichow früh völlig klar, dass er seine Geigen-Fertigkeiten in einem Studium verbessern und verfeinern wollte. Dazu gesellte sich, zunächst an der Universität von Berlin, Schulmusik als Fach, später in Köln kamen noch Musikwissenschaften, Philosophie und Völkerkunde hinzu. „Ein Gebiet greift ins andere“, erklärt Reichow seinen Wissenshunger und ist bis heute von der Komplexität des Themas „Musik“ fasziniert. So sehr, dass er auch unbedarfte Zuhörer fesselt, Neugierde und Lust weckt, mehr zu erfahren. Dann, wenn er zum Beispiel auf sein Steckenpferd kommt: alte Musik sowie die Musikkulturen Asiens und Afrikas.

Eine Orient-Tournee mit dem Kammerorchester Kehr von Casablanca bis Kabul hatte ihn Ende der 60er Jahre „angefixt“: Die Begegnung mit dieser, für europäische Ohren zunächst befremdlich klingenden Musik, die nicht unsere Mehrstimmigkeit kennt, sondern einzelne Töne zelebriert, in die Länge zieht und wirken lässt, eröffnete ihm neue Horizonte. Eine wichtige Erkenntnis der damaligen Lebensphase sei gewesen, dass europäische Musik weltweit die Ausnahme ist im Vergleich zu der Musik der vielen Völker auf anderen Kontinenten.

Wieder zurück in Köln, wechselte Reichow die Studienrichtung von historischer Musikwissenschaft zu Musikethnologie.

Aufnahmereisen führten ihn nach Afghanistan, Bagdad oder Sri Lanka

Der freien Mitarbeit beim Westdeutschen Rundfunk folgte ein paar Jahre später eine Festanstellung. Aufnahmereisen nach Afghanistan, Bagdad oder Sri Lanka schlossen sich an. Als Abteilungsleiter zeichnete er für Konzerte oder Weltmusikfestivals mit außereuropäischer Musik verantwortlich. Reichow lebte dafür, diese „ungewöhnliche“ Musik zu erklären, sie zum Beispiel Bach’schen Klängen zur Erläuterung gegenüber zu stellen und die Ohren seiner Hörer zu schulen.

Zahlreiche CD-Aufnahmen hat er mit erklärenden Texten versehen – nicht nur solche mit orientalischer, asiatischer oder afrikanischer Musik, Reichow hält auch viel von den Größen seiner Kultur. Nach wie vor musiziert er regelmäßig mit Solinger Musiker-Kollegen.

Zur Person

Dr. Jan Reichow, geboren am 6. Dezember 1940 in Greifswald, wurde 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für seinen außergewöhnlichen Beitrag zu Völkerverständigung und Kulturaustausch ausgezeichnet. 2005 bekam er den deutschen Weltmusikpreis „Ehren-Ruth“ beim Rudolstadt-Festival.

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