Beeindruckende Bilanz

Orchester-Akademie steht für 20 Jahre Talentschmiede

Im Probenraum Am Bruch bereiten sich die Symphoniker mit Generalmusikdirektor Daniel Huppert derzeit auf das Konzert vor. Foto: Roland Keusch
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Im Probenraum Am Bruch bereiten sich die Symphoniker mit Generalmusikdirektor Daniel Huppert derzeit auf das Konzert vor.

Der Verein bildet Stipendiaten aus und integriert sie in die Arbeit der Bergischen Symphoniker. Das Kuratorium ist dabei ein wichtiger Berater.

Von Philipp Müller

Die Bilanz der Orchester-Akademie der vergangenen 20 Jahre ist beeindruckend: Rund 130 Stipendiaten durchliefen die „Talentschmiede“ bei den Bergischen Symphonikern.

Tilla Clüsserath, Shino Nakai und Llanos Sainz freuen sich mit Kuratoriumsmitglied Harald Lux (v. r.) auf ein spannendes Konzert.

Darunter allein 20 Dirigentinnen. Das Angebot, ihnen Praxis in einem Profiorchester zu bieten, war 1999 der Ausgangspunkt für die Gründung des Vereins. Federführend war daran die damalige Generalmusikdirektorin Romely Pfund beteiligt. Beim Geburtstagskonzert unter dem Motto „Wir gratulieren!“ im Konzertsaal sind konsequent mit Bar Avni und Silke Löhr ehemalige Stipendiatinnen am Pult zu erleben. Auch der neue GMD Daniel Huppert greift zum Taktstock. Dienstag, 22. Oktober, erklingt ab 19.30 Uhr Musik von Beethoven, Schubert, Strauß und Bizet.

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Mit Hilfe des Kuratoriums der Akademie konnten aber auch Stellen für Instrumental-Solisten geschaffen werden. Sieben ehemalige Stipendiaten sind heute zum fester Bestandteil des Ensembles der Bergischen Symphoniker. Andere Absolventen hätten in der Folge Engagements als freischaffende Musiker, berichtet die Geschäftsführerin der Akademie, Tilla Clüsserath. Andere gelangen aber nicht in den Profibereich der Orchester, erzählt Akademie-Vorstand Christian Kirchner, der auch Mitglied der Symphoniker ist.

Die Stipendiaten befänden sich oft am Ende der Ausbildung und stellten im Praxisjahr im Orchester fest, dass dieser Beruf nichts für sie ist, erzählt Kirchner. Auch dafür sei das Angebot der Akademie wichtig. Nicht zu unterschätzen sei aber auch der Faktor, dass viele der Stipendiaten zurück in ihre Heimatländer gehen würden. Man versuche, auch weiterhin in Kontakt mit den Absolventen des Praxisjahrs zu bleiben, berichtet Almuth Wiesemann vom Vorstand der Akademie. Zudem führe der Weg die jungen Musiker oft auch an Musikschulen und nicht in die Welt der Orchester.

Shino Nakai, ehemalige Stipendiatin und heute Teil der 2. Violinen des Orchesters, betont, man bekomme im Praxisjahr Abläufe mit, „die man im Studium nicht lernt“. So sei sie verwundert gewesen, dass es oft nur zwei Proben gibt. Für Llanos Sainz, ebenfalls Akademie-Absolventin, war es eine wichtige Erfahrung, dass man lernen müsse, „auch menschlich gut mit den anderen Musikern zusammenzuarbeiten“. Das habe ihr geholfen, offener zu werden. Sie arbeitet heute als freie Musikerin.

Es geht nicht nur um die finanzielle Unterstützung

Harald Lux von den Remscheider Orchesterfreunden betont, dass es den meisten Kuratoriumsmitgliedern nicht nur um die fachliche und finanzielle Unterstützung der Arbeit geht. Für ihn selbst, aber auch für andere, gelte: „Wenn man ein gutes Leben führt, kann man auch etwas zurückgeben.“

Die von 1999 bis 2009 amtierende Generalmusikdirektorin Romely Pfund hatte im ST-Interview betont, dass die Ausbildung in der Akademie durchaus auch vor dem Hintergrund zu sehen sei, dass man Nachwuchs finden müsse. Mit sieben heutigen Symphonikern sei das dann eben auch eine große Erfolgsgeschichte.

Besonders stolz ist die Mitgründerin der Akademie darauf, dass das Modell des vom Land NRW unterstützten (siehe Kasten) Stipendiums für die jungen Dirigentinnen immer noch existiert. Denn es zeichneten sich inzwischen richtig spektakuläre Erfolge ab: „Mirga Grazinyte-Tyla war Akademistin und ist Chefdirigentin des Birmingham-Orchesters – eine schwindelerregende Karriere.“ Und sie verweist auf Joana Mallwitz, die jetzt als GMD beim Staatstheater Nürnberg begonnen hat.

20 JAHRE ORCHESTER-AKADEMIE

AUFGABE Die Akademie der Bergischen Symphoniker ist eine Weiterbildungseinrichtung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, jungen Musikern durch die Vergabe von Stipendien die Voraussetzung zu schaffen, während eines einjährigen Praktikums Erfahrungen in einem Profiorchester zu sammeln.

ORGANISATION Die Akademie wurde 1999 als Verein gegründet. Die Verwaltung der Akademie und die Betreuung der Auszubildenden werden von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern der Bergischen Symphoniker durchgeführt.

STIPENDIUM Dirigentinnen werden für ein Jahr vom Land NRW mit 800 Euro monatlich unterstützt. Spenden ermöglichen weitere Akademieplätze für Instrumentalisten.

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