Corona-Pandemie

Omikron sorgt für zahlreiche Ausfälle in Schulen und Kliniken

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Mit weißen Fahnen aus den Fenstern – in den Schulen, wie hier am Rosenkamp – setzt man ein Zeichen gegen die Teststrategie.

Vor allem Schulen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen beklagen Infektionen oder Quarantänen.

Von Björn Boch, Kristin Dowe und Simone Theyßen-Speich

Solingen. Die durch Omikron verursachten Ausfälle in der kritischen Infrastruktur der Klingenstadt häufen sich – vor allem im Gesundheitswesen. Das erklärt Prof. Winfried Randerath, Chef der Lungenfachklinik Bethanien, auf Tageblatt-Anfrage. „Die Zahl der Mitarbeiter, die selbst oder über Angehörige betroffen sind, beschäftigt uns sehr. Das ist für alle vor Ort ein reales Problem.“

Randerath betont, er höre das nicht nur aus den Krankenhäusern, sondern auch aus der mobilen und stationären Pflege oder vom Rettungsdienst. Als gefährlich empfindet er die bundesweite Diskussion, Corona-Beschränkungen zu lockern oder aufzuheben. Die Entwicklung der Omikron-Fälle hinke anderen Ländern hinterher, außerdem sei die Impfquote schlechter. Die Lage habe sich keineswegs beruhigt.

Aktuelle Infos zur Corona-Situation in Solingen.

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen seien die Fallzahlen sehr hoch – was dazu führe, dass Eltern zur Betreuung zu Hause bleiben müssten. Dazu kämen die Schwierigkeiten bei der Erfassung der Fallzahlen – und die Tatsache, dass bei Verdachtsfällen oft zunächst ein Bürgertest gemacht werden müsse statt eines PCR-Tests. So blieben Fälle unentdeckt.

Wir müssen das sehr, sehr ernst nehmen. Im Moment nehmen wir es zu wenig ernst.

Prof. Winfried Randerath, Chefarzt
Auf den Intensivstationen, wie hier in Bethanien, ist das Personal seit zwei Jahren im Corona-Dauereinsatz.

Omikron sei zwar in der Tat nicht ganz so gefährlich wie die Delta-Variante – aber keinesfalls ungefährlich. Die Zahl der Patienten auf den Infektionsstationen nehme zu, auch auf den Intensivstationen gebe es Omikron-Fälle. „Wir müssen das sehr, sehr ernst nehmen. Im Moment nehmen wir es zu wenig ernst“, so Randerath.

In den Schulen und Kitas ist die Corona-Lage besonders ernst. Am Freitag lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei den 5- bis 9-Jährigen bei 5041, bei den 10- bis 14-Jährigen bei 4231. Dementsprechend viele Schüler und Lehrer sind als Infizierte – oder bei den noch nicht geboosterten Schülern als Kontaktpersonen – in Quarantäne. „Die Fallzahlen in den Schulen steigen rapide, wir sind am Limit“, so Dirk Bortmann von der Lehrergewerkschaft GEW. „Auch die Ergebnisse der Selbsttests sind längst nicht so zuverlässig wie ein PCR-Test, so dass es regelmäßig zu komplett negativen Testergebnissen in einer Klasse trotz vorherigem positiven Pool-Ergebnis kommt. Das bedeutet, dass diese Kinder den ganzen Schultag gemeinsam mit einer potenziell positiven Person im Raum sitzen.“

So ist die Lage in den Solinger Krankenhäusern

Im Städtischen Klinikum sei die Situation angespannt, aber beherrschbar, so Sprecherin Karin Morawietz. Die Auslastung auf den regulären Stationen, der Infektionsstation und den Intensivstationen sei hoch. Fallen Mitarbeiter aus, handele es sich weniger um Infektionsfälle – derzeit seien 39 von 1900 Beschäftigten in Quarantäne – sondern um Beschäftigte, die wegen Betreuung ausfielen, zum Beispiel bei schulpflichtigen Kindern. „Denjenigen, die im Dienst sind, verlangt es mehr Flexibilität ab. Die Situation ist für alle Berufsgruppen gleichermaßen belastend.“

Ähnlich ist auch die Situation in der St. Lukas Klinik. „Derzeit sind 26 Mitarbeitende über alle Berufsgruppen coronabedingt nicht im Einsatz. Das heißt nicht, dass 26 positiv getestet sind, es kommen eigene oder Quarantänen und Betreuungsausfälle von Kindern dazu. Aber wir können diese Ausfälle kompensieren und sind arbeitsfähig“, so Kplus-Sprecherin Cerstin Tschirner. Während man im Krankenhaus die Zahl der Patienten etwas steuern und eventuell Behandlungen medizinisch vertretbar verschieben könne, sei das in den Pflegeheimen keine Option. „Im St. Joseph Altenheim sind derzeit sechs Mitarbeitende in Quarantäne, im St. Lukas Pflegeheim gibt es noch keine corona-bedingten Ausfälle.“

Auch in den Pflegeeinrichtungen in Bethanien könne man die Ausfälle derzeit noch kompensieren. „Teilweise kommen Kollegen zurück, obwohl sie frei haben, oder verschieben geplante Urlaube“, so Bethanien-Sprecher Robert Sopella. Mehr als tatsächliche Infektionen machten auch dort die kurzfristigen Quarantäne-Ausfälle zu schaffen.

Nach Corona-Erkrankung: Patricia Kelly bedankt sich bei Bethanien-Team in Solingen

Bei Feuerwehr und Polizei gibt es nicht zu viele Ausfälle

Bei der Feuerwehr hat sich die Situation entspannt, seit Geboosterte nicht mehr in Quarantäne müssen.

Derweil halten sich personelle Ausfälle durch die Omikron-Variante bei der Polizei in Grenzen, berichtet Sprecherin Hanna Meckmann. Bislang habe es nur sehr wenige Krankheitsfälle gegeben. „Unser oberstes Ziel ist, die Einsatzfähigkeit zu erhalten.“ Damit dies gelingt, setzt die Polizei auf ein strenges Hygienekonzept, das unter anderem vorsieht, Kontakte zwischen Beamten so weit wie möglich zu reduzieren.

Bei der Feuerwehr Solingen habe sich die Situation entspannt, seitdem für geimpfte und geboosterte Kontaktpersonen keine Quarantänepflicht mehr besteht, erklärt Feuerwehrchef Dr. Ottmar Müller. Als diese Regelung noch bestand, seien einmal zeitgleich zehn Mitarbeiter einer Wachabteilung der Berufsfeuerwehr ausgefallen. „Die Wachabteilung konnte diese Ausfälle durch Dienstplanänderung kompensieren“, sagt Müller. Insgesamt griffen die umfangreichen Schutzmaßnahmen bislang recht gut.

Erläuterung

Aufgrund einer Software-Aktualisierung hat das Gesundheitsamt derzeit Rückstand bei der Erfassung der Corona-Neuinfektionen. Die Zahlen sind vermutlich zu niedrig und werden wohl erst kommende Woche wieder ein realistisches Bild der tatsächlichen Infektionslage zeigen, so die Stadt.

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