Auftritt in der Cobra

Oliver Pocher wirft einen gnadenlosen Blick auf soziale Medien

Oliver Pocher nahm Beiträge aus den sozialen Medien unter die Lupe. Viele Gags trafen unterhalb der Gürtellinie. Foto:
+
Oliver Pocher nahm Beiträge aus den sozialen Medien unter die Lupe. Viele Gags trafen unterhalb der Gürtellinie.

„Schonungslos – durchgeklickt“ lockte zahlreiche Zuschauer in die Cobra – Mola Adebisi ging als Einheizer voran.

Von Moriz Berger

Solingen. Es ist das Gefühl freudiger Erwartung, das sich an diesem Abend in der fast restlos besetzten Cobra spüren lässt. Freudige Erwartung auf das, was Oliver Pocher in seinem Programm versprochen hat: Einen schonungslosen Blick auf Social Media und dessen Erzeugnisse, die täglich über den Äther geschickt werden.

Viele Zuschauerinnen und Zuschauer warteten bereits seit April 2020 auf diese Show, die nun am Donnerstag nachgeholt werden konnte. Zu Beginn betrat – zur Überraschung aller – jedoch nicht Oliver Pocher die Bühne, sondern dessen Freund Mola Adebisi vor. Der Solinger verstand es als seine Aufgabe, das Publikum einzuheizen und für gute Stimmung zu sorgen, so dass der Komiker im Anschluss euphorisch begrüßt wurde.

Dabei wurde gleich deutlich, dass Oliver Pocher keine Anstalten macht, seinen teils bitterbösen Humor zu verbergen. So waren die folgenden zwei Stunden eine wilde Reihung von Beiträgen und lustigen Videos aus den sozialen Netzwerken, die Pocher – wie der Name seines Programms „Schonungslos – durchgeklickt“ verspricht – in einer gnadenlosen Weise kommentiert und damit viele Lacher im Publikum einheimst. Dabei gehen seine Witze nicht selten unter die Gürtellinie. Immer wieder gibt es auch Gags auf Kosten anderer. Ebenso wie Pocher über Kai Pflaumes „Berufsjugendlichkeit“ lästert, sich über Dieter Bohlen oder Armin Laschet amüsiert, macht er auch vor seinem „Lieblingsfeind“ Michael Wendler keinen Halt. Der in Verschwörungserzählungen abgedriftete Schlagersänger sei „schizophren“, witzelt Pocher mit Blick auf ein Video, stellt Logikfragen zu dessen Inszenierungen und nimmt Wendlers Songtexte wörtlich.

Gleichzeitig bindet der Entertainer auch das Publikum in seine Show mit ein. Vor diesem Hintergrund zitiert Oliver Pocher eine junge Frau auf die Bühne, die Erfahrungen mit Dating-Apps gemacht hat und lässt sich ihr Handy geben. Für alle im Saal sichtbar, schreibt Pocher nun in ihrem Namen wahllos fremde Männer mit anzüglichen Sprüchen an. Ein Zuschauer kommentiert die Aktion mit den Worten: „Das ist echt Hardcore“.

Zudem streut Pocher immer wieder Anspielungen ein, die sich nur erschließen, wenn man Reality-Fernsehen schaut und die dazugehörigen Protagonisten kennt. Gleichzeitig stellt der Komiker Tänze aus Internetvideos nach, imitiert die Auftritte von Boybands und performt zum Schluss gemeinsam mit Mola Adebisi einen eigenen Hip-Hop-Song. Das Publikum ist begeistert, wenngleich auch kritisch bemerkt wird: „Manchmal kippt es ins Asoziale.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Getanzter Heiratsantrag auf dem Mühlenplatz
Getanzter Heiratsantrag auf dem Mühlenplatz
Getanzter Heiratsantrag auf dem Mühlenplatz
Trend zum Selbermachen: Wenn Wertloses wertvoll wird
Trend zum Selbermachen: Wenn Wertloses wertvoll wird
Trend zum Selbermachen: Wenn Wertloses wertvoll wird
„Armut ist eines der Hauptprobleme“
„Armut ist eines der Hauptprobleme“
„Armut ist eines der Hauptprobleme“
Welche Kreuzung suchen wir heute?
Welche Kreuzung suchen wir heute?
Welche Kreuzung suchen wir heute?

Kommentare