Hitze

Jobs im Freien: Ohne Wasser und Sonnencreme läuft nichts

Patrick Küpper (l.) und Jan Riemann von der Firma Monheimius müssen trotz 36 Grad die Bordstein- und Pflasterarbeiten an der Löhdorfer Straße größtenteils ohne die Hilfe von Maschinen erledigen. Foto: Michael Schütz
+
Patrick Küpper (l.) und Jan Riemann von der Firma Monheimius müssen trotz 36 Grad die Bordstein- und Pflasterarbeiten an der Löhdorfer Straße größtenteils ohne die Hilfe von Maschinen erledigen.

Straßenbauern, Dachdeckern und Co. wird bei der aktuellen Hitze viel abverlangt.

Von Timo Lemmer

Solingen. 36 Grad und es wird noch heißer: Schon am Vormittag ist es am Montag in der Sonne auf der Löhdorfer Straße nicht gut auszuhalten. Die 36 Grad sind zwar auf dem Thermostat noch nicht erreicht, es fühlt sich aber zweifelsohne schon danach an. An den Maschinen aber, die aktuell ungefähr auf Höhe von Hausnummer 52 ihren Dienst verrichten, sind die 36 Grad vermutlich schon längst geknackt. Am Arbeitsplatz von Patrick Küpper und den anderen Mitarbeitern von Straßen- und Tiefbau Monheimius ist alles noch viel intensiver. Das Solinger Unternehmen ist hier gerade dabei, den Gehweg-Endausbau zu bewerkstelligen.

„Die Bordstein- und Pflasterarbeiten, die hier aktuell durchgeführt werden, sind bei dem Wetter sehr fordernd“, weiß Tobias Monheimius, der in der Firma mit rund drei Dutzend Mitarbeitern Bauleiter ist. „Es kann wenig mit Maschinen gearbeitet werden, es muss viel geschleppt werden. Die Tätigkeit ist also sehr körperlich und daher besonders anstrengend.“ Und ausgerechnet jetzt schlägt der Sommer knallhart zu. Überraschend ist, dass die Mitarbeiter eher andere Sorgen umtreiben als die Hitze. Gerade an der Großbaustelle Löhdorfer Straße, die bis Jahresende abgehakt sein soll, fließt unheimlich viel Verkehr.

„Sonnenbrand im Nacken ist quasi Berufskrankheit im Straßenbau.“

Tobias Monheimius, Bauleiter

Ein Mitarbeiter wurde hier in der Vergangenheit schon angefahren, es ist aber alles glimpflich ausgegangen. Da zu wenige Autofahrer angemessen das Tempo drosseln würden, müsse man immer konzentriert bleiben – und das falle bei der Hitze auf Dauer besonders schwer. Für die Geschäftsleitung ist es daher klar, dass es zwischendurch mal Eis gibt oder zusätzliche Aufenthalte im Schatten normal sind. „Heute Morgen haben die Mitarbeiter eine Kühltasche, Sonnenbrillen und Sonnencreme bekommen“, sagt Monheimius.

Alle müssen Kleidung tragen, um die Haut bestmöglich zu schützen. „Oben ohne kann man arbeiten, dann dauert es aber nur zehn Minuten, bis du verbrannt bist“, sagt Küpper. Er ist übrigens froh, dass gerade nicht asphaltiert werden muss: Die Materialtemperatur beträgt dabei 160 bis 180 Grad. Für ihn ist es außerdem elementar, viel zu trinken: „Fünf Liter gehen am Tag locker weg. Dann geht man abends auch ohne Kopfschmerzen nach Hause.“ Wie in vielen Betrieben, fangen sie bei Monheimius nun morgens eine Stunde früher an, um früher Feierabend machen zu können. Ab 14 Uhr sei es an solchen Tagen kaum noch auszuhalten. „Die drei wichtigsten Dinge sind Creme, Kopfbedeckung und viel trinken“, findet Küpper. „Gegen einen Job im Büro würde ich trotzdem niemals tauschen.“

Hitze in Solingen: Sonnenschutz und früher Arbeitsbeginn als Gegenmaßnahmen

Das fällt ohnehin auf: Den Mitarbeitern würde es nicht einfallen, über die Arbeitsbedingungen zu klagen. „Sonnenbrand im Nacken ist quasi Berufskrankheit im Straßenbau“, sagt Monheimius. Und es gäbe immer einen, der es sicherlich noch schlimmer hat. Wie der Dachdeckerbetrieb Kai Worring, der auf der Höhe der Monheimius-Baustelle ansässig ist. „Auf dem Dach reflektiert auch noch alles. Da möchte ich nicht tauschen“, sagt Patrick Küpper.

Stefanie Worring leitet das Büro, während ihr Mann, Dachdeckermeister Kai Worring mit drei Gesellen und dem Azubi draußen unterwegs ist. „Hoher Sonnenschutz und morgens eine Stunde früher anfangen, das sind die besten Maßnahmen, die man ergreifen kann“, sagt sie.

Seitens der Berufsgenossenschaft wird das Thema Hitze immer heißer, die vorgeschriebene Kleidung wird immer mehr. Funktionskleidung ist hier das Mittel der Wahl. Möglich erscheint zudem, dass sich etwas Grundlegendes wandelt: War es früher normal, dass im Winter Arbeit entfiel, weil es witterungstechnisch nicht anders möglich war, konnte zuletzt den Winter über quasi durchgearbeitet werden. „Das geht jetzt viel besser“, sagt Worring. Dafür würden die Sommer immer intensiver, die viel zu heißen Tagen immer mehr.

Gesenkschmiede

Natürlich ist es auch in den Gesenkschmieden und anderen Fertigungshallen besonders heiß. Viele Betriebe stehen beispielsweise vor dem Problem, dass es während der Produktion nicht möglich ist, die Fenster für Durchzug zu öffnen: Lärmschutzgründe verbieten dies je nach Lage, wie ein Unternehmen, das nicht genannt werden möchte, berichtete. Gründlich gelüftet wird dann meist vor Arbeitsbeginn um 5.30 Uhr. 

Aus einer Solinger Gesenkschmiede heißt es aber auch: Über die Jahre hat sich das Thema Hitze bei der Arbeit verbessert. Weil nicht mehr wie früher neben jedem Hammer ein Gasofen stehe, sondern das Material elektrisch erwärmt würde, sei es „zwar immer noch warm, aber früher war es noch schlimmer“. So oder so: Es bleibt heiß.

Stadt Solingen erprobt „Klima-Check“ für Neubauten: Planer wollen die Erwärmung der Stadtzentren stärker als bisher im Blick haben.

Grillen verboten: Brandgefahr wegen Hitze. Die Brandgefahr auf trockenem Gras steigt deutlich an.

Im Netz kursieren ohne Ende teils skurrile Ratschläge zur Abkühlung. Wir haben die gängigsten ausprobiert und verraten, welche wirklich funktionieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Top-Links

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Kindstötungen in der Hasseldelle: Väter schoben Verantwortung für die Kinder von sich
Corona: Betriebsärztin impft 270 BIA-Mitarbeiter - Coronaschutzregeln verlängert
Corona: Betriebsärztin impft 270 BIA-Mitarbeiter - Coronaschutzregeln verlängert
Corona: Betriebsärztin impft 270 BIA-Mitarbeiter - Coronaschutzregeln verlängert
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Verstöße gegen Corona-Regeln: Stadt nimmt 400 000 Euro Bußgeld ein
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke
Motorradfahrer verunglückt auf neuer Wupperbrücke

Kommentare