Die Woche von Stefan M. Kob

Ohne Kreisel wird die Planung zur Quadratur des Kreises 

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stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Die Probebohrungen auf dem Sparkassenparkplatz markieren den Beginn eines der bedeutendsten City-Bauprojekte.

Die neue Zentrale des Geldinstituts wird das Gesicht des Neumarkts im Karree mit Hofgarten, C & A und Graf-Wilhelm-Platz prägen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Sondierungen mindestens mal einen der Blindgänger aus dem Bombardement des Weltkriegs zutage befördern, der dann hoffentlich schnell unschädlich gemacht werden kann. Die Entschärfung einer anderen Bombe wird da wesentlich schwieriger: Die Frage des Innenstadtverkehrs könnte die große Gemeinsamkeit der demokratischen Parteien in Grundsatzfragen der Stadtentwicklung sprengen. Der Sparkassen-Neubau zwingt die Politik, über die ohnehin schon verkorkste Verkehrsführung in der City nachzudenken. Denn obwohl in Zeiten von Online-Banking der persönliche Besuch tendenziell eher abnimmt, werden noch genügend Kunden die Services der Stadt-Sparkasse vor Ort in Anspruch nehmen wollen. Und da der Neubau gewollt näher an den Kern heranrückt und einen der Zufahrtswege zum Neumarkt vereinnahmt, muss man Lösungen finden.

Die Stadtplaner haben einen ersten Entwurf vorgelegt, der sicherlich noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Aber während das eine Lager auf eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt auch für den Individualverkehr setzt, will das andere die Attraktivität der City steigern, indem sie dem Autofahrer möglichst viele Steine in den Weg legt, um ihn zum Umstieg auf Bus und Fahrrad zu bewegen. Hier haben sich die Grünen bereits klar positioniert. Problem: Die SPD, die zumindest in Teilen nicht an die grünen Rezepte glaubt, wird unter Druck geraten. Womit wir wieder bei der Sprengkraft wären. Denn nachdem das erste SPD-Wahlversprechen, als Gegenleistung für die Unterstützung von Oberbürgermeister Kurzbach einen grünen Bezirksbürgermeister durchzubringen, krachend gescheitert ist, werden die Grünen in dieser Frage kein erneutes Ausscheren eines unsicheren Kantonisten tolerieren.

Dabei redet niemand, kein Geschäftsmann und nicht der größte Betonkopf in der CDU, von einer autogerechten Innenstadt. Aber die Vorstellung, dass sich etwa eine Mutter mit Kinderwagen und quäkenden Sprösslingen per Bus mit Umsteigen in die City quält, um im Hofgarten nach Kinderklamotten zu suchen, kann nur jemand für realistisch halten, der viel Zeit oder wenig Kinder hat.

Es rächt sich, dass wegen der Versäumnisse der Vergangenheit eine leistungsfähige Umfahrung der City fehlt. Diese hätte es ermöglicht, dass man nicht quer durch die Mitte fahren muss, wenn man ohne kilometerlange Umwege von der östlichen Kölner Straße zum westlich gelegenen Hofgarten gelangen will. Eine Chance, dies zu korrigieren, bietet allein ein Doppelkreisel am Dickenbusch. Hoffentlich wird diese Planung nicht wieder politisch zerredet und das Zeitfenster zur Realisierung des Projekts ist endgültig zu. Ohne Kreisel wird jeder Versuch, die City gut erreichbar und gleichzeitig unnötigen Verkehr draußen zu halten, zur Quadratur des Kreises.

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