Kriminalität

Ohligser soll Strohmann für Mafia gewesen sein

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Verteidiger des im Dezember festgenommenen Solingers stellt sich auf eine längere U-Haft für seinen Mandanten ein.

Von Kristin Dowe

Für Karl-Heinz Lauterbach ist es nach eigenen Angaben „das bisher umfangreichste Verfahren, an dem ich jemals mitgewirkt habe“. Der Solinger Rechtsanwalt vertritt jenen 55-jährigen Mann aus Ohligs, der im Rahmen einer bundesweiten Razzia im Dezember 2018 gegen den italienischen Mafia-Ableger ‘Ndrangheta festgenommen wurde. Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos hatten unter Federführung des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA) die Wohnung des Ohligsers gestürmt. Seitdem befindet sich der Mann in Duisburg in Untersuchungshaft.

Solinger war mutmaßlich Geschäftsführer einer Scheinfirma

Der Vorwurf: Beihilfe zum bandenmäßigen Handeltreiben mit Rauschgift in erheblicher Menge. Rund 80 Kilogramm Kokain hatten Mitarbeiter der niederländischen Behörden in einem Container in Rotterdam gefunden und sichergestellt. Der Stoff mit einem geschätzten Marktwert von 2,5 Millionen Euro war aus Sicht der Staatsanwaltschaft für eine Scheinfirma in Düsseldorf bestimmt, für die der Ohligser als Geschäftsführer eingetragen war. Für den Verteidiger Lauterbach dürfte es indes schwierig werden, Argumente zur Entlastung seines Mandanten zu finden. Denn ein hochrangiges Mitglied der ‘Ndrangheta, das in Ermittlerkreisen als Kronzeuge gehandelt wird, belastet den Ohligser schwer. „Der hat ziemlich ausgepackt“, berichtet Lauterbach.

Der wichtige Zeuge habe umfassend zur Rolle des Ohligsers in einem kriminellen Geflecht ausgesagt, den er selbst als Strohmann rekrutiert habe. „Mein Mandant hat quasi mit seinem Namen als Geschäftsführer der Scheinfirma fungiert“, schildert der Rechtsanwalt die Sicht der Staatsanwaltschaft.

Derweil legt der Verteidiger Wert darauf, dass sein Mandant selbst nicht der ‘NDrangheta zugeordnet werde. Auch sei das Kokain, das der Ohligser mutmaßlich in Empfang nehmen sollte, nie in Umlauf gelangt. „Das wurde alles von den niederländischen Behörden vernichtet.“

Auch sei denkbar, dass es sich bei dem Stoff um eine sogenannte Rip-Off-Lieferung“ gehandelt habe, bei der die Drogen von unbekannten Tätern in Südamerika in den Container geschmuggelt werden, die dann in den Niederlanden vor den Zollkontrollen wieder hätten entnommen werden sollen, ohne dass Absender und Empfänger hiervon etwas erfahren sollten.

Grundsätzlich stellt Lauterbach sich noch auf eine längere Untersuchungshaft für seinen Mandanten ein, da es sich um ein umfangreiches Verfahren mit 53 weiteren Beschuldigten handelt. „Wir denken aber darüber nach, eine Haftbeschwerde zu erheben, weil alle Beweismittel meinen Mandanten betreffend ausgeschöpft waren und nichts Neues hinzuermittelt wurde.“ Zu den Vorwürfen äußern werde sein Mandant sich vorerst nicht.

Lesen Sie hier weitere Blaulicht-Meldungen aus Solingen.

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