Rückblick

Ohligser freuen sich auf vier Linden auf dem Marktplatz

Diese stattlichen Linden wachsen vor der Grundschule Stübchen an der Katternberger Straße. Neu gepflanzt werden die Bäume auf dem Ohligser Markt.
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Diese stattlichen Linden wachsen vor der Grundschule Stübchen an der Katternberger Straße. Neu gepflanzt werden die Bäume auf dem Ohligser Markt.

Die „Leng“ ist unbestritten der Lieblingsbaum der Solinger.

Von Wilhelm Rosenbaum

Als die Großstadt Solingen im Jahr 1929 ihre kommunale Premiere feierte, war bei den Straßennamen einiges aufzuarbeiten, weil die früher selbstständigen Gemeinden ringsum ihrerseits etliche Bezeichnungen auch schon besaßen. Das Ganze endete in einem beträchtlichen „Umtausch“.

So wurde beispielsweise in Merscheid die Lindenstraße nach Alt-Solingen, zum Gymnasium Schwertstraße, transferiert, wo sie bis heute neben einer Lindenbaumstraße in der Südstadt ein botanisches Ausrufungszeichen setzt.

Aber wie das Schicksal so spielt: Gleich vier Linden sollen im Solinger Westen, so hat die Stadtverwaltung kürzlich mitgeteilt, zukünftig den umgestalteten Ohligser Marktplatz dekorieren, quasi als Heimkehrer in Sachen Baumschmuck.

Ein Blick in die Stadtgeschichte demonstriert eine heimliche Passion für das Bäumchen. Denn die in unserer Mundart „Leng“ genannte ist den Bergischen an Wupper, Loch- und Viehbach gleichermaßen massiv ans Herz gewachsen.

Linde findet sich in vielen Ortsbezeichnungen wieder

Schon 1212, im Gerresheimer Heberegister, ist zwischen Gräfrath und Nümmen ein Acker „an der Linde“ aufgeführt. Die sagenhaften Femegerichte fanden traditionell unter der Linde statt. Und der wanderfreudige Imkerverein Solingen 1895, so berichtet die Chronik, zog regelmäßig mit seinen Bienenvölkern „in die Linde nach Urdenbach“.

Der heutige Entenpfuhl trug lange Zeit den Namen „Lindenpfuhl“. 1933 berichtet das Tageblatt über die „Schinderhanneslinde“ in Rupelrath.

Zu Schillers 100. Geburtstag wurde 1859 natürlich eine Linde gepflanzt. Am Unnersberg, an der damaligen Straße des 17. Juni, waren zum Tag der deutschen Vereinigung von BRD und DDR gleich 16 Exemplare fällig.

Gepriesen wurde sie zu allen Zeiten. 1908 schwärmte etwa ein Solinger Naturfreund vom „balsamischen Duft ihrer Blüten“, während Sprachforscher Rudolf Picard, auch Kenner der Volkskunde, einen Gesundheitstipp parat hat: „Getrocknete Blüten liefern schweißtreibenden Tee“. Franz Wilhelm Oligschlaeger, Experte für Heilpflanzen im 19. Jahrhundert, empfahl außerdem die innere Rinde eingeweicht bei Brandwunden.

Versteht sich am Rande, die Linde war vielfach auch Namensgeberin in Solingen, für insgesamt fünf Gaststätten und eine Apotheke, auch für zwei ehemaligen Schulen, die evangelische Schule Linden in Höhscheid und die  Schule Lindersberg in Wald.

Da mag man kaum glauben, dass bei so viel Linden-Begeisterung das „Bergische Heimatlied“, die heimliche Nationalhymne der Klingenstadt, ihr nicht die Reverenz erweist und als einziges Baumexemplar die Buche besingt.

So bleibt uns vorläufig als top-literarische Würdigung nur das berühmte mittelalterliche Nibelungenlied, in dem der Held Siegfried auf seinem Rücken schlussendlich doch verwundbar ist – bekanntlich wegen eines Lindenblattes.

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