Abschied in den Ruhestand

Oberstleutnant hängt die Uniform an den Nagel

Oberstleutnant Bernhard de Fries verabschiedet sich in den Ruhestand. Im Theater- und Konzerthaus half die Bundeswehr zuletzt bei der Kontaktpersonennachverfolgung.
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Oberstleutnant Bernhard de Fries verabschiedet sich in den Ruhestand. Im Theater- und Konzerthaus half die Bundeswehr zuletzt bei der Kontaktpersonennachverfolgung.

Verbindungsoffizier Bernhard de Fries blickt gerne auf seine Dienstzeit zurück.

Von Kristin Dowe

Solingen. Ein wenig Wehmut macht sich schon bei Bernhard de Fries breit, wenn er ab dem 1. Februar seine Uniform endgültig an den Nagel hängen wird. Elf Jahre lang hat der Oberstleutnant, der Donnerstag übrigens seinen 66. Geburtstag feiert, das Kreisverbindungskommando (KVK) Solingen geleitet, seit 2007 ist er im KVK aktiv. „Die Wahrnehmung der Bundeswehr in der Gesellschaft hat sich verändert“, sagt er rückblickend. Denn spätestens durch die Corona-Pandemie, als die Unterstützung der Bundeswehr bei vielen administrativen Aufgaben gefordert war, sei bei vielen Menschen das Klischee in den Köpfen von durch den Schlamm robbenden Soldaten gebröckelt, so seine Wahrnehmung. „Unsere Arbeit ist heute weitaus vielfältiger“, hält er fest.

Als wichtige beratende Instanz ist das Solinger Kreisverbindungskommando mit zwölf Soldaten direkt an den Krisenstab der Stadt angebunden – als Leiter des KVK war de Fries Beauftragter für „zivile, militärische Zusammenarbeit“, in Solingen. „Wir sind gefordert, wenn aus Sicht des Oberbürgermeisters ein Katastrophenszenario eintritt, bei dem Gefahr für Leib und Leben besteht“, erklärt er. So würde das KVK auch bei Eintreten eines eventuellen Verteidigungsfalls auf den Plan gerufen – „auch wenn diese Möglichkeit natürlich sehr unwahrscheinlich ist“.

Zivil- und Bevölkerungsschutz ist wichtiges Thema geworden

Dennoch sind wohl gerade vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine Fragen rund um den Zivil- und Bevölkerungsschutz wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt, nachdem sich die Politik und speziell die Kommunen jahrzehntelang nicht damit beschäftigt hatten. So hat auch die Stadt Solingen eine Lenkungsgruppe „Zivile Verteidigung und Katastrophenschutz“ gegründet, in die auch das KVK mit eingebunden ist. „Beispielsweise haben wir ein Gefahrenkataster im Hinblick auf die Verletzbarkeit der kritischen Infrastruktur erstellt“, berichtet de Fries.

Dabei gehe es unter anderem um die Funktionstüchtigkeit elektronischer Anlagen im Falle eines Blackouts oder um Notfallpläne bei großen Überschwemmungen. Zu Details will sich der Verbindungsoffizier aus Sicherheitsgründen nicht äußern, nur so viel: „Die Stadt hat da in letzter Zeit sehr zielgerichtete Anstrengungen unternommen, die wir gerne unterstützen.“ Die Zusammenarbeit mit dem Krisenstab funktioniere sehr gut.

Abseits von solchen theoretischen Planungen war das KVK während der Pandemie ganz praktisch gefordert: So unterstützten die Soldaten zeitweise mehrere Einrichtungen, darunter das Elisabeth-Roock-Haus und das Gerhard-Berting-Haus, bei kleineren Pflegetätigkeiten, als diese wegen Corona mit erheblichen Personalausfällen zu kämpfen hatten. Eine Zeit, die laut de Fries auch für die Soldaten eine wertvolle Erfahrung gewesen sei: „Anfangs gab es bei einigen Bewohnern noch Vorbehalte gegen Uniformträger. Das hat sich aber sehr schnell gelegt und die Atmosphäre war dann zumeist unheimlich herzlich. Unsere Soldaten haben ihre Aufgaben dort hervorragend gemeistert“, lobt er.

Darüber hinaus half die Bundeswehr auch in Solingen bei der Nachverfolgung der Infektionsketten während der Hochphasen der Corona-Pandemie. „Insgesamt waren gut 250 Soldatinnen und Soldaten während dieser Zeit in Solingen stationiert“, resümiert de Fries. Diese wurden von verschiedenen Standorten in ganz Deutschland nach Solingen entsandt, um im Theater- und Konzerthaus Bürgerinnen und Bürger über ihre Diagnose zu informieren und sie etwa über die Quarantänepflicht aufzuklären. Bei der Flüchtlingskrise 2015 unterstützte das KVK die Stadt außerdem mit Ausrüstung und Feldbetten.

Langweilen wird sich Bernhard de Fries im Ruhestand nicht, weiß er schon jetzt. Seine Arbeit als selbstständiger Personalberater wolle er fortsetzen und privat mehr Zeit für Sport finden. „Es war eine schöne Zeit – und nun freue ich mich auf etwas Neues.“

Hintergrund

Abschied: Am Freitag, 27. Januar, wird sich Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU) bei einer kleinen Zeremonie im Rathaus persönlich von Oberstleutnant de Fries verabschieden. Seine Nachfolge übernimmt Major Marc Polley als kommissarischer Leiter des KVK Solingen.

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