NS-Opfer verarbeiten mit Kunst ihre Gewalterfahrung

Prof. Dr. Christoph Rass hob in seinem Vortrag zum Ende des Ausstellungsteils die Bedeutung der Kunst für NS-Opfer hervor. Foto: Moritz Alex
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Prof. Dr. Christoph Rass hob in seinem Vortrag zum Ende des Ausstellungsteils die Bedeutung der Kunst für NS-Opfer hervor.

„. . . und laut zu sagen: Nein“ – Teil der Ausstellungstrilogie ist am Sonntag beendet worden

Von Tanja Alandt

Mit einem Vortrag von Prof. Dr. Christoph Rass beendete der Direktor des Zentrums für verfolgte Künste, Jürgen Kaumkötter, die zweite Ausstellung der dreiteiligen Ausstellungsreihe nach dem Zitat von Kurt Tucholsky „. . . und laut zu sagen: Nein.“ Kaumkötter und Rass sind durch den Kooperationsvertrag der Universität Osnabrück schon länger verbunden. Die Ausstellung namens „Écraser l‘infâme! Zerstört die Niedertracht!“ zeigte eine Auswahl der Sammlung der Gedenkstätte und Museum des Konzentrationslagers Sachsenhausen.

Bei dem Vortrag „Das KZ und sein Echo – Gewalterfahrung zum Sprechen bringen“ betonte der Professor für Neueste Geschichte und Historische Migrationsforschung an der Universität Osnabrück, wie wichtig die Kunst als Quelle für die Rekonstruktion der Geschichte sei. Rass berichtete von NS-Opfern, die durch die Kunst einen Ausweg fanden, das Leid und die Gewalterfahrung überhaupt „sprechbar“ zu machen – auch wenn sie traumatisiert waren und verstummten. Dadurch behielten sie trotzdem ihre Stimme und blieben Autor ihrer eigenen Geschichte.

Sie zeichneten die „Fratzen der Täter“ und produzierten Zeugnisse, die aus ihren Augen und nicht aus der Täterperspektive waren, so Prof. Dr. Rass. Die gemalten Porträts der ermordeten Menschen im Lager waren oft die letzte Spur von ihnen. „Die Werke erinnern, machen sichtbar, klagen an, auch wenn versucht wird, eine Stille herzustellen“, bemerkte er und plädierte für neue Formen und Werkzeuge, über die Geschichte zu erzählen, auf die Stille zu horchen und die Perspektive zu drehen und Menschen und ihre Vergangenheit aus der Vergessenheit in die Mitte zu holen.

Anschließend ging er auf die Fragen der Gäste ein. Er erklärte unter anderem, dass das Überwältigungsverbot in Gedenkstätten für Konzentrationslager nicht verschweigen oder beschönigen soll, sondern dazu dient, keine Betroffenheit durch das Furchtbarste vom Furchtbaren herzustellen, da dies unerträglich ist.

Werkschau zur Solinger NS-Zeit ist noch bis 14. November zu sehen

Bereits bis zum 1. August zu sehen war im Zentrum für verfolgte Künste der Ausstellungsteil „Boris Lurie. Das Haus von Anita“. Nun endete auch die Werkschau von „Écraser l’infâme! Zerstört die Niedertracht“. Bis zum 14. November kann allerdings noch der dritte Teil besucht werden. Dieser thematisiert die NS-Zeit in Solingen.

Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen sind sonntags um 11.15 Uhr sowie um 14.30 Uhr. Der Eintritt ist bis 18 Jahre gratis, Erwachsene zahlen 9 Euro. Ermäßigt, auch für Studenten, beträgt der Eintritt 4,50 Euro.

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