Delegation aus Düsseldorf besuchte Denkmale

NRW-Stiftung hilft den Kotten in Solingen nach der Flut

Am Mittwoch besuchte der Präsident der NRW-Stiftung, Eckhard Uhlenberg (v. links), gemeinsam mit den Stiftungsmitgliedern Mona Wehling, Martina Grote, Barbara Schock-Werner und Franz-Josef Lersch-Mense den Balkhauser Kotten. Nicole Molinari berichtete von den Flutschäden.
+
Am Mittwoch besuchte der Präsident der NRW-Stiftung, Eckhard Uhlenberg (v. links), gemeinsam mit den Stiftungsmitgliedern Mona Wehling, Martina Grote, Barbara Schock-Werner und Franz-Josef Lersch-Mense den Balkhauser Kotten. Nicole Molinari berichtete von den Flutschäden.

Mit Eckhard Uhlenberg, dem Präsidenten der NRW-Stiftung, an der Spitze besuchte am Mittwoch eine Delegation aus Düsseldorf den Balkhauser Kotten und den Wipperkotten.

Von Philipp Müller

Solingen. Sie wollten sich von den Schäden durch das Wupperhochwasser am 14. Juli berichten lassen. Zudem wollten sie wissen, wie es künftig bei den Denkmalen weitergeht. Zugleich hatte die Abteilungsleiterin für Heimat und Kultur, Mona Wehling, einen großen Block dabei. Darauf wurde notiert, ob und wie geholfen werden kann.

Zuschusszusagen hatte Uhlenberg aber nicht dabei. Erst zum Jahresende werde die Stiftung beschließen, wer von den bisher bereits von der NRW-Stiftung unterstützten Kotten Geld bekommt, erklärte Stiftungsgeschäftsführerin Martina Grote. Rund eine Millionen Euro stehen zur Verfügung. Diese werden allerdings landesweit ausgegeben. So schaute sich die Stiftung auch bereits in den Kreisen und Euskirchen um, war am Mittwoch auch in Essen zu Besuch.

Solingen: Kuratorium schätzt die Schäden auf etwa eine Million Euro

Am Abend des 14. Juli und bis weit in den Tag des 15. Juli hatte die Wupper die Kotten in Balkhausen und an der Wippe stark überflutet. 1,70 Meter hoch stand das Wasser im Balkhauser Kotten. Dort allein schätzt das Kuratorium die Schäden auf etwa eine Million Euro. Nicole Molinari ist die Vorsitzende des Kuratoriums, das das Museum in Balkhausen betreibt. Sie berichtete, dass das Gebäude saniert werden müsse und es sehr große Schäden an den Grabenwänden gebe, die Teile des Wupperwassers zum Wasserrad leiten. Auch das sei ein Sanierungsfall, erfuhren die Gäste aus der Landeshauptstadt.

Die Vizepräsidentin der Stiftung, die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, fragte nach der Idee für den Wiederaufbau neben der Sanierung. Molinari erklärte, dass das Kuratorium die Chance jetzt nutzen wolle, vieles digitaler darzustellen: „Die jungen Leute wollen das alles auch als Film auf dem Smartphone sehen.“ Mona Wehling will dazu ihre Kontakte zum Landschaftsverband Rheinland einbringen, den Kottenverein bei der Neukonzeption des Museums zu unterstützen. 5000 Euro hatte die Stiftung bereits zur Verfügung gestellt. „16 Anträge, die uns nach dem Hochwasser erreicht haben, sind von uns mit einer solchen Summe bewilligt worden, sagte Schock-Werner.

„Wir müssen uns um alles selbst kümmern.“

Reinhard Schrage, Wipperkotten

Im Wipperkotten waren für die Mitglieder der NRW-Stiftung zwei Bereiche zu betrachten. Der hintere Teil gehört der Stadt und wird vom Förderverein der Schleiferei betreiben. Auch dort stand das Wasser mannshoch. Aber auch durch den Weinsberger Bach, der dort unmittelbar am Kotten reißend in der Nacht vorbeifloß und den Wupperpegel nochmals erhöhte. Ein Schild an der Außenwand dokumentiert die Wasserhöhe am 14. Juli: Es waren 2,18 Meter. Die Schäden kann die Stadt noch nicht genau beziffern, erklärte dazu Andreas Kleinhenz. Er nahm an der Tour zu den Kotten als Vertreter der städtischen Denkmalpflege teil.

Reinhard Schrage , der Vorsitzende des Fördervereins Schleiferei Wipperkotten, erklärte, dass in dem Kotten noch traditionell mit Wasserkraft geschliffen wird. Das sei nach der Flut nicht mehr möglich. Der Förderverein betreibe den Kotten in einem Gebäude, das er von der Stadt Solingen auf Erbpachtbasis erhalten hat. „Wir müssen uns um alles selbst kümmern“, sagte Schrage. Die Erträge aus der Schleiferei würden den Etat decken, aber die Klimmzüge nach der Flut nicht ermöglichen.

Der vordere Teil des Wipperkottens gehört Familie Rodenkirchen. Viola Rodenkirchen schätzte den Schaden bereits auf mehr als 200.000 Euro. Ihre Mutter, die 88-jährige Lotte Rodenkirchen, begrüßte die Vertreter der NRW-Stiftung und gab einen kurzen Abriss, wie das private Museum entstanden ist.

Mit einer Förderung durch die Stiftung kann das privat geführte Denkmal nicht rechnen. Da stehen die Förderrichtlinien gegen, sagte Präsident Eckhard Uhlenberg. Geschäftsführerin Grote betonte aber, den Rodenkirchens mit anderen Ansprechpartnern für eine Unterstützung zu helfen, etwa der deutschen Denkmalstiftung. Das sei auch ein Sinn der Tour entlang der Wupper. Die NRW-Stiftung will jetzt ihre Beziehungen einsetzen, um an eine Förderung für die Wiederaufbauten zu gelangen, wo nicht eigene Mittel eingesetzt werden können, betonte Martina Grote.

NRW-Stiftungsbesuch in Solingen

Stiftungszweck: Seit 1986 fördert die Nordrhein-Westfalen-Stiftung gemeinnützige Projekte und Initiativen für Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege. Die Mittel dafür bekommt sie über den Landeshaushalt aus Lotterieerträgen von Westlotto, dem Landtag sowie aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden des Fördervereins der NRW-Stiftung.

Umfang der Hilfe: Um den ehrenamtlichen Projektpartnern unbürokratisch zu helfen und Wiederaufbauhilfe zu leisten, hat die NRW-Stiftung bereits Ende Juli ein Hilfsprogramm mit einem Volumen von einer Million Euro aufgelegt.

Standpunkt: Kotten brauchen Hilfe

Von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Nach dem Hochwasser stehen die Solinger nicht allein da. Das machte gestern der Besuch der NRW-Stiftung deutlich. Er war ein klares Zeichen dafür, dass in der Landeshauptstadt Düsseldorf angekommen ist, dass auch in der Klingenstadt Hilfe beim Wiederaufbau benötigt wird. Auch wenn die Delegation der Stiftung gestern noch nicht das Scheckheft zücken konnte, so war doch zu spüren, dass die Kotten an der Wupper nicht ganz leer ausgehen werden. Die Stiftung ist der Bewahrung der Denkmale verpflichtet und unterstützt dabei, sie zu betreiben. Zuletzt hatte die Stiftung für den Botanischen Garten von der Landesstiftung profitiert, das Palmenhaus konnte mit finanzieller Unterstützung saniert werden. Erfreulich war auch die Tatsache, dass die Vertreter der Stiftung ihre Verbindungen spielen lassen wollen, um an Fördergelder zu kommen, wo die NRW-Stiftung nicht helfen darf oder nicht kann. Das ist ein gutes Signal an die Schar der Macher an der Wupper.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen
Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen
Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen
Corona: Inzidenzwert sinkt auf 55,3 - Impfzentrum schließt am 30. September
Corona: Inzidenzwert sinkt auf 55,3 - Impfzentrum schließt am 30. September
Corona: Inzidenzwert sinkt auf 55,3 - Impfzentrum schließt am 30. September
Radfahrer nach Zusammenstoß  verletzt
Radfahrer nach Zusammenstoß verletzt
Radfahrer nach Zusammenstoß verletzt

Kommentare