Anlaufstellen

Nicht jeder Wohnungslose nimmt Hilfe an

Nur in wenigen Fällen leben Wohnungslose auf der Straße und müssen im Freien übernachten. Die Stadt und freie Träger bieten Hilfen wie die Notunterkunft „Bethlehem“ in Ohligs an.
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Nur in wenigen Fällen leben Wohnungslose auf der Straße und müssen im Freien übernachten. Die Stadt und freie Träger bieten Hilfen wie die Notunterkunft „Bethlehem“ in Ohligs an.

Die Wohnungsnotfallhilfen der Stadt, die Caritas und andere Träger bieten Menschen ohne Obdach Unterstützung an.

Von Andreas Tews

Solingen. Angesichts der bevorstehenden kühleren Jahreszeit sorgen sich viele Bürger um Mitmenschen, die auf der Straße leben. Unter anderem fällt ihnen derzeit ein Wohnungsloser in der Innenstadt auf. Er nimmt keine Notunterkünfte oder andere Hilfen in Anspruch. Solche Fälle gebe es in Solingen nur ganz selten, erklärt Susanne Bossy vom Caritasverband, der eine Beratungsstelle für alleinstehende Wohnungslose und eine Notunterkunft betreibt. Wenn Hinweise eingehen, suchen laut Bossy die Mitarbeiter der Beratungsstelle die Betroffenen auf und bieten Hilfe an. Nicht jeder wolle sich aber helfen lassen. Das müsse man respektieren.

So sei es auch im Fall des Obdachlosen in Solingen-Mitte, dessen Fall sowohl bei der Caritas als auch bei der Stadt bekannt ist. Er lebe dort schon länger, schildert Bossy, und mehrfach hätten die Mitarbeiter der Beratungsstelle von der Goerdelerstraße Kontakt zu ihm aufgenommen. Auch in Ohligs ist zumindest ein ähnlicher Fall bekannt. Ein Mann, der dort auf der Straße lebe, nehme aber zumindest einige Hilfen an. Er nutze die Beratungsstelle als Postadresse und übernachte zumindest vorübergehend in einer Unterkunft.

„Wenn jemand Hilfen nicht annimmt, ist das seine freie Entscheidung.“

Birgit Wenning, Stadtverwaltung

Die Stadtverwaltung hat den Anspruch, dass in Solingen niemand auf der Straße leben muss. Zentrale Koordinierungsstelle ist die Wohnungsnotfallhilfe im Rathaus. Dorthin können sich laut Rathaussprecherin Birgit Wenning-Paulsen nicht nur Wohnungslose wenden, sondern auch besorgte Bürger, die auf einen auf der Straße lebenden Wohnungslosen hinweisen wollen. Ihre Hilfe setzt bereits ein, wenn Menschen von Wohnungslosigkeit bedroht sind.

Wenning-Paulsen erklärt: „Wenn die Fachstelle konkrete Hinweise auf eine obdachlose Person erhält und unklar ist, ob die Person unser Angebot kennt, suchen wir die Örtlichkeit auf, um ihr unseren Flyer und unser Hilfsangebot darzustellen. Sollte die Person jedoch unser Angebot nicht in Anspruch nehmen, ist das ihre freie Entscheidung.“

Eine wichtige Anlaufstelle für Wohnungslose ist die rund um die Uhr besetzte Notunterkunft „Haus Bethlehem“ der Caritas an der Bahnstraße in Ohligs. Dorthin könne man sich in akuten Fällen wenden, berichtet Wenning. Deren Angebot richtet sich an alleinstehende Wohnungslose. Bis zu 16 Personen kommen dort mittelfristig jeweils in abgeschlossenen Zweier-Wohngemeinschaften unter.

Das Ziel ist die Reintegration der Hilfsbedürftigen. Die Caritas-Mitarbeiter helfen unter anderem bei der Wohnungssuche. Auch längerfristige Hilfen stellt die Caritas für bis zu 16 männliche alleinstehende zur Verfügung.

Die Notschlafstelle „Die 10“ an der Hermannstraße nimmt obdachlose Jugendliche und junge Erwachsene auf.

Für obdachlose Jugendliche und junge Erwachsene bis 26 Jahre steht darüber hinaus die von einem Förderverein unterstützte Notschlafstelle „Die 10“ an der Hermannstraße zur Verfügung. Die feierte im vergangenen Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Dort gibt es 17 Schlafplätze, von denen sieben ausdrücklich für Minderjährige gedacht sind.

Caritas und Rathaus berichten übereinstimmend von einer guten Zusammenarbeit zwischen den Hilfseinrichtungen. Auch bei Hinweisen auf Wohnungslose auf der Straße spreche man sich über das weitere Vorgehen ab, berichtet Bossy.

Kinderarmut bereitet große Sorge: Caritas-Chef Dr. Christoph Humburg wünscht sich im ST-Interview mehr Hilfe für betroffene Familien.

Ansprechpartner

Zentrale Fachstelle für Wohnungsnotfallhilfen der Stadtverwaltung: Rathaus, Walter-Scheel-Platz 1 (nur nach vorheriger Terminvereinbarung), Tel. 2 90-22 20. E-Mail: zfs.verwaltung@solingen.de. Betroffene können sich im Rathaus an der Anmeldung – möglichst vormittags ab 9 Uhr – melden.

https://t1p.de/qvsp

Beratungsstelle für alleinstehende Wohnungslose (Caritas): Goerdelerstraße 74, Tel. 2 06 38 90, E-Mail: wohnungslosenberatung @caritas-wsg.de

Wohnhilfen der Caritas (Haus Bethlehem): mittelfristig: Bahnhofstraße 74, E-Mail: wohnhilfen-2@caritas-wsg.de; längerfristig: Bahnhofstraße 76, E-Mail: Wohnhilfen-1@caritas-wsg.de. Tel. (beide): 2 33 23 00.

Notschlafstelle „Die 10“: Hermannstraße 10, Tel. 59 44 59 44, E-Mail: die10@solingen.de.

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