Neugier auf den Glauben wecken

Superintendentin Dr. Ilka Werner ging in ihrem Vortrag in der Stadtkirche am Fronhof über die Herausforderungen, vor denen die christlichen Kirchen stehen. Foto: Tim Oelbermann
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Superintendentin Dr. Ilka Werner ging in ihrem Vortrag in der Stadtkirche am Fronhof über die Herausforderungen, vor denen die christlichen Kirchen stehen.

Evangelische Kirche und Diakonie begrüßten mit einem Empfang das neue Kirchenjahr

Von Susan Jörges

Solingen. Zum Beginn des neuen Kirchenjahres, das traditionell mit dem ersten Advent anfängt, lud der Evangelische Kirchenkreis Solingen und die Diakonie am Freitagabend zum Empfang in die Stadtkirche am Fronhof ein. Neben Austausch, gemeinsamen Essen und Musik ging es insbesondere um den zukünftigen Kurs der Glaubensgemeinschaft.

Superintendentin Ilka Werner adressierte in ihrem Impulsvortrag „Aufgeweckt und unperfekt - KIRCHEnMORGEN für Solingen“ ein Problem, das zunächst einmal nicht neu ist: Sinkende Mitgliederzahlen begleiten Kirchengemeinden seit Jahren, noch aktive Mitglieder werden älter und jüngere kommen kaum nach. „Wir müssen realistisch sein und über neue Chancen und Routen nachdenken“, so Werner, die seit 2013 im Kirchenkreis aktiv ist. Das öffentliche Bild der Kirche sei geprägt durch veraltete Vorstellungen. Es sei an der Zeit, zuzuhören und Menschen neugierig zu machen, was Kirche und kirchliches Miteinander bedeuten kann.

Genau hierfür stehe der „KIRCHEnMORGEN“, der über Pfingsten 2022 stattfinden wird. Über drei Tage laden die evangelischen Kirchengemeinden aus Solingen, Lennep und Wuppertal sowie zahlreiche landeskirchliche Einrichtungen zu kreativem Austausch ein. In elf Werkräumen, verteilt über das Stadtgebiet, sollen Gemeindemitglieder, Neugierige, Kirchen- und Gotteszweifler sowie Menschen verschiedener Religionen zusammenkommen. Im Zentrum wird die Frage stehen, welche Kirche sich Bürger wünschen.

„Das ist ein Experiment. Wir haben zwar einen groben Fahrplan, aber wir wollen völlig ergebnisoffen diskutieren“, betonte Werner am Freitagabend. Abends werde es kulturelle, religiöse und musikalische Angebote geben.

Die Notwendigkeit eines Richtungswechsels betonte auch der stellvertretende Superintendent des Kirchenkreises, Thomas Förster: Dass nur 51 Prozent der Bevölkerung Mitglied in der evangelischen oder katholischen Kirche sind, sei ein gravierender Einschnitt, denn bald repräsentiere die Kirche weniger als die Hälfte der Bevölkerung. „Wir werden nicht ausreichend wahrgenommen. Das müssen wir ändern“, so Förster.

Zwar verlangsamte sich laut den aktuellen Statistiken im Jahr 2020 die Austrittsgeschwindigkeit aus der evangelischen und katholischen Kirche; ob das lediglich ein Effekt der Corona-Beschränkungen ist, in denen Behördengänge möglicherweise vermieden wurden, bleibt abzuwarten.

Die Zeit für einen „Weckruf“ sei ohnehin gekommen. Werner appellierte daher, Bestehendes aktiv zu hinterfragen, neue Entwicklungen zuzulassen und den Ansprüchen und Wünschen von außerhalb gut zuzuhören. „Scheinbar haben wir das in den vergangenen Jahren nicht ausreichend umgesetzt, das muss sich ändern.“ Streben nach Perfektionismus loszulassen und Fehler, auch in Zusammenhang mit Missbrauchsfällen, einzugestehen, gehöre ebenso dazu.

Für einen Aufbruch an diesem Abend stand auch die musikalische Begleitung von Lina Wittemeier (23), Studentin an der Pop-Akademie der Hochschule für Kirchenmusik Herford-Witten. Sie spielte christliche Pop-Musik, die wohl auch so manche jüngere Menschen, die zukünftig den Weg in Gottesdienste finden sollen, ansprechen dürfte.

Veranstaltung

Alle Informationen rund um die Pfingstwerkstatt von „KIRCHEnMORGEN“ vom 3. bis 5. Juni 2022 gibt es im Netz. Die Teilnahme ist kostenlos, Details werden noch bekanntgegeben.

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