Am Donnerstag im Fernsehen

Neuer Tesche-Film: Talsperren im Bergischen

Die Wupper-Talsperre, aufgenommen 2020 bei sehr niedrigem Wasserstand. Die Trockenheit spielt in dem Film ebenso eine Rolle wie die Flutkatastrophe im Juli 2021. Archivfoto: Roland Keusch
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Die Wupper-Talsperre, aufgenommen 2020 bei sehr niedrigem Wasserstand. Die Trockenheit spielt in dem Film ebenso eine Rolle wie die Flutkatastrophe im Juli 2021.

Der Film zeigt den Mensch und die Natur zwischen Dürre und Flutkatastrophe.

Von Björn Boch

Bergisches Land. Mit einem sehr aktuellen Thema beschäftigt sich das neueste Werk der Filmemacherin Natali Tesche-Ricciardi: mit den Talsperren im Bergischen Land. Der Film sei dabei keinesfalls weniger bildstark als seine Vorgänger. Diesmal könne der Fokus aber nicht nur auf der Idylle im Bergischen und seiner vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt liegen. „Natürlich ist die Flut aus dem Sommer 2021 ein großes Thema in dem Film“, erklärt Natali Tesche-Ricciardi.

Natali Tesche-Ricciardi und ihr Team mussten den neuen Film wegen der aktuellen Ereignisse mehrmals ändern.

Und auch das gegenteilige Extrem, das schon wieder ein wenig in Vergessenheit geraten ist, wird im Film behandelt: die Dürre in den Jahren zuvor. „Das kam alles Schlag auf Schlag, während wir gedreht und produziert haben“, berichtet Tesche-Ricciardi im Gespräch mit unserer Redaktion. „Unser eigentlich geplanter Film hat sich so gleich zweimal stark verändert.“

Durch die Ereignisse sei es nun zwar ein bisschen ein anderer Film geworden als gewohnt: „Aber trotzdem erzählen wir noch sehr schön, was es an Leben und Vielfalt gibt an und in den Talsperren“, so die Naturfilmerin. Sie arbeitete lange Zeit gemeinsam mit ihrem Vater Sigurd Tesche und führt dessen Werk nun seit etwas mehr als zwei Jahren allein fort. Der Leichlinger Filmemacher starb im Januar 2020 mit 79 Jahren in seiner Wahlheimat Witzhelden. „Es sind auch noch einige Aufnahmen in dem Film, die mein Vater gedreht hat“, verrät Natali Tesche-Ricciardi.

Schwer getroffen von den Wassermassen der Wupper wurde auch die Biberfamilie: Die Burg wurde zerstört, die Jungtiere werden vermisst.

Die Dürre der Jahre 2018 bis 2020 setzte den Wäldern und den Talsperren, die untrennbar miteinander verbunden sind, schwer zu. Vor allem die Fichten haben unter dem Borkenkäfer gelitten. An der Sengbachtalsperre – die im Film allerdings nicht vorkommt – forsten die Solinger Stadtwerke bis zu 50 000 Bäume auf. Auf die Dürre folgte die Flut, rund um die Wupper entstanden im Juli 2021 enorme Schäden, deren Beseitigung noch Jahre dauern wird. Im Fokus standen auch die Talsperren und die Frage, ob der Wupperverband mehr Platz hätte schaffen müssen.

Der Film enthält sich einer Bewertung, sondern lenkt den Blick auf die Tatsache, dass die Talsperren mit zum Wertvollsten zählen, was das Bergische Land zu bieten hat. Und dass das Bergische wegen des vielen Regens für diese Sperren wie geschaffen ist. Bereits vor mehr als 130 Jahren begannen die Menschen daher, Talsperren zu errichten, zum Hochwasserschutz und als Trinkwasserreservoir. Mit 21 Talsperren hält das Bergische deutschlandweit den Rekord – ihre Fläche nimmt etwa zwei Prozent der Region ein.

Alle Sperren verändern den Charakter eines Flusses enorm. Aus einem Fließgewässer wird streckenweise ein Standgewässer. Als Folge haben sich dort Lebensgemeinschaften entwickelt, die anderswo im Bergischen kaum zu finden sind: Kormoran und Graureiher, Schwäne und Blessrallen. Wer sein Nest auf dem Wasser anlegt, hat allerdings mit ständig wechselnden Wasserständen zu kämpfen. Ebenso wie die Fische, etwa Lachs und Meerforelle, die es nicht über die Staumauern zu ihren Laichgründen schaffen – es sei denn, sie bekommen Hilfe wie durch die Brutanlage bei Beyenburg. Starthilfe bräuchte auch der Hecht, dem es am Grund der Stauseen zu kalt ist und der gelegentlich zu spät in Laichstimmung kommt.

Natürlich wird auch der Biber Thema sein. 2017 ins Bergische zurückgekehrt, staut er Gewässer auf, um den Eingang seiner Burg immer unter Wasser zu halten. Die Wassermassen der Wupper rissen ihm jedoch die halbe Burg weg – seine vier Jungen wurden danach nicht mehr gesehen. Haben sie die Flut überlebt? Antworten gibt es am Donnerstagabend im Fernsehen.

„Die Talsperren im Bergischen Land“, ein Film von Natali Tesche-Ricciardi, Donnerstag, 2. Juni, 20.15 bis 21.00 Uhr, WDR

Talsperren

Eine der kleinsten ist die Panzertalsperre mit einer Fläche von nur rund viereinhalb Fußballfeldern. Zum Vergleich: Die Dhünn-Talsperre umfasst 660 Fußballfelder, gefolgt von der gerade mal halb so großen Wupper-Talsperre. Sie ist die einzige, die die Wupper direkt in ihrem Lauf unterbricht.

„Das Bergische Land – Wasser, Wälder, Wunderwelten“: Natali Tesche-Ricciardi erzählt von der emotionalen Fertigstellung des Filmes.

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