Fahrzeug

Neuer Elektro-Porsche hat Solinger Ursprung

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Der Porsche schafft es mit 490 PS in 2,5 Sekunden von null auf hundert, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Das alles ermöglichen zwei Elektromotoren.

Unternehmer Siegfried Lapawa bringt mit Hilfe der Kreisel Electric und seiner Evex Fahrzeugbau GmbH den 910e auf die Straße.

Von Thomas Kraft

Neben der geeigneten Straße benötigt man auch das entsprechende Kleingeld, wenn man den Porsche 910e richtig ausfahren möchte. Denn die Rakete mit ihren 490 PS schafft es in 2,5 Sekunden von null auf hundert und bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Das alles ermöglichen zwei Elektromotoren. Na ja, und weil die exquisite Technik im modernen Nachbau der Porsche-Karosserie untergebracht ist, kostet das Ganze auch ein bisschen was: Der Preis wird mit einer Million Euro angegeben.

Der Elektrorenner ist in dieser Woche bei der Oldtimer-Messe Techno-Classica in Essen vorgestellt worden. „Das ist das schnellste Elektroauto der Welt“, sagt Caroline Lapawa. Möglich gemacht hat die Konstruktion, die bundesweit in den Medien Aufsehen erregt, unter anderem ihr Mann, der Solinger Unternehmer Siegfried Lapawa. Denn dessen Silag AG, die einst von Solingen nach Langenfeld zog, ist auch Mutter der Evex Fahrzeugbau GmbH. 2016 übernahm Silag den Spezialisten, der unter der Führung von Egon Evertz schon in den 70er Jahren die offizielle Erlaubnis für Porsche-Nachbauten erhielt und damals vier Replikas des 910er anfertigte, die eine Straßenzulassung erhielten. Evertz hatte für dieses Projekt extra die Evex gegründet.

Neben der Hülle, die also Evex liefert, kommt die Technik für den fulminanten Elektroantrieb von den Gebrüdern Kreisel aus Österreich. Seit längerem haben Philipp, Johann und Markus Kreisel an einer revolutionären Batterie für Elektromobile gewerkelt: leichter, kompakter und leistungsfähiger als die Produkte der Konkurrenz. Darüber berichtet gerade das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“. Jetzt demonstrieren die Kreisels die Power ihres Antriebs im Porsche-Gehäuse.

Realistisch lassen sich mit der Batterie 350 Kilometer fahren

Das Karosserie-Design ist 50 Jahre alt. Denn der 910 wurde zwischen 1966 und 1968 gebaut und fuhr Trophäen bei Langstrecken- und Bergrennen ein, unter anderem am Nürburgring und in Daytona. Im 910e ist der Sechszylinder-Verbrennungsmotor durch den Elektroantrieb ersetzt worden.

Die Technik für den fulminanten Elektroantrieb kommt von den Gebrüdern Kreisel aus Österreich.

In kleiner Serie soll der hochmoderne Renner produziert werden, heißt es – wenn auch in sehr begrenzter Stückzahl. Der 1100 Kilogramm schwere Kreisel Evex 910e verfügt über ein automatisiertes Zwei-Gang-Getriebe. Für das Batteriepaket wird eine Kapazität von 53 kWh angegeben. Damit soll eine realistische Reichweite von 350 Kilometern möglich sein.

Egon Evertz muss das alles wie ein Déjà-vu vorkommen. Der Unternehmer hat in seinem Leben so manches auf die Beine gestellt. Er baute einen Stahlbetrieb auf, war Pilot in einem Luftfahrtunternehmen, das er selbst ins Leben gerufen hatte, und wagte es auch, als Rennfahrer beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans an den Start zu gehen.

Nun hat Siegfried Lapawa die Idee erneut aufgegriffen, das Porsche-Modell 910 nachzubauen. Daran ist bei der Evex GmbH eine Mannschaft von 20 Mitarbeitern beschäftigt. Der Wagen darf mit H-Kennzeichen legal auf die Straße. Der Original-Porsche durfte nur in Rennen eingesetzt werden.

Wie Ralf Diefenthal, Verkaufsleiter von Evex, laut „Spiegel“ bekanntgegeben hat, wurde der Teilebestand für die Nachbauten mit Auktionserlösen, Hamsterkäufen und Glücksfunden aufgefüllt. Zudem seien sicherheitsrelevante Komponenten wie etwa Bremsen weiterentwickelt worden. Die Gitterrahmen sowie die Formen für eine Kunststoffkarosserie entstehen bei Evex in Eigenregie, die Teile für das Fahrwerk und den Antrieb stammen von Porsche. Nach den alten Vorlagen könnte jetzt maximal ein Dutzend neue Evex-Porsche 910e gebaut werden, erklärte Diefenthal. Wer einmal die Eigenschaften und die Dynamik des Elektrorenners erlebt habe, erklärte Lapawa, wolle keinen Verbrenner mehr fahren.

KREISEL ELECTRIC

IDEE Leidenschaft für Geschwindigkeit und Elektromobilität kennzeichnet das Schaffen der Kreisel-Brüder aus Freistadt in Österreich. Seit 2014 haben sie effiziente Hochleistungsbatterien entwickelt, die in Kooperation mit diversen Partnern in E-Karts, Jetskis, E-Rollern, E-Bikes, Pkw, Bussen, Schiffen und Flugzeugen zum Einsatz kommen.

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