Unterkunft für Geflüchtete

Die neuen Nachbarn sind angekommen

Beim Mittwochs-Treff in der Unterkunft für Geflüchtete an der Zietenstraße wurden gestern mit der Stiftungsvorsitzenden Monika Tönnies (r.) Plätzchen gebacken. Foto: Uli Preuss
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Beim Mittwochs-Treff in der Unterkunft für Geflüchtete an der Zietenstraße wurden mit der Stiftungsvorsitzenden Monika Tönnies (r.) Plätzchen gebacken.

Ein Jahr nach dem Erstbezug der Unterkunft für Geflüchtete an der Zietenstraße läuft das Zusammenleben im Quartier reibungslos.

Von Michael Kremer

Das Zusammenleben der mehr als 3000 Menschen im Quartier rund um die Zietenstraße mit den Bewohnern der dortigen Unterkunft für Geflüchtete funktioniert weitestgehend reibungslos, sagt Quartiersmanagerin Eva Thomas. Die anfänglichen Bedenken einiger Anwohner, dass es durch eine mangelnde Betreuung der Neubürger zu Problemen kommen könnte, haben sich nicht bewahrheitet. Einerseits wurden dort eineinhalb zusätzliche Arbeitsstellen für Betreuer eingerichtet, „andererseits konnten wir dank der Unterstützung der Giossi-Stiftung einiges für die Integration machen“, sagt Thomas. Die neuen Nachbarn sind angekommen.

Vor einem Jahr sind die ersten Bewohner in das Holzhaus an der Zietenstraße eingezogen. Heute leben dort gut 50 Geflüchtete – mehr als die Hälfte sind Kinder und Jugendliche. Um ihre Integration zu fördern, hat die Stiftung 6500 Euro für das laufende Jahr zur Verfügung gestellt. „Dabei haben wir darauf geachtet, dass die Kinder in die vorhandenen Angebote im Quartier einbezogen werden“, sagt Eva Thomas.

„Die Unterstützung durch die Giossi-Stiftung ist für uns ein Segen.“
Eva Thomas, Quartiersmanagerin

Zum Beispiel Yazan. Der Zwölfjährige besucht seit zwei Monaten die Hausaufgabenbetreuung im Quartier – wie andere dort lebende Kinder auch. „Es macht Spaß“, sagt er, gemeinsam mit den deutschen Kindern zu lernen und zu spielen. Das wirkt sich auch positiv auf seine Sprachkenntnisse aus. In absehbarer Zeit wird er vermutlich keine Übersetzungen mehr brauchen.

GIOSSI-STIFTUNG

GRÜNDERIN Die Stiftung wurde von der Solingerin Anni Giossi gegründet. Sie ist 2014 gestorben und stellte aus ihrem Nachlass mehr als zwei Millionen Euro zur Verfügung. Zwei Jahre später nahm die Stiftung unter der von der Stifterin testamentarisch verfügten Vorsitzenden Monika Tönnies ihre Arbeit auf. Der Ertrag des Stiftungskapitals, jährlich etwa 40 000 Euro, soll vier Zwecken dienen – unter anderem dem Tierschutz sowie der Förderung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen.

„Die Unterstützung durch die Giossi-Stiftung ist für uns ein Segen“, sagt die Quartiersmanagerin. Dadurch konnte für die Bewohner nicht nur ein Gartenbauprojekt umgesetzt werden, auch eine Fahrradwerkstatt wurde aufgebaut und Ausflüge bezuschusst. Neben speziellen Angeboten für die Bewohner der Unterkunft gibt es zahlreiche Angebote wie einen Deutsch-Kurs für Mütter und Kinder, die nicht nur den Bewohnern der Unterkunft zur Verfügung stehen.

Andere Angebote sind nur den Geflüchteten vorbehalten, „um ihnen einen geschützten Raum bieten zu können“, wie die Quartiersmanagerin sagt. Dazu gehört unter anderem der Mittwochs-Treff. Wöchentlich kommen dort Bewohner der Unterkunft zusammen, um gemeinsam zu kochen, zu basteln oder – wie am Mittwoch – Plätzchen zu backen.

Kinder konnten am regulären Ferienprogramm teilnehmen

Froh ist Eva Thomas über die Zuschüsse der Giossi-Stiftung noch in einem anderen Punkt: Mit dem Geld konnte Kindern aus der Unterkunft die Teilnahme an den regulären Ferienprogrammen im Quartier ermöglicht werden. „Das ist besonders integrativ“, sagt Monika Tönnies. Sie wurde von der Stifterin testamentarisch auf Lebenszeit zur Vorsitzenden der Stiftung bestimmt.

Nicht zuletzt dank der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung kann die Quartiersmanagerin ein Jahr nach dem Einzug der ersten Bewohner ins Holzhaus an der Zietenstraße ein positives Fazit ziehen: „Es läuft alles unproblematisch im Quartier“, sagt sie. Erleichterung schwingt in ihrer Stimme mit, wenn sie davon spricht, dass die vor einem Jahr geäußerten Bedenken einiger Anwohner „zum größten Teil ausgeräumt“ seien.

Nicht wenige Bewohner der Zietenstraße haben mittlerweile ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihren neuen Nachbarn aufgebaut, als würden sie schon immer zur Gemeinschaft gehören. Und wie es sich für gute Nachbarn gehört, achten sie aufeinander.

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