Neue Stolpersteine für NS-Opfer

Zehava Schlam hält zu Ehren ihrer Großmutter Antonia Krauss und deren Schwestern eine Rede. Zur Enthüllung der Gedenksteine an der Kölner Straße gab es auch Musik von Manfred Lemm. Foto: Uli Preuss

GEDENKEN Angehörige aus Israel und den Niederlanden waren mit dabei. Vier Steine sind vor dem Einkaufscenter Hofgarten.

Von Nadine Diab

Kölner Straße 101: Dort wo heute das Einkaufscenter Hofgarten steht, in das täglich viele Menschen strömen, stand früher das Haus von Regina, Betty, Antonia und Erna Krauss. Und seit gestern kann man, wenn man den Blick senkt und innehält, vier Stolpersteine auf dem Boden entdecken. Sie erinnern an die Frauen, von denen drei 1941 und 1942 deportiert worden. Nur einer gelang die Flucht nach Belgien: Erna Krauss.

Neun Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig gestern in ganz Solingen verlegt. Neun Steine zum Gedenken an die von Nazis ermordeten Solingerinnen und Solinger. Sie heißen Walter Koch, Willi Haas, Dr. Max Waltuch, Josef Levy, Hermann Hoffmann und eben Regina, Betty, Antonia und Erna Krauss. Mitglieder des Unterstützerkreises Stolpersteine für Solingen lesen ihre Biographien vor. Und durch das Lesen bekommen STOLPERSTEINEKÜNSTLER Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Steine in über 500 Orten Deutschlands. In Solingen gibt es mittlerweile 106 Steine.die Namen ein Gesicht, eine Geschichte. „Wir wollen den Opfern einen Namen geben. Wir wollen, dass die Geschichte nicht vergessen wird“, betont Hans-Günther Koch vom Unterstützerkreis.

Das Jugendorchester aus Ness Ziona spielt zwei Stücke

Anneke Barbara Waltuch ist mit ihrem Mann Klaas Rooyens aus den Niederlanden gekommen, um der Enthüllung des Stolpersteines von Max Waltuch beizuwohnen. „Mein Onkel Max hat in Solingen gelebt. Ich bin die Tochter von Ernst Waltuch. Es ist für mich sehr berührend und bewegend, heute hier zu sein“, sagt Anneke Barbara Waltuch.

Zehava Schlam ist aus Israel gekommen, um ihre Oma Antonia Krauss zu ehren. Sie hält ihre Rede auf Deutsch, wirkt gefasst, nur manchmal zittert ein wenig die Stimme. „Großmutter Antonia, ich bin heute hier, um euer Andenken zu ehren. Der einzige Überlebende war dein Sohn, mein Vater. Er wanderte aus. Konnte sich über vier Enkel und zehn Urenkel freuen. Vater hat dich nie vergessen.“

Schlam schloss mit einem Bibelvers: „Und ich werde ihnen in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben. Einen ewigen Namen werde ich ihnen geben, der nicht ausgelöscht werden soll.“ Vor dem Hofgarten gibt es Musik von Manfred Lemm und vom Jugendorchester der Partnerstadt Ness Ziona. Viele bleiben stehen, falten die Hände, senken den Blick und halten inne. Auch Zehva Schlam. Einen kurzen Moment. Dann schaut sie wieder auf. Und blickt nach vorne.

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